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Opeth: In Cauda Venenum

Überirdisch gut – ein zukünftiger Klassiker?
Wertung: 10/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 67:45
Release: 27.09.2019
Label: Nuclear Blast

Man sollte ja meinen, dass einer Band nach zwölf Studioalben innerhalb von 24 Jahren nichts Neues mehr einfällt, doch Opeth verblüffen einen immer wieder. Der Abschied von den Death Metal-Elementen mit „Heritage“ war 2011 der bislang rigoroseste Schnitt in der Karriere der Schweden, wer jedoch – unabhängig vom Geschmack – behauptet, Mikael Åkerfeldt und Co. hätten seitdem an Dynamik und Vielfalt eingebüßt oder meint, „das sind nicht mehr Opeth“, hat entweder was an den Ohren oder schlichtweg keine Ahnung von Musik. Growls gibt es auch auf „In Cauda Venenum“ nicht zu hören und dies würde der Entwicklung des Fünfers inzwischen auch nicht mehr Rechnung tragen.

Vielmehr gehen die Nordeuropäer auf ihrem 13. Studiolangspieler wieder neue Wege – am auffälligsten zeigt sich das zunächst einmal darin, dass die Scheibe in schwedischer Sprache aufgenommen wurde; zwar gibt es parallel auch eine englische Variante, doch, um es mal mit der Filmbranche zu vergleichen: Das schwedische Album ist die Originalversion, das englische lediglich die Synchronisation, weswegen Åkerfeldt erklärte, dass er es lieber hätte, wenn zuerst die schwedische Version angehört wird. Zuletzt scheint sich fast ein kleiner Trend aufzuschwingen, Alben in der Muttersprache aufzunehmen – man denke zum Beispiel an Moonspells „1755“ von 2017 auf Portugiesisch.

Musikalisch betrachtet brennen Opeth auf diesem zweisprachigen Doppeldecker jedenfalls ein Feuerwerk ab, die Platte quillt geradezu über vor Spielfreude und Kreativität und ist extrem vielseitig ausgefallen. Die Songs unterscheiden sich deutlich voneinander und können problemlos für sich stehen, dennoch vollbringt die Band gleichzeitig das Kunststück, alles als ein großes Ganzes erscheinen zu lassen, das wunderbar geschmeidig zusammenfließt. Verglichen mit dem relativ kauzig-krautrockigen und psychedelischen Vorgänger „Sorceress“ deckt „In Cauda Venenum“ ein noch größeres Spektrum ab und fährt dabei die gewohnt raffinierten, detailverliebten Arrangements und die einzigartige Dynamik auf.   

Stücke wie „Ingen Sanning Är Allas“ oder „Kontinuerlig Drift“ verzaubern mit unglaublichen Melodiebögen, die nicht von dieser Welt sein können. Unfassbar, wie in ersterem alles immer größer und größer wird und schier zu explodieren scheint;  allein der wundervoll beschwingt-folkige Beginn mit perlenden Akustikgitarren und Streichern, die an Blackfield denken lassen, ist pure Magie – diese unverschämt luftige Leichtigkeit und diese sagenhaften Gesangslinien treiben einen in den Wahnsinn. Bei „Kontinuerlig Drift“ wiederum schafft es die Formation tatsächlich, irgendwie nach Alice In Chains zu klingen (!), um zwischendurch jedoch eine Klarinette einzubauen (!!) und am Ende dann erneut mit einer Akustikpassage von atemberaubender Schönheit aufzutrumpfen – unbeschreiblich großartig.

Auch der zuvor schon veröffentlichte imposante Opener „Svekets Prins“ fällt spektakulär aus: Kein Part wird wiederholt, es gibt also kein typisches Strophe-Refrain-Schema und dennoch setzt sich alles schlüssig zusammen. Die bombastische Einleitung mit den choralartigen Gesängen und einem tollen Åkesson-Solo erschlägt einen förmlich, bevor es erst ruhig und anschließend dramatisch wird. Und hier auch wieder diese fantastischen Gesangsmelodien: In dieser Hinsicht hat Mikael Åkerfeldt es tatsächlich hinbekommen, noch mal einen draufzusetzen, denn was sich auf der Scheibe an vokalen Arrangements wiederfindet, ist nicht weniger als göttlich – jeder Fan von mehrstimmigem Gesang kommt definitiv voll auf seine Kosten und Growls vermisst man zu keiner Sekunde. Und Fredrik Åkesson schüttelt sich ein brillantes Solo nach dem anderen aus dem Ärmel – wohl seine beste Leistung, seit er Mitglied in der Band ist.

So auch in der herzzerreißenden, ein wenig an „Burden“ von „Watershed“ erinnernden Ballade „Minnets Yta“, in welchem er seine Klampfe wie entfesselt schluchzen lässt – mit so einer Nummer würden andere Bands wohl gnadenlos scheitern, hier aber werden kitschige Gefilde nicht einmal gestreift. Mal abgesehen davon wird es zwischendurch mit „Charlatan“ – clever zwischen ruhigere Momente in die Tracklist eingebettet – deutlich frickeliger; verrückt, wie gregorianische Chöre für ein überraschendes Ende sorgen.

Besonders experimentierfreudig zeigen sich Opeth mit dem völlig aus dem Rahmen fallenden „Banemannen“, einer Art Lounge-Jazz-Nummer mit leicht düsterem Touch – unerwartet, aber arschcool und irgendwie elegant. Doch auch der dank ordentlich hallender Drums von einer eigenwillig bedrohlichen Atmosphäre geprägte, schwermütige Albumcloser „Allting Tar Slut“, der zwischen elegischer Strophe und einem doomig gefärbten, schleppenden Riff pendelt und mit einer hübschen Melodie ausfadet, markiert eine ebenso spannende wie eher ungewöhnliche Komposition.

Etwas „sehr ausgefeiltes, komplexes, das aber nicht kompliziert klingt“ wollte Mikael Åkerfeldt erschaffen und exakt das haben er und seine Jungs in eindrucksvoller Manier umgesetzt; in Sachen Qualität, Ideen- und Abwechslungsreichtum, kompositorische Offenheit sowie Performance ist „In Cauda Venenum“ das mit Abstand stärkste und interessanteste der vier „neuen“ Opeth-Alben. Instrumentale wie gesangliche Darbietungen (in beiden Sprachen) sind absolut überragend, die Produktion organisch, warm und klar und auch nach nunmehr mindestens fünfzehn Durchläufen (davon die meisten auf Schwedisch) gibt es keinerlei Abnutzungserscheinungen.
 
Im Gegenteil, dieses Meisterwerk begeistert von der ersten bis zur letzten Sekunde und macht süchtig wie Heroin – die Höchstnote ist nur folgerichtig, zumal auch das zunächst etwas sperrig anmutende „De Närmast Sörjande“ mit jedem Durchlauf mehr und mehr wächst (enthält die wohl anspruchsvollste Akustiksequenz der Platte) und das bereits bekannte „Hjärtat Vet Vad Handen Gör“, in dem mühelos eine proggy groovende Instrumentalfraktion und catchy Vocals unter einen Hut gebracht werden, ebenfalls bärenstark ist. Sakrileg gegenüber Jahrhundertalben der Marke „Still Life“, „Blackwater Park“ oder „Ghost Reveries“? Nö, denn 1.) sollte man die Vergangenheit mal ruhen lassen und nicht ständig Vergleiche ziehen und 2.) sind das eh Elf-Punkte-Alben. Für sich gesehen hat „In Cauda Venenum“ jedenfalls keine Schwachpunkte und genauso das Zeug zum Klassiker. Auch das Coverartwork ist ein echter Hingucker.

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