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Opeth: Orchid

Beeindruckendes Debütalbum einer großen Band
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Death Metal
Spielzeit: 65:30 (Re-Release 71:52)
Release: 15.05.1995
Label: Candlelight Records

Wer Opeth heute hört und die alten Scheiben noch nicht kennt, wird sicherlich erst einmal sehr überrascht reagieren, wenn er „Orchid“ auflegt und registriert, wie die Band damals noch klang. Die einzigartige Mischung aus düsteren, epischen Death-Metal-Passagen und akustischen Momenten, die herrlichste Melodien beherbergen, zeichnete die Schweden zwar damals schon aus, doch hörte man sich noch längst nicht so brachial und mächtig wie auf den späteren Scheiben an. Schon in den ersten Jahren von Opeth dürfte es wohl keine andere Combo gegeben haben, die Musik auf solche Art spielte, trotzdem waren Mikael Åkerfeldt und Co. noch ein wenig auf der Suche nach ihrem Stil, der sich erst auf dem dritten Album „My Arms, Your Hearse“ ganz eindeutig herauskristallisierte. 

Åkerfeldts Growling ist auf „Orchid“ und ebenso dem Nachfolger „Morningrise“ noch längst nicht so mächtig, akzentuiert und kraftvoll wie auf den späteren Werken und auch die Produktion – die für das Debütalbum einer (damaligen) Underground-Band dennoch hervorragend und weit vom Geschrammel mancher Genrekollegen entfernt ist – hat bei weitem nicht die Transparenz und Durchschlagskraft wie bei „My Arms, Your Hearse“ oder gar „Blackwater Park“.

Trotzdem haben die frühen Opeth einen unwiderstehlichen Charme. Aus heutiger Sicht wirkt das Ganze vielleicht fast ein bisschen naiv, aber die allzeit spürbare Naturverbundenheit (wozu sowohl Atmosphäre, als auch Songtitel wie „Under The Weeping Moon“ oder „Forest Of October“ beitragen) verleiht dem Album eine unheimliche Wärme und wenn man bedenkt, dass Mikael damals erst zarte 19 Lenze zählte, ist das Resultat ohnehin mehr als anerkennenswert. Mal abgesehen davon gibt es ja genügend Leute, die die Frühwerke von Opeth am meisten lieben.

Die Band wartete denn auch damals bereits mit ausladenden, epischen und komplexen Kompositionen auf; allein der Opener „In Mist She Was Standing“ dauert über 14 Minuten und zeigt auf vielversprechende Weise, wohin die Reise des Quartetts noch gehen sollte und was für Potential in ihm steckt.

Los geht es mit einer langen Instrumentalpassage, in der sogleich klar wird, dass diese Band sich nicht mit Powerchord-Geschredder zufrieden gibt. Aufwendig sind die Gitarrenstimmen arrangiert und auf die anschließende Growl-Sequenz folgen ruhige Akustikklänge. Gerade die vielen Akustikgitarrenduelle machen eine Bühnenumsetzung vieler Stücke auf „Orchid“ und auch „Morningrise“ sehr schwer, zeigen aber umso deutlicher auf, wie stark Opeth bemüht waren, anspruchsvolles und durchdachtes Material abzuliefern.
„In Mist She Was Standing“ schließt mit einer sehr harmonischen Passage, die wie Iron Maiden auf Death Metal klingt, bevor mit „Under The Weeping Moon“ ein Track erklingt, der auch auf der Setlist von „The Roundhouse Tapes“ als einer der wenigen ganz alten Songs zu finden ist. Sehr atmosphärisch besonders die Stelle in der Mitte, die dank der Gitarre mit ihren langgezogenen Tönen irgendwie tatsächlich an eine Vollmondnacht denken lässt.

Nach diesen beiden sehr langen Stücken folgt „Silhouette“, ein kurzes, klassisch beeinflusstes Piano-Zwischenstück, bevor sich mit „Forest Of October“ ein weiterer Song jenseits der Zehn-Minuten-Grenze die Ehre gibt und bei dem es sich zumindest um meinen persönlichen Favoriten des Albums handelt; schon das geheimnisvoll anmutende Intro scheint Großes anzukündigen. 

Dafür hat das elfminütige „The Twilight Is My Robe“ die schönsten Akustikpassagen auf „Orchid“ zu bieten: Die wundervollen Melodien, die ab etwa der vierten Minute einsetzen und das anfängliche Death-Metal-Gemetzel ablösen, treiben einem geradezu die Tränen in die Augen. Und im Intro des finalen (wenn man mal von „Into The Frost Of Winter“, einem in schrammliger Proberaum-Qualität dargebotenen Bonustrack auf dem Re-Release, den man sich gerne hätte sparen können, da er eher die Atmosphäre des Albums stört, absieht) – natürlich erneut überlangen – „The Apostle In Triumph“, welches von „Requiem“, dem zweiten kurzen Zwischenstück eingeleitet wird, ertönen sogar einige Percussions. 

Fazit: Das Debütalbum von Opeth sollte sich niemand entgehen lassen. Die fünf überlangen Kompositionen sind allesamt Perlen, die es nach und nach zu entdecken gilt. Zunächst einmal scheinen viele Parts willkürlich aneinander gereiht und auch wenn es sein mag, dass die Schweden später kompositorisch reifer agierten und die Alben homogener erschienen, so sind auf „Orchid“ doch einige der schönsten Opeth-Momente zu finden. Man sollte etwas Geduld aufbringen, die herrlichen Melodien einfach nur genießen und in der einzigartigen Atmosphäre dieses Albums versinken: Kerze an, Licht aus und Augen zu.
Für ein Erstlingswerk auf jeden Fall eine beeindruckende Platte, die bereits unfassbare spielerische und musikalische Fähigkeiten seitens der Bandmitglieder offenbarte und zurecht als Klassiker gilt. 

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