Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Ordo Obsidium: Orbis Tertius

Trotz langer Songs kommt hier kaum Langeweile auf
Wertung: 8/10
Genre: Black Metal, Doom Metal
Spielzeit: 47:23
Release: 10.10.2011
Label: Eisenwald Tonschmiede

Normalerweise hört man von Freunden und Musikfans immer den Satz "Die Platte musst du dir unter Kopfhörer anhören, dann klingt sie gleich viel besser". Tatsächlich gibt es wenige CDs, denen eine Kopfhörersession mehr schadet als nutzt, denn im Normalfall kann man so ein viel detaillierteres Hörvergnügen genießen. Bei "Orbis Tertius", dem Debüt der amerikanischen Black-Doomer Ordo Obsidium dreht man allerdings durch, wenn man sich die komplette Dreiviertelstunde via Kopfhörer reinzieht. Kurz vorm Amoklauf reißt man sich das gute Stück dann vom Kopf, pfeffert es in die Ecke und schmeißt erstmal eine Ladung Aspirin ein.

Das liegt nun beileibe nicht daran, dass die Amis schlechte Musik machen - allerdings ist der Sound der Truppe so allumfassend, dass man das Gefühl hat, die Musik würde von allen Seiten auf einen einstürmen. Gerade bei Black und Doom Metal ist das insofern fatal, weil man da ganz schnell stimmungsmäßig runtergezogen wird. Die erste Prämisse vor dem Einlegen der CD muss also sein, sich zumindest in eine halbwegs stabile Grundstimmung zu versetzen.
Weiter also mit der Musik: Wie das bei vielen Bands aus den beiden Genres so üblich ist, hält sich das Line-Up in Grenzen; Gitarrist und Sänger Incitatus und seine Kollegen Balan (Gitarre, Keyboards, Vocals) und Drummer SM setzen den ganzen Klangzirkus zusammen mit einem Bassisten um, der nicht namentlich genannt werden will. Das führt natürlich im Geiste zu wilden Spekulationen, die man wahrscheinlich bis ins Unendliche fortführen kann, schließlich bleibt anzuzweifeln, dass die Band ihren Bassisten allzu bald namentlich aufführen wird.

"Nequaquam Vacuum" legt gleich mal einen rotzig-rasanten Grundstein für den Rest der Platte: Das Schlagzeug scheint den waghalsigen Gitarren immer eine Zehntelsekunde nachrennen zu müssen, aber komischerweise stört das hier kaum und sobald die dämonischen, mit etwas Hall unterlegten Schreie ins Bild drängen, hat man eh kaum noch Ohren für die Instrumente. Was Incitatus hier abliefert, treibt einem Schwarzwurzelfan die Tränen der Freude in die Augen und die Gänsehaut die Arme hoch. Und obwohl der Track sich über beinahe zwölf Minuten ausdehnt, haben die Amis die Doom-Elemente so geschickt und spärlich eingeflochten, dass man sich kaum über dröge oder lahmarschige Passagen beschweren kann. Gegen Ende des Songs kommen sogar noch ein paar melodiöse Einschübe zum Zuge, die das darauffolgende Gitarrengewitter natürlich nur noch monströser erscheinen lassen.

Der Titeltrack startet dann schon beinahe monumental, steigert sich dann aber in einen regelrechten Rausch, in dem neben Black und Doom auch Depressive-Elemente wie die hallenden Vocals und die übermäßige Snaredrum-Verwendung finden. Mit sechseinhalb Minuten markiert der Song dann auch noch den kürzesten der ganzen Platte - nicht übel für ein Debüt und verdammt mutig, sich an eine Reihe so langer Songs zu wagen wie den erwähnten Opener.

Apropos Überlänge: Natürlich steht auch am Ende der Platte wieder ein ellenlanger Track, "By His Unflinching Hand" mit Namen, der schon im Intro mit Trommelwirbel und flirrenden Gitarren mehr Spannung aufbaut, als manch andere Combo das auf einer kompletten Scheibe vermag. Fast flötenartige Keyboardpassagen bahnen sich einen Weg durch den Sounddschungel, der sich wie eine dunkles Band um den Kopf legt, wenn man der CD eine Kopfhörersession gönnt. Die eingestreuten Schreie des Sängers verdichten die Atmosphäre noch um ein Vielfaches. 

Fazit: Trotz oder gerade wegen des etwas gewöhnungsbedürftigen Sounds überzeugen Ordo Obsidium mit ihrem Debüt auf ganzer Linie. Die Band klingt sehr ambitioniert und hat auch die langen Songs genau ausgetüftelt, um Leerlaufpassagen und Langeweile zu vermeiden. Ein bisschen transparenter hätte die Produktion sein dürfen, aber glücklicherweise passt das etwas dumpfe Gebräu zur Band. Hier kann und darf man sicherlich noch einige Überraschungen erwarten.

comments powered by Disqus