Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Opeth: The Roundhouse Tapes

Sehr gute DVD, mitunter etwas hektische Schnitte
keine Wertung
Genre: Progressive Death Metal
Spielzeit: 120:00
Release: 31.10.2008
Label: Peaceville

Na endlich! – Nachdem die CD-Version des Auftrittes von Opeth im wunderschönen Roundhouse bereits vor ziemlich genau einem Jahr herausgebracht wurde, wurde der Termin für die Veröffentlichung der DVD immer weiter nach hinten verschoben; auch allerdings, weil man sich zunächst auf das Erscheinen des neuen Albums „Watershed“ konzentrieren wollte, das inzwischen seit Mai in den Läden steht.

Herausgekommen ist in jedem Fall ein Produkt, das sich kein Fan durch die Lappen gehen lassen sollte. Auf der CD konnte man bereits hören, dass sich die Band einmal mehr in Topform und absolut spielfreudig präsentiert und das Ganze ergibt nun, angereichert durch die visuelle Komponente, das vollständige Bild eines glänzenden Opeth-Auftritts, bei dem jedes Album (außer merkwürdigerweise „Deliverance“) mit mindestens einem Song vertreten ist, sodass eigentlich jeder auf seine Kosten kommt, ob er nun die neueren oder die älteren Opeth bevorzugt.

Doch nicht nur die Band, auch das enthusiastische Publikum ist allerbestens drauf und feiert die Schweden von der ersten bis zur letzten Note. Überhaupt wurde es – indem man überall im Raum Mikros postierte – aufnahmetechnisch ganz hervorragend gemacht, wie man bei diesem Mitschnitt das Publikum einbezogen hat, indem einzelne Rufe sehr deutlich auszumachen sind, auf die Mikael in seiner kauzigen Art auch eingeht. Seine Kommunikation mit den Zuschauern ist einfach einzigartig; welche so vergleichbar große Band redet denn sonst noch mit einzelnen Leuten aus dem Publikum? Dies jedoch beweist die sympathische Bodenständigkeit der Schweden und die Lockerheit, die sie nach jahrelangem Touren inzwischen auf der Bühne gewonnen haben.

Heiratsanträge nimmt Akerfeldt genauso zur Kenntnis, wie er Fragen danach beantwortet, was er denn heute gegessen habe: „Dinner? I didn’t have dinner. There was no time for dinner. ‚Just go out there and rock, you motherfucker’, they told me.“

Oder: „This is a nice venue. I heard some of my favourite bands from the Sixties played here. The Doors played their only European concert here. So I play the part of Jim Morrison now and be obscene and say things like ‚cock’.“ – Oder bei der Vorstellung der Bandmitglieder: „Time for porn music. Do you recognize, is this the blowjob scene or the anal scene?“

Man könnte noch etliche Beispiele für die herrlich sinnfreien Ansagen Akerfeldts machen, doch das würde hier den Rahmen sprengen und vom Wesentlichen ablenken: der Musik.

Mit dem mächtigen Titelstück und „Bleak“ bekommt der Fan zwei absolute Highlights von „Blackwater Park“ geboten; mit dem mit „absolute black metal-nonsense-lyrics“ (Akerfeldt) ausgestattetem „Under The Weeping Moon“ und dem Mikael ursprünglich einmal verhassten „The Night And The Silent Water“ zwei Frühwerke; mit „Windowpane“, dem stärksten Song von „Damnation“ und „Face Of Melinda“ von „Still Life“ präsentiert die Band zwei ausschließlich ruhige Stücke und mit „Ghost Of Perdition“ spielt man selbstverständlich auch einen Track vom damals neuesten Album „Ghost Reveries“.

Zwei Songs von „My Arms, Your Hearse“ dagegen bilden den Anfang und das Ende des Sets: während das epische „When“ einen phantastischen Opener hergibt, ist das mächtige „Demon Of The Fall“ ein guter Rausschmeißer.

Wie erwähnt, aus jeder Phase ist was dabei, wenngleich man insgesamt vielleicht noch ein oder zwei Songs mehr hätte spielen können.

Das Ganze ist sehr professionell gemacht und gefilmt, immer wieder sieht man auch, wie die Zuschauer abgehen und sehr hübsch ist auch das Stilmittel, das Bild immer mal wieder schwarzweiß oder grobkörnig zu machen (das haben sich Opeth wohl von Porcupine Trees „Arriving Somewhere“-DVD abgeguckt). Was mich nur stört, sind die viel zu häufigen Schnitte, das wirkt oft hektisch und außerdem will ich zum Beispiel bei einem Solo dem Solisten auch auf die Finger gucken und nicht, dass die Kamera stattdessen ständig woanders hin wechselt.

Auch wäre es schön gewesen, wären zumindest bei dem im Bonusmaterial enthaltenen Interview Untertitel vorhanden gewesen, denn den Reporter versteht man mit seinem fiesen britischen Englisch kaum; so muss auch Mikael Akerfeldt bei einer Frage nachhaken: „Ähh... what?“

Aber das sind letztendlich nur kleine Mängel; die DVD ist trotzdem jeden Cent wert, schon wegen des heimlichen Highlights: Die Fans aus aller Herren Länder, die im Bonusmaterial und beim Abspann der Show zu Wort kommen und sich darüber äußern, was ihre persönlichen Konzerthighlights waren, was sie an der Band lieben und welches Mitglied sie am liebsten mögen. Das kann man eigentlich nur noch mit einem Wort beschreiben: Kult!

Dass hier unterschiedlichste Typen am Start sind, zeigt, wie bunt gemischt der Fankreis der Band ist und dass nicht nur Metaller, sondern auch Leute, die sonst vielleicht ganz andere Musik hören, zu Opeth-Anhängern geworden sind.

In den letzten Jahren ist die Band dementsprechend stetig größer geworden und mit dieser professionellen und stilvoll aufgemachten Live-DVD wird sie verdientermaßen bestimmt noch mehr Fans hinzugewinnen.

comments powered by Disqus