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Orden Ogan: Easton Hope

Vorschusslorbeeren gerechtfertigt!
Wertung: 9.5/10
Genre: Epic Power Metal
Spielzeit: 64:50
Release: 22.01.2010
Label: AFM Records

Tut man Orden Ogan einen Gefallen, wenn man sie hochjubelt und quasi zu den Thronerben Blind Guardians erhebt? In meinem Fall bin ich bei solchen Vorschusslorbeeren immer vorsichtig, denn mir stehen noch zu sehr Bands wie Savage Circus oder Airbourne vor meinem geistigen Auge. Beide Bands sind keinesfalls schlecht, aber ich frage mich bei ihren Alben stets, warum ich mir nicht gleich die Originale anhöre. Dementsprechend skeptisch ging ich an „Easton Hope“ heran, welches schon das dritte Album der Sauerländer ist. Das Vorgängerwerk „Vale“ kannte ich nämlich nur in Auszügen, die mich aber doch optimistisch gestimmt haben. Dennoch blieb die Skepsis, ob die Band die mit Sicherheit hohen Erwartungen ihres neuen Labels AFM Records erfüllen konnte.

In einem Punkt kann man glücklicherweise schon nach den ersten Minuten Entwarnung geben: Orden Ogan sind KEIN Klon von Blind Guardian, obwohl der Einfluss der Krefelder natürlich an allen Ecken und Kanten zu hören ist. Bombastische Chöre, sphärische Keyboards (die nie überstrapaziert werden) und einige Riffs erinnern doch deutlich an eine der führenden deutschen Metalbands. Jedoch bringen Orden Ogan im Gegensatz zu Savage Circus genügend Eigenheiten mit, um sich einen eigenen Namen zu machen.

Mit dem Intro „Rise And Ruin“ macht die Band gleich schon klar, wie sie ihr Konzeptalbum aufziehen werden: bombastisch! Erinnerungen an große Filmsoundtracks und diverse Rollenspiele werden wach, bevor mit „Nobody Leaves“ erstmal ordentlich aufs Tempo gedrückt wird. Für Abwechslung sorgt neben dem leicht progressiven Songwriting der Einsatz von zwei Sängern, die von den exzellent arrangierten Chören unterstützt werden. Keiner der Sänger verfügt über eine hervorstechende Stimme wie beispielsweise Matthew Barlow (Iced Earth, ex-Pyramaze), aber sie wissen, was sie können und versuchen sich nicht an Experimenten, die ihnen nicht liegen. So muss es doch sein, denn am prägnantesten sind nun mal die starken Chöre, die aufgrund ihrer sehr klaren Stimmen Assoziationen zu Tyr erlauben. Trotzdem sind „Nobody Leaves“ und das folgende „Goodbye“ nicht mehr als die Einstimmung zum Rest des Albums.

Wie man vielleicht schon vermuten kann, sind Orden Ogan nicht die härteste und schnellste Power Metal Band, die es gibt. Dafür können sie mit Hymen wie dem Titelstück aufwarten, das trotz seiner zahlreichen Wendungen als glasklarer Ohrwurm durchgeht. An dieser Stelle noch einmal ein großes Lob an Keyboarder Nils, der genau weiß, wann und wie er sein Instrument einzusetzen hat...und wann nicht. Davon profitiert auch das wahrhaft epische „Welcome Liberty“, und spätestens jetzt wird klar, dass die fünf Musiker wohl planen, jeden Chorus auf der hirninternen Festplatte festzusetzen.

Bestes Beispiel dafür ist die Running Wild-Hommage „We Are Pirates“, für die man sich Michael „Majk Moti“ Kupper ins Studio holte, der mit seiner Gitarre schon auf dem Klassiker „Death Or Glory“ zu hören ist. „We Are Pirates“ ist eine Spaßnummer, die ein wenig vom progressiven Konzept abweicht, aber nicht als bloßer Klamauk abgestempelt werden darf. Im Gegenteil: Durch diesen Song wurde ich erst so richtig auf die Band aufmerksam und war dann auch angenehm überrascht, als ich „Easton Hope“ besprechen durfte. Aber das nur am Rande. Zusammengefasst kann man sagen: „We Are Pirates“ mag den Fluss des Albums ein wenig stören, aber bei der Qualität der Nummer kann man locker darüber hinweg sehen. Mit einen „Hit“ aufwarten zu können ist ja schließlich auch nicht das Schlechteste.

Die Platte hat keinen einzigen Ausfall zu „bieten“, wohl aber noch so manche Überraschung. „The Black Heart“ klingt wie zwischen „Somewhere Far Beyond“ und „Imaginations From The Other Side“ entstanden (wem das nichts sagt – Hausaufgaben machen!). „Of Downfall And Decline“ wirkt zuerst sperrig, wächst dann aber stetig. „All These Dark Years“ und vor allem „Requiem“ sind nachdenkliche und atmosphärische Stücke, die richtig an der Seele kratzen, wenn man sie lässt. „Requiem“ bietet passenderweise auch die beste Gesangsleistung des Albums und erinnert mich ob seines Soundtrack-Flairs an die Kompostionen eines Mike Oldfield (wenn er seine Ideen nicht gerade mit elektronischen Einflüssen versaut).

Fazit: „Easton Hope“ ist Pflichtprogramm für jeden, der eine Band sucht, die sich trotz offensichtlicher Einflüsse schon längst eigene Trademarks geschaffen hat. Natürlich gibt es auch Kleinigkeiten zu meckern, so sind mir persönlich die Gitarren etwas zu leise und mancher mag ein Problem mit den omnipräsenten Chören haben. Diese überladen die Songs aber nicht, sondern tragen zur ganz eigenen Atmosphäre von „Easton Hope“ bei. Nur wenige Bands mit einem so hohen Bombast-Faktor schaffen es, ihre Songs nicht (!) zu überladen. Orden Ogan sind eine davon. Von denen sollten wir noch eine Menge hören, ich freu mich drauf.

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