Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Orchid: Heretic

Weiterhin kaum Eigenständigkeit, aber nichtsdestotrotz klasse Songs
Wertung: 7/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 26:34
Release: 07.09.2012
Label: Nuclear Blast

Mächtig abgeräumt haben die Amerikaner Orchid mit ihrer im letzten Jahr erschienenen Debüt-Full-Length „Capricorn“, die von den Kritikern mit Lob geradezu überschüttet wurde. Ohne Zweifel handelte es sich bei der Scheibe um ein starkes Album mit spannenden Songs, das klassischen Doom Metal bot, wie man ihn im Prinzip nicht viel besser darbieten kann, allerdings konnte man sicherlich den Vorwurf erheben, dass die Band doch äußerst wenig Eigenständigkeit an den Tag legte. An allen Ecken und Enden atmet der Sound von Orchid Black Sabbath (Ozzy-Ära), vor allem der Gitarrensound hört sich beinahe exakt nach Tony Iommis Spiel an, mit sämtlichen Details wie zum Beispiel die gegeneinander laufenden, übereinander gelegten Sololäufe, die Atmosphäre versetzt einen ebenfalls an den Anfang beziehungsweise in die Mitte der Siebziger Jahre. Lediglich die Stimme von Theo Mindell lässt den Unterschied ausmachen, denn so liebenswert quäkig wie der Prince Of Darkness singt natürlich sonst niemand.

Alles nur geklaut also? Nun ja, das wäre vielleicht etwas zu drastisch ausgedrückt, zumal eben die Songs auf der Erstlingslangrille wirklich bärenstark waren – genau wie die der Vorab-EP „Through The Devil’s Doorway“ von 2009. Nach dem Erfolg von „Capricorn“ schieben die Jungs aus dem sonnigen Kalifornien nun mit „Heretic“ neues Futter für alle Doom-Jünger nach – und erneut handelt es sich um drei Kompositionen (das abschließende „He Who Walks Alone“war bereits auf „Capricorn“ zu finden; ein bisschen wurde also geschummelt, nicht alles ist brandneu), die einfach so gut sind, dass man bezüglich der eklatanten Ähnlichkeit zu Black Sabbath einfach mal ein Auge zudrücken muss, darf und kann. Außerdem sind beispielsweise Airbourne auch mehr als nur bloße Fans von AC/DC und füllen inzwischen Arenen, und auch Joel O’Keeffe und Co. sind einfach hervorragende Songwriter.

Des Weiteren demontieren sich Black Sabbath mit der peinlichen Affäre um Bill Ward gerade selbst nach allen Regeln der Kunst, sodass man lieber froh sein sollte, eine Combo am Start zu haben, die noch weiß, wie man guten Doom Metal der alten Schule zelebriert. „Heretic“ bietet großartige, catchy Riffs, die sich auch Tony Iommi, der Meister selbst, wohl nicht besser hätte ausdenken können. Allein das Mainriff des Titelstücks und Openers ist gleichsam tonnenschwer wie eingängig, wenngleich man dabei auch ein wenig an „Sweet Leaf“ denken muss. Dennoch wissen die Kerle definitiv, wie es geht. Mit dem ruhigen Beginn des folgenden „Falling Away“ wird die Stimmung etwas kuscheliger, ein wenig spacige „Planet Caravan“-Atmo kommt auf, verziert durch einschmeichelnde Sololicks auf der Akustikgitarre und eine dezente Orgel. Großartig, wie dann gegen Ende der Härtegrad angezogen wird, elektrisch verstärkte Klampfen die akustischen ablösen.

Nun ja, es lässt sich eben nicht vermeiden, immer wieder irgendwelche Black-Sabbath-Stücke als Vergleich heranzuziehen, doch das ändert nichts an der Güte der Stücke selbst und den handwerklichen Fähigkeiten der Protagonisten. Auch „Saviours Of The Blind“, das das wohl dämonischste Riff der ganzen Scheibe besitzt, und das wie erwähnt bereits bekannte, im ersten Teil fantastisch marschierende und im zweiten Teil mächtig an Fahrt gewinnende „He Who Walks Alone“ wecken natürlich Erinnerungen an die Birminghamer Metal-Institution.

Unterm Strich machen Orchid mangelnde Eigenständigkeit mit songwriterischer Klasse wett, und dass die Jungs das, was sie tun, mit Herzblut machen, ist eh zu jeder Sekunde erkennbar. Auch wenn es vielleicht nicht schlecht wäre, wenn das San-Francisco-Quartett nächstes Mal ein klein wenig innovativer agieren würde, was die musikalische Ausrichtung angeht – angesichts des prinzipiell starken Materials darf man acht Punkte vergeben, einer davon muss jedoch wegen des Wiederverwendens von „He Who Walks Alone“ wieder abgezogen werden.

comments powered by Disqus

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging

Trotz eher kurzem Set des Headliners ein schöner Konzertabend