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Operation Cherrytree: Scum & Honey

"Scum & Honey" befreit sich aus allen Kategorien
Wertung: 8/10
Genre: Alternative Rock, Crossover, Grunge, Stoner
Spielzeit: 55:35
Release: 24.11.2017
Label: Noizgate Records

Es klingt wie ein neuer schwedischer Roman: Vier Aussteiger treffen sich zufällig auf einem Roadtrip, gründen eine Band und werden von einem namhaften deutschen Label gesigned. Würde ich wahrscheinlich so nie kaufen geschweige denn lesen, sobald aber Musik ins Spiel kommt, sieht die Sache schon anders aus: Operation Cherrytree haben sich nämlich genau so zusammengefunden, sind mittlerweile bei Noizgate Records beheimatet und bringen Ende des Monats mit „Scum & Honey“ ihr Debütalbum raus. Dabei sind die Vier keine 20 mehr, vielmehr zeigt das Bandfoto hier und dort graue Bärte und Falten – was, so komisch es klingt, wunderbar zur Musik passt, die sich irgendwie zwischen Alternative, Crossover, Grunge und Stoner ansiedelt und die Truppe, allen voran Sänger Wyno, als erstaunlich variabel präsentiert.

Mit „Today“ hat das Quartett folgerichtig den Track als Vorabsingle ausgekoppelt, der auf „Scum & Honey“ am zugänglichsten wirkt und am schnellsten ins Ohr geht – insgesamt geht es auf der Platte nämlich recht kurios zu. Da wird mit dem erstaunlich düsteren, schwermütigen „Nighthike In The Woods“ gestartet und lückenlos übergeleitet zum wesentlich schmutzigeren, mit Neunziger-Grunge-Crossover-Vibe versehenen  „The Dawn“, bei dem Wyno sich gesanglich gerade im Wahnsinnsrefrain richtig schön austoben kann. Hier gibt es allerdings mit den in den Hintergrund gemischten, jaulenden Gesängen und Gitarren schon ein erstes Element, das für Verwirrung sorgen kann – wenn man denn von der ordentlichen Mischung aus Gesang und Gebrüll nicht schon so sehr in den Bann gezogen wird, dass man von seiner Umgebung überhaupt noch etwas mitbekommt.

Spannend wird’s dann bei dem fast schon zähen „Black Is Back“, bei dem eine düstere Atmosphäre aufgebaut wird, die sich irgendwo zwischen Grunge, Stoner und Doom bewegt; mit teils gedoppeltem Gesang und sich oftmals wiederholenden Parts beileibe kein einfaches Stück, aber nichtsdestotrotz einer der Tracks der Scheibe, dem man unbedingt mehrmals seine Aufmerksamkeit schenken sollte. „Blurring Shadows“ bietet dann als beinah schon obligatorisches ruhigeres Stück (das Wort „Ballade“ möchte man hier eigentlich nicht in den Mund nehmen) eher einen Lückenfüller, grenzt sich aber wunderbar ab zum direkt nachfolgenden, mit sleazy Gitarre ausgestattetem „Minus Hero“, bei dem vor allem der Achtzigerdrive und der teils hohe Gesang den älteren Metalheads zusagen dürfte.

Selten konnte man sich bei einem Album so schwer tun, passende musikalische Kategorien aufzuzählen; ein Unterfangen, das immer lästig, aber dennoch irgendwie nötig ist, um den Lesern die Songs wenigstens halbwegs nahe zu bringen. Bei „Scum & Honey“ kann man sich auf folgenden gemeinsamen Nenner einlassen, mag er noch so klein sein: Wer auf Rock und Metal steht, sollte sich die Scheibe auf jeden Fall mal zu Gemüte führen und sein eigenes Urteil fällen – angefangen mit „Today“, kann man sich zu den weniger zugänglichen Songs durchboxen; sicherlich ein prima Aushängeschild ist auch der Namenssong „Operation Cherrytree“ – wie die meisten Tracks auf der Platte herrscht auch hier eher düstere Stimmung, die von einem erfreulich dominanten Bass untermauert wird. Entsprechend schwierig fällt auch die Bewertung aus – bei acht Punkten ist sicherlich noch ein bisschen Luft nach oben, bestimmt benötigen manche der Songs aber auch deutlich mehr als eine Handvoll Durchläufe, um ihre Wirkung zu entfalten. So oder so wird die Scheibe sicherlich nicht im Regal verstauben.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“