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Opeth: My Arms, Your Hearse

Generalüberholung des Sounds
Wertung: 10/10
Genre: Progressive Death Metal
Spielzeit: 52:38 (Re-Release 62:49)
Release: 18.08.1998
Label: Candlelight Records

„My Arms, Your Hearse“ ist das dritte Opeth-Album und nicht nur eines der besten, sondern auch eines der wichtigsten, was die Entwicklung der Band angeht. Zunächst einmal erfuhr der Gesamtsound eine Generalüberholung – Gitarren und Schlagzeug drücken um einiges mehr als auf den beiden Vorgängern „Orchid“ und „Morningrise“ und die gesamte Produktion ist transparenter und durchschlagskräftiger.

Außerdem hat Mikael Åkerfeldt hörbar an seinem Growling gearbeitet, das nun wesentlich akzentuierter, mächtiger und böser klingt. Inzwischen dürfte er ohnehin konkurrenzlos an der Spitze der Liste der besten Death-Metal-Sänger stehen.

Des weiteren sind entscheidende personelle Wechsel zu verzeichnen: Bassist Johan DeFarfalla und Schlagzeuger Anders Nordin hatten die Band verlassen und wurden durch Martin Mendez und Martin Lopez ersetzt. Zusammen mit Peter Lindgren und Mikael Åkerfeldt bildeten sie ein Line-up, das sich bis 2006 halten sollte und bei den meisten Fans sicherlich als das klassische gilt. Allerdings sei angemerkt, dass, auch wenn Mendez bereits als neuer Opeth-Bassist feststand, er wohl keine Zeit mehr hatte, die Basslines für die neue Scheibe zu lernen, sodass Bandkopf Mikael Åkerfeldt diese selbst einspielte.

Auch stilistisch haben die Schweden einige Veränderungen vorgenommen. Die Akustikparts wurden im Vergleich zu den Vorgängern klar reduziert – kommen dadurch aber nur umso effektiver – und bei den Songs findet sich diesmal keiner, der länger als neun Minuten dauert. Die Verspieltheit der Erstlingswerke ist dadurch zwar in der Form nicht mehr vorhanden, dafür ist „My Arms, Your Hearse“ in seinem Gesamtsound, den übermächtigen Gitarrenwänden und den brutalen, großartigen Riffs einfach nur beeindruckend gewaltig, und songschreiberisch hat die Combo inzwischen eindeutig ihren Weg gefunden. Man höre sich nur Songs wie den treibenden Opener „April Ethereal“ an, der nach dem spannungsgeladenen „Prologue“ mit einer Brachialität aus den Boxen donnert, die ihresgleichen sucht; das facettenreiche „When“, welches wohl auch heute noch zu den besten Opeth-Songs gezählt werden muss und immer noch fester Bestandteil vieler Shows ist; den alles vernichtenden Track „The Amen Corner“; oder „Demon Of The Fall“, eines der eingängigsten Stücke der Band, das genau wie „When“ schnell zu einem Live-Standard avancierte.

Bei aller Brutalität zeigen Opeth jedoch trotzdem, dass sie weiterhin problemlos in der Lage sind, wundervoll melancholische, nachdenkliche Songs zu schreiben, wie anhand des todtraurigen „Credence“ oder des Gänsehaut verleihenden, mit majestätischer Orgel versehenen „Epilogue“ erkennbar ist, die sich beide exzellent ins Gesamtbild einfügen.

Apropos Gesamtbild: „My Arms, Your Hearse“ stellt das erste lyrische Konzeptalbum der Schweden dar (mit der folgenden Platte „Still Life“ sollte anschließend gleich das nächste erscheinen). Es geht um einen verstorbenen Mann, der als Geist ein untotes Dasein fristet und zu seiner Verzweiflung beobachten muss, wie seine geliebte Frau – die er am liebsten in seine Welt holen möchte – nach seinem Tod inzwischen jemand anders kennengelernt hat. Die Emotionen dieses Untoten werden musikalisch in wirklich einzigartiger Weise beschrieben: Wut und Verzweifung in „Demon Of The Fall“ (der Wandel dieser beiden Gemütszustände wird unfassbar grandios durch den Wechsel in den Cleangesang gegen Ende des Songs dargestellt), Trauer und Selbstmitleid in „Credence“ und schließlich die grausame Erkenntnis, für immer allein zu sein, repräsentiert durch das übermächtige End-Riffing in „Karma“. 

Schon diese Tatsachen beweisen eine neuerliche musikalische Weiterentwicklung. „My Arms, Your Hearse“ ist ein unheimlich fesselndes Album, das von der ersten bis zur letzten Sekunde gefangennimmt. Übermächtige, teilweise sogar erstaunlich eingängige Riffs, balladeske Passagen, die zu Tränen rühren, vielfältiger, emotionaler Gesang und einfach großartige Songs: Das dritte Album der Stockholmer ist ein absoluter Meilenstein, sowohl in der Metalhistorie, als auch wie erwähnt, was die weitere Entwicklung der Band selbst betrifft – die Höchstwertung ist somit unumgänglich.

Auf der Neuauflage aus dem Jahre 2000 finden sich mit „Circle Of The Tyrant“ und „Remember Tomorrow“ außerdem noch zwei Coverversionen von Celtic Frost bzw. Iron Maiden. Natürlich passen diese nicht wirklich zum Konzept des Albums, trotzdem handelt es sich um überzeugend vorgetragene Interpretationen, die man sich auf jeden Fall gut anhören kann.

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