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Opeth: Morningrise

Ein meisterhaftes zweites Album
Wertung: 10/10
Genre: Progressive Death Metal
Spielzeit: 66:03 (Re-Release 74:41)
Release: 24.06.1996
Label: Candlelight Records

Wie schon der Vorgänger „Orchid“ birgt auch Opeths zweiter Streich „Morningrise“ eine sehr naturverbundene Atmosphäre, was sich erneut in Songtiteln wie „The Night And The Silent Water“, „Nectar“ und „Black Rose Immortal“ widerspiegelt. Allerdings ist „Morningrise“ mit nur fünf Tracks in 66 Minuten noch epischer geraten und auf kurze Zwischenspiele wurde diesmal verzichtet. Mit dem zwanzigminütigen „Black Rose Immortal“ ist außerdem der bis dato immer noch längste Opeth-Song überhaupt enthalten.

Natürlich gibt es das bekannte Wechselspiel zwischen Death-Metal- und Akustikpassagen, wobei die Wechsel noch nachvollziehbarer als auf dem Debüt eingesetzt wurden und die Kompositionen überhaupt ausgereifter und stimmiger erscheinen.

Dies beweist dann auch sogleich der Opener „Advent“, welcher mit einem fulminanten, kraftvollen Riffing startet, das von einem kurzen Akustikbreak unterbrochen wird, nur um danach erneut in ein selten majestätisches, melodisches Riffing, das von Doublebass und Åkerfeldts Growls unterlegt ist, überzugehen. Meisterhaft sind dann auch die weiteren Wechsel zwischen harten und sanften Sequenzen. Man kann diese Wahnsinns-Dynamik einfach nicht oft genug loben und obwohl bereits „Orchid“ ein geniales Werk war, zeigt „Advent“ eine klare Weiterentwicklung in kompositorischer Hinsicht.

Der sich anschließende Song „The Night And The Silent Water“ ist nicht minder großartig, auch wenn Mikael Åkerfeldt früher des öfteren davon sprach, dass er den Song nicht möge – was wohl daran liegt, dass er vom Großvater des Opeth-Masterminds handelt, der kurz vor der Aufnahme des Albums verstarb. Das ist natürlich ein persönlicher Grund für den Frontmann, das Stück lange Zeit nicht live spielen zu wollen; allerdings hat er inzwischen ja seine Meinung geändert und der Track ist sogar auf der Live-DVD/CD „The Roundhouse Tapes“ zu finden. Musikalisch gibt es allerdings ohnehin nichts an „The Night And The Silent Water“ auszusetzen: Hier sind einige der schönsten Akustikpassagen des gesamten Albums zu hören (wer bei den göttlichen Gitarrenstimmen, die nach etwa drei Minuten einsetzen, nicht dahinschmelzt, kann kein Herz haben) und das erhabene, epische Finale setzt dem sowieso schon grandiosen Song die Krone auf.  

Es folgt mit „Nectar“ ein Track, welcher vielleicht nicht ganz das schwindelerregend hohe Niveau der vorigen Songs aufweisen kann, selbstverständlich trotzdem über jeden Zweifel erhaben ist und mit seinen sehr treibenden Riffs zu gefallen weiß.

„Black Rose Immortal“ ist dann mit seinen erwähnten zwanzig Minuten Länge das Herzstück von „Morningrise“ – obwohl es ursprünglich eigentlich auf „Orchid“ landen sollte. Allerdings wurde ein Großteil des Materials in mühevoller Kleinarbeit – besonders was die harmonischen Gitarrenparts angeht – bereits Anfang der Neunziger zusammen von Mikael Åkerfeldt und Peter Lindgren geschrieben und erst hier zusammengesetzt. Wegen der selbst für Opeth-Verhältnisse ungewöhnlichen Länge von „Black Rose Immortal“ jedenfalls ist es umso schöner, diesen Song zu entdecken, da einen auch nach mehreren Durchläufen immer wieder eine neue Überraschung zu erwarten scheint und dank der Dynamik fragt man sich, während man mit seligem Grinsen der Musik lauscht, nur: „Was haben sie sich wohl als nächstes einfallen lassen?“ – Immer wieder folgt noch ein Part und noch einer, immer, wenn man denkt, jetzt müsste wohl eigentlich Schluss sein. Aber das macht den Reiz von Opeth und insbesondere den Reiz der ersten beiden Alben der Schweden aus.

Einen wundervollen Ausklang findet die Platte dann in „To Bid You Farewell“, das ein erneut völlig kitschfreier Tränentreiber ist und ohne Growls auskommt, die allerdings auch ziemlich deplatziert in diesem verträumten, sehnsüchtigen Stück gewesen wären. Sehr gut gemacht, wie die friedvolle Stimmung zu Beginn durch die Steigerung in eine dramatische umschlägt.

Für den Bonustrack „Eternal Soul Torture“ auf dem Re-Release gilt dasselbe wie für „Into The Frost Of Winter“ auf „Orchid“: Mich stört das Gerumpel eher, weil es überhaupt nicht in den Fluss des Albums hineinpassen will, insbesondere wenn man direkt zuvor das ruhige „To Bid You Farewell“ gehört hat. Zumindest eine längere Pause wäre hier angebracht gewesen.

Dies allerdings sei nur am Rande bemerkt; „Morningrise“ gilt bei nicht wenigen Fans als das beste Opeth-Album überhaupt. Mein persönlicher Favorit wird wohl auf ewig „Still Life“ bleiben, aber Mängel sucht man hier natürlich trotzdem vergeblich. Der Einfallsreichtum der Band ist bereits auf dem erst zweiten Album geradezu unfassbar (Mikael Åkerfeldt war kaum älter als 20 Jahre), die Lyrics befinden sich auf einer poetischen Ebene, anstatt alberne Death-Metal-Klischees zu bedienen, und die Detailverliebtheit – wie zum Beispiel neben den bereits erwähnten, aufwendigen Gitarrenarrangements kurze Basssolo-Einlagen – Beweis hohen musikalischen Vermögens. Eine große Karriere war mit diesem Meisterwerk zweifellos vorgezeichnet. Die Konsequenz aus all diesen Erkenntnissen kann nur die Höchstnote sein – ich kann nicht anders. 

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