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Opeth: Damnation

Für alle, die Growls nicht mögen: Opeth spielen hier nur ruhige Stücke
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 43:11
Release: 14.04.2003
Label: Music For Nations

Einige waren ja nicht unbedingt angetan von Opeths Idee, mit dem Doppel-Release von „Deliverance“ und „Damnation“ ein ausschließlich ruhiges und ein fast durch die Bank hartes Album zu veröffentlichen und böse Zungen warfen den Schweden sogar vor, mit dem vorliegenden Werk Ausverkauf zu betreiben und auf die Charts zu schielen. (Mikael Akerfeldts süffisante Antwort auf diese Lästermäuler beim aktuellen Live-Album „The Roundhouse Tapes“, als sie „Windowpane“ spielen: „Time for the song that will get us chicks backstage“ – herrliche Ironie, aber so kennen und lieben wir ihn ja...)

Ich meinesteils finde den Einfall gar nicht so schlecht, denn wenn man bedenkt, dass Opeth bereits zuvor so wunderbar seelenwärmende, zu melancholischem Schwelgen auffordernde sanfte Nummern wie „Credence“, „Harvest“ oder „Benighted“ komponiert haben, die allesamt jenseits jeglicher kommerzieller Interessen liegen, warum dann nicht ein komplettes Album mit ruhigen Stücken und lediglich cleanem Gesang?

Die acht Songs auf „Damnation“, die sich an psychedelisch angehauchtem Rock der Sechziger und Siebziger orientieren, sind von der Struktur her zwar alle relativ simpel – für Opeth-Verhältnisse auf jeden Fall – und nach dem typischen Strophe-Bridge-Refrain-Prinzip verfasst, aber auch hier sind wieder wie bei den oben genannten alten Stücken wundervolle Melodien vorhanden, die jeden nicht völlig gefühlskalten Menschen berühren müssen. Das häufig verwendete Mellotron verleiht dem Ganzen eine sehr warme Atmosphäre, obwohl das gesamte Werk natürlich dennoch – es handelt sich hier schließlich immer noch um Opeth – von Tristesse und Melancholie gekennzeichnet ist und Mikael Akerfeldts über allem schwebende, hin und wieder an David Gilmour erinnernde Gitarrensoli sind das Salz in der Suppe, verfeinern die ohnehin verträumten Kompositionen. Es gibt in der Metalszene wohl keinen anderen Gitarristen, der so melodisch-gefühlvoll solieren kann (diese Bendings, dieses Rutschen in die Töne!), dass einem die Tränen kommen, mal abgesehen davon, dass es wohl auch sonst keinen Sänger in der Szene gibt, der so viel Feeling in der Stimme besitzt. Wer Opeth nur von diesem Album kennt, bzw. sie hier zum ersten Mal zu Ohren bekommt, wird kaum glauben können, dass der Mann außerdem eines der mächtigsten Death-Metal-Organe der Welt sein Eigen nennt!

Es ist schwer, Highlights aus dem Album herauszupicken, da sich die Songs vom Aufbau doch recht ähnlich sind, aber der Opener „Windowpane“ dürfte wohl schon das eindeutig beste Stück darstellen. „In My Time Of Need“ mit dem herrlichen Mellotron-Fade-out, das äußerst beklemmende, depressive „To Rid The Disease“ mit den sanften Pianoklängen am Ende, „Closure“, das in der Studioversion abrupt endet und von der Band live gerne mal auf zehn Minuten ausgedehnt wird, indem man einen psychedelischen Jam vor den Schlussteil baut, das nette Instrumental „Ending Credits“, welches Mikael selbst als „a naive track“ und „a total rip-off from a band called Camel“ bezeichnet (so seine – erneut selbstironischen – Worte auf der „Lamentations“-DVD aus London) und das völlig depressiv-kalte, finale „Weakness“, bei dem man vor Spannung einfach nur den Atem anhalten muss und welches völlig zurecht am Ende steht, denn an jeder anderen Stelle hätte es deplatziert gewirkt, stehen dem allerdings in nicht viel nach.

Den einzigen Schwachpunkt markiert für mich eigentlich nur ausgerechnet das von Steven Wilson mitkomponierte (er zeichnet für die Lyrics verantwortlich) „Death Whispered A Lullaby“. Keine Ahnung, aber irgendwie fand ich diesen Song – auch wenn er nicht wirklich schlecht ist – immer deutlich schwächer als das restliche Material.

Fazit jedenfalls ist: Jeder, der Opeth schon immer aufgrund ihrer Akustikpassagen und ihres musikalischen Könnens schätzte, aber mit Growls oder Death Metal im allgemeinen nicht viel anfangen konnte, liegt hier goldrichtig und kann nur zugreifen, aber auch alle anderen sollten sich dieses entspannende Stück Musik nicht entgehen lassen. Nicht so engstirnig sein und solchen Unsinn wie „Die machen jetzt auf kommerziell!“ von sich geben. Wer aufmerksam zuhört, merkt, dass die Stücke mit Herzblut geschrieben wurden, das hat mit seichtem Pop nichts zu tun. Außerdem war das eine einmalige Sache, das haben Opeth klargestellt und mit dem späteren Release von „Ghost Reveries“, wo es auch wieder Growls gibt und es wieder heftiger zur Sache geht, bewiesen.

„Damnation“ jedoch ist der perfekte Soundtrack zu intimer Zweisamkeit, zum Aus-dem-Fenster-gucken auf eine Herbstlandschaft, zum Träumen oder um einsamen Gedanken nachzuhängen.

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