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Opeth: Ghost Reveries

Viel stärker als "Deliverance" - ein Meisterwerk!
Wertung: 10/10
Genre: Progressive Death Metal
Spielzeit: 66:48
Release: 30.08.2005
Label: Roadrunner Records

Nachdem man mit „Deliverance“ und „Damnation“ zwei Alben herausbrachte, auf denen hartes und ruhiges Material getrennt war und auch die Arrangements eher aufs Nötigste beschränkt waren, haben Opeth die beiden Gegensätze auf „Ghost Reveries“ wieder auf einem Silberling vereint.

Während „Deliverance“ eine ziemlich kalte Atmosphäre verströmte, setzen die Schweden auf vorliegendem Werk wieder mehr auf warme Momente und agieren wieder deutlich detailverliebter und spielfreudiger.

„Ghost Reveries“ wirkt sehr spritzig, ist so dynamisch wie lange nicht mehr und beinhaltet als neues Element eine ganze Reihe von psychedelischen Anleihen, was vermuten lässt, dass Mikael Akerfeldt sich verstärkt mit Musik aus den Sechziger Jahren beschäftigt hat und außerdem der Tatsache zuzuschreiben ist, dass mit Per Wiberg mittlerweile ein Keyboarder festes Bandmitglied geworden ist.

Der geniale Opener „Ghost Of Perdition“ zeigt bereits sehr anschaulich die Ausrichtung des Albums: Gegensätze von akustischen und metallischen Passagen, die so abrupt und krass sind wie seit „Still Life“ nicht mehr, einige flötenartige Keyboardsounds, die für die angesprochenen psychedelischen Elemente stehen und sich sehr gut einfügen. Gerade diese Klänge tragen einen Großteil dazu bei, dass das sich die Stücke wieder viel wärmer anhören als auf dem unmittelbaren Vorgänger, allerdings ist Per Wiberg natürlich zum Glück kein Frickel-Keyboarder der Marke Jordan Rudess, das wäre bei Opeth ja auch völlig fehl am Platz.

Die Dynamik dieses ersten Stückes (und des gesamten Albums) verpflichtet selbstverständlich wie immer bei Opeth zu mehreren Durchläufen, bevor man zu einem adäquaten Urteil kommen kann. Es gibt wieder mal unglaublich viel zu entdecken, die Band hat ihrer Kreativität freien Lauf gelassen und glänzt erneut mit unglaublich vielen herrlichen Melodien und Einfällen.

Man nehme nur ein Stück wie „Beneath The Mire“, das einfach nur sensationell strukturiert ist: Im gesamten Track wiederholt sich nicht eine einzige Passage, man eröffnet mit von psychedelischen Keyboards untermaltem rhythmisch coolem Riffing, dann kommt ein Growl-Part, später ein ganz ruhiger Akustikpart, schließlich ein von Keyboard und Gitarre unisono gespieltes Solo und am Ende ein erneuter, schnellerer Growl-Part. Hört man das zum ersten Mal, kratzt man sich möglicherweise noch am Kopf, aber nach und nach wird einem klar, dass trotz keiner Wiederholung alles genauso sein muss, wie die Band es spielt. Klasse, aber auf derartige Entdeckungsreisen freut man sich ja immer besonders, wenn man sich ein neues Opeth-Album in den Player geschoben hat.

Dann so eine Perle wie „The Baying Of The Hounds“, bei der ich besonders die Stelle mit den wundervollen Harmonien in der Gitarrenstimme bei der Passage „Lined up verses on dead skin/The tainted lips of a stranger/resting upon hers“ liebe, die so typisch Opeth ist. Ohnehin ist „The Baying Of The Hounds“ das vielleicht beste Stück der CD, doch „Ghost Of Perdition“, „Harlequin Forest“ mit dem komplexen, vertrackten Endteil und natürlich das geradezu dämonische, satanische, total böse „The Grand Conjuration“ sind im Prinzip gleichwertig.

Und man sollte auch die kürzeren, cleanen Songs nicht unter den Teppich kehren: „Atonement“ hat mit seiner hypnotischen Gitarrenmelodie etwas Beruhigendes, „Hours Of Wealth“ ist von Mikael perfekt und wunderschön gesungen, sowie mit einem exzellenten Gitarrensolo ausgestattet und das traurige „Isolation Years“ glänzt mit traumhaften Gesangslinien.

Auf der limitierten Auflage bekommt der Fan dann noch das Deep-Purple-Cover „Soldier Of Fortune“ vorgesetzt, das Akerfeldt laut Booklet für die ultimative Ballade hält und er den Song daher unbedingt aufnehmen musste, auch wenn er das Original für zehnmal besser hält. Da mag er recht haben, aber welche Coverversion reicht schon ans Original heran?

Außerdem ist eine zusätzliche Disk vorhanden, auf der eine Dokumentation über den Entstehungsprozess des Albums zu finden ist, des weiteren ein 5.1-Mix des Albums, sowie ein Video zu „The Grand Conjuration“, von dem ich nur abraten kann, es überhaupt zu gucken. Der Song wurde erstens in Radio-Edit-Manier grausam verstümmelt und zweitens ist der Inhalt komplett sinnfrei und wird dem Stück in keinster Weise gerecht.

Am Album „Ghost Reveries“ selbst kann ich allerdings keinerlei Makel ausmachen und von daher eigentlich nur die Höchstnote vergeben. Die Jungs haben es wieder einmal geschafft, ein nahezu perfektes Werk abzuliefern, das eine ganze Menge Neues enthält, trotzdem zu jeder Sekunde nach Opeth klingt und „Deliverance“ nach meiner Ansicht bei weitem übertrifft.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann