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Opeth: Blackwater Park

Düsterer und härter als "Still Life", aber sicherlich genauso stark
Wertung: 10/10
Genre: Progressive Death Metal
Spielzeit: 67:09
Release: 12.03.2001
Label: Music For Nations

Nach dem Überwerk „Still Life“, das die perfekte Symbiose von wunderschönen Melodien und übermächtigen Death-Metal-Riffs darstellte und mit einer eher warmen Produktion aufwartete, war klar, dass Opeth, um sich nicht zu wiederholen, eine leichte Kursänderung vornehmen mussten. „Blackwater Park“ ist – wie bereits der Titel und das superbe, ausschließlich in grauen, weißen und schwarzen Farbtönen gehaltene Cover vermuten lassen – um einiges düsterer, härter und brachialer als sein Vorgänger.

Schon wenn man die CD eingelegt hat und nur dieser eine, langsam und bedrohlich anschwellende Ton zu hören ist, hat man das Gefühl, dass hier etwas ganz Großes auf einen zurollt. Und so ist es denn auch: Mit einem Mal schallt das erste Riff von „The Leper Affinity“ mit unheimlicher Power und Urgewalt aus den Boxen, sodass man gar nicht anders kann, als aufzuspringen und die Matte – sofern noch vorhanden – kreisen zu lassen. Wieder einmal beweisen die Schweden hier ihr Händchen für Opener, denen das schnöde Wort „gelungen“ ein Hohn wäre. Ganz in der Tradition von „Advent“, „April Ethereal“ oder „The Moor“: überlang, anspruchsvoll und abwechslungsreich; und dennoch lässt sich eine gewisse Eingängigkeit nicht leugnen, was für das erste Stück einer CD ja nicht das Schlechteste ist. Welche andere Band schafft es schon, bei einem Eröffnungstrack von zehn Minuten gleichzeitig so progressiv, eingängig und brachial zu sein?

Jedenfalls jagt hier ein geniales Riff das andere, jedes Break sitzt perfekt, man kann sich eigentlich nur noch in Ekstase bangen.

Passend und atmosphärisch eingesetzt, dennoch trügerisch ist dann das ruhige Klavier-Outro dieses ersten Tracks; trügerisch, weil die Gitarren mit dem Anfang von „Bleak“, Komposition Numero zwei, gleich wieder völlig gnadenlos hereinbraten. Unglaublich, aber wahr: „Bleak“ ist tatsächlich eine Steigerung des Openers, wobei der Titel übrigens Programm ist: Öde und leer, im Sinne von freudlos ertönt der Song; eiskalt und schneidend sägen die Rhythmusgitarren, über denen eine orientalische Lead-Melodie schwebt, Mikaels Growls sind grabestief, die in der Ferne aufheulenden Klampfen tragen nur zu der hoffnungslosen, düsteren Stimmung bei. Und dann dieser Wechsel: Unfassbar, diese plötzlich einsetzenden, unvermuteten und dennoch völlig nachvollziehbaren cleanen Vocals (Steven Wilson?), die das Ganze auf einmal in eine positivere Richtung lenken und schließlich in den Akustikpart münden, der streckenweise so ruhig und sanft ist, dass man kaum glauben kann, immer noch denselben Song zu hören. – Doch richtig: am Ende wird der Härtegrad noch einmal kräftig angezogen, die Growls kehren zurück, ein Double-Bass-Gewitter läutet das Finale dieses furiosen Stückes ein, welches unter nicht wenigen Opeth-Anhängern als das beste der Band überhaupt gilt. Wahnsinn!

Es folgt mit „Harvest“ eine Ruhepause, die nach diesem tosenden Inferno genau richtig kommt. Und während man beim vorigen Song noch Gefahr lief, sich sämtliche Nackenwirbel auszurenken, ist man nun fast den Tränen nahe, angesichts dieser todtraurigen, himmlischen, Anathema-ähnlichen Gesangslinien, dieser wunderbaren Akkorde und dieses herrlichen Gitarrensolos mit geradezu mäandernden, harmonischen Schlenkern. Auch die effektiv eingesetzten Klampfensounds im Hintergrund tragen viel zur Atmosphäre bei...

Doch es soll noch besser kommen: Was sich mit „The Drapery Falls“ an diese Depri-Ballade anschließt, spottet jeder Beschreibung. Ein wahres Monster, eine der wohl besten Kompositionen, die mir je zu Ohren gekommen ist. Schon diese Slide-Gitarre, welche die im Vordergrund agierenden Akustikgitarren untermalt, verheißt eine unglaubliche Spannung, die sich erst in den wundervollen „ahahaha“-Gesangpassagen von Akerfeldt entlädt. Wer bei solch genialen harmonischen Einfällen nicht im positiven Sinne den Verstand verliert, muss aus Stein sein!

Allerdings kann man „The Drapery Falls“ insgesamt nur als überirdisch zu bezeichnen. Ein Aufbau, der seinesgleichen sucht, Spannung und Innovation zu jeder Sekunde. Hört euch nur mal die völlig verqueren, dissonanten Läufe in der Mitte des Stückes nach dem ersten Growl-Part an! Oder die leichte Double-Bass im Outro. Oder... oder... – Wie gesagt: ein wahres Monster, dieser Song.

Die folgenden „Dirge For November“ und „The Funeral Portrait“, erreichen sicher nicht mehr ganz die Genialität der vier ersten Tracks, trotzdem handelt es sich auch hier um exzellente kleine Meisterwerke. „Dirge For November“ ist im rein musikalischen Sinn eher limitiert und einfach gehalten, aber das macht die Sache in diesem Fall eher noch intensiver; so wie Mikael Akerfeldt am Anfang nur von Akustikgitarren begleitet singt und dann diese Lead-Harmonien im Distortion-Part...

Was „The Funeral Portrait“ anbelangt, so liegt hier – wieder mal – ein einfach nur geniales Main-Riff vor, zu dem man wunderbar die Rübe schütteln kann und dazu ein diesmal sehr kurzer clean gesungener Teil, der mit einem sehr schönen Vocal-Arrangement glänzen kann.

Und doch kommt das Highlight erst ganz zum Schluss: Das hübsche, kurze Instrumental „Patterns In The Ivy“ ist so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm, denn der Titelsong ist so etwas wie die vertonte Hölle. Da können was weiß ich wie viele Black-Metal-Bands kommen und von Tod, Teufel und Hölle und schwadronieren – „Blackwater Park“ ist so infernalisch, so gewaltig und mächtig, da kann nichts gegenan stinken. Übrigens ist es auch der einzige Opeth-Song, bei dem Akerfeldt durchgängig growlt – cleane Vocals: Fehlanzeige.

Was hier abgeht, kann mit Worten nicht wiedergegeben werden, man muss es gehört haben und gerade die ruhige Zwischensequenz verleiht dem Ganzen noch mehr Atmosphäre und Bedrohlichkeit.

Auf der limitierten Auflage (die inzwischen nicht gerade mehr leicht erhältlich ist) gibt es dann mit „Still Day Beneath The Sun“ und „Patterns In The Ivy II“ noch zwei ruhige Songs als Bonus auf einer Zusatz-CD. 

Fazit: Nach Meisterwerken wie „My Arms, Your Hearse“ und „Still Life“ haben Opeth es unglaublicherweise geschafft, das schwindelerregend hohe Niveau dennoch zu halten. Auffällig ist, dass „Blackwater Park“ seinem unmittelbaren Vorgänger im Aufbau sehr ähnlich ist, gerade in der ersten Hälfte des Albums: Ein langer, brachialer Opener, mit vielen eingängigen Riffs ausgestattet, einen brutal eröffnenden, insgesamt sehr komplexen zweiten Track, der in der Mitte äußerst ruhig und am Ende wieder sehr hart wird (bei „Godhead’s Lament“ aus „Still Life“ verhält es sich ähnlich) und dann ein cleanes Akustikstück als dritte Nummer. Allerdings stehen die Stücke auf vorliegendem Silberling mehr für sich, während man „Still Life“ – und ebenso „My Arms, Your Hearse“ – vor allem auch aufgrund des lyrischen Konzepts eher als Gesamtkunstwerk betrachten sollte.

Trotzdem klingt „Blackwater Park“ natürlich anders als alles bis dato von Opeth Dagewesene. Doch die besten Bands sind eben auch die, die immer etwas verändern und trotzdem ganz klar ihrem Stil und ihrer Linie treu bleiben.

Steven Wilsons Produktion übrigens wird der Düsternis und Power des Albums mehr als gerecht, was schon mit dem ersten Riff von „The Leper Affinity“ deutlich wird – allerdings gibt es im Hard Rock/Metal-Bereich zur Zeit wohl auch keinen besseren Mann am Mischpult. Bei ihm klingt die Musik stets durchschlagskräftig und modern, ohne dass die Atmosphäre in irgendeiner Form steril wirkt. An Wilsons Arbeit können sich Kevin Shirley und Konsorten eine Scheibe abschneiden!

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