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Oomph!: GlaubeLiebeTod

Ein wirklich verdammt gelungenes und eigenständiges Werk
Wertung: 8.5/10
Genre: Industrial Rock
Spielzeit: 0:0
Release: 24.03.2006
Label: GUN Records Musikproduktions GmbH

Nicht schlecht! Das musste ich doch glatt eingestehen, nachdem ich mir den aktuellen Output “GlaubeLiebeTod“ zu Gemüte geführt hatte. Glaubte man doch im Frühjahr 2004 nach der Hit-Single “Augen auf!“, dass dem niedersächsischen Trio von Oomph! endgültig die Ideen ausgegangen sind, so muss man dieser Befürchtung nach dem Hörgenuss des vorliegenden neunten Albums keine größere Bedeutung mehr zukommen lassen. Die Combo um Dero, Crap und Robert besinnt sich wieder vermehrt auf ihre alten und eher düsteren Stärken in Sachen Songwriting und lassen dadurch vergangene Ausrutscher leichter wieder vergessen.

Wie der Albumtitel schon erahnen lässt, geht es thematisch im vorliegenden Werke um die drei Stützpfeiler unserer sozialen Gesellschaftsordnung: Nämlich einmal den Glauben (in Form von Religion und menschlicher Scheinheiligkeit), die Liebe (sowohl in gewollter, positver Form, als auch im Bereich von Abhängigkeit und Zwang) und letzten Endes den allgegenwärtigen Tod (zumeist im suizidalen Erscheinungsbild). Insofern also auch drei komplexe Themen- und Lebensbereiche, wie sie nicht näher an unsere jeweiligen Existenzen geknüpft sein könnten. Sich Punkt genau und zielstrebig diesen drei Pfeilern zu widmen, zeugt von einer nötigen (und gewollten!) Abgrenzung vom aktuellen, massentauglichen Musikmarkt. Ein Mut, der sichtlich belohnt werden möchte. Da man sich durch diesen essentiellen Schritt wieder seiner alten Stärken vollkommen bewusst werden konnte.

Beginnen wir an dieser Stelle also chronologisch mit dem ersten (thematischen) Pfeiler. Dem Glauben: “Gott ist ein Popstar“ dürfte mittlerweile nicht nur den meisten MTViva-Sehern bestens bekannt sein (ich erwähne hier nur als Denkanstoß den aus scheinheiligen Gründen nachträglich abgesagten Auftritt bei der diesjährigen “Echo“ Veranstaltung). Eben eine saubere, eingängige und omnipräsente Rocknummer, gemischt mit druckvollen Elektrobeats und einem Refrain, der nicht gerade selten die Frage aufwirft, ob nun Dero evtl. das Mikrophon mit Campino (dem Frontmann der Toten Hosen) getaucht hat; so ähnlich klingen hier ihre Gesangsstimmen. Insgesamt eine bombastische Nummer, in der es inhaltlich um die völlig übertriebenen Hypes in den Medien geht: so wird nicht nur die aktuelle, religiöse Vermarktungsstrategie an den Pranger gestellt (alá „Wir sind Papst!“), sondern wird auch jener wahrhaft „teuflische“ Dieter Bohlen mit seinen ganzen Retortensuperstars auf eine gelungen zynische und ironische Art und Weise der Lächerlichkeit preisgegeben.

Dass Glauben aber zwangsweise nicht immer direkt mit Religion gleichzusetzen ist, lässt sich am besten an Hand der Tracks “Mein Schatz“ und “Ich will deine Seele“ ausmachen. Erstgenannter Song ist vordergründig an die tragische Geschichte vom aus “Der Herr der Ringe“ bekannten Gollum angelehnt. Wir erinnern uns: Durch die völlig verblendete Fixierung auf Macht und Gier wurde Gollum einst mit einem Fluch belegt, der ihn zu dieser armseligen Kreatur werden ließ, wie wir sie aus dem besagten Buch kennen. Eine Folge, die ihm der falsche Glaube an Macht und übermenschlicher Stärke einbrachte. “Mein Schatz“ ist in vorliegender Form auf uns Menschen und unsere Habsucht gemünzt. Und meiner Meinung nach einer der besten Songs auf dem Album. “Ich will deine Seele“ kommt hingegen musikalisch leider etwas einfallslos und x-beliebig daher. Auch wenn die thematische Auseinandersetzung um die bewusste Ausnutzung Dritter wahrlich nicht uninteressant ist.

Pfeiler Nummer 2 ist die Liebe: Welche aber im vorliegenden Werk nur relativ spärlich zum Vorschein kommt. So ist beispielsweise “Land in Sicht“ eine eher sonore und schwerfällige Rockballade, voller Sehnsucht nach dem rettenden Ufer, dem wärmenden Schoß der Liebe. Sehr Synthie-Pop lastig und gedanklich zwiespältig geht es beim regulären Abschlusssong “Zuviel Liebe kann dich töten“ zu. Ein Titel, der in seiner Gesamtheit (besonders im sanften, von einer Rhythmusgitarre getragenen, Refrain) eher als ein gelungenes Resümee des bisherigen Gesamtkontextes verstanden werden möchte.

Der dritte und letzte Pfeiler nimmt auch zugleich den inhaltlichen Großteil des Albums ein: Der Tod. Da es aber den allgemeinen Rahmen sprengen würde, alle Titel gezielt hervorheben, habe ich mir deswegen ein paar Beispiele heraus gepickt. “Das letzte Streichholz“ und “Eine Frau spricht im Schlaf“ sind jeweils zwei sehr nachdenkliche und (aus soziologischer Sicht betrachtet) eher melancholisch-niederschmetternde Nummern. Geprägt von sozialer Kälte und dem aktiven aneinander-vorbei-leben (“Eine Frau spricht im Schlaf“) und einer endgültigen Abrechnung mit dem traditionellen „Familienleben“ (welches nur aus tagtäglichen Demütigungen und Pein bestand) und seinen Protagonisten. Eine letzte Erlösung wird gesucht und letzten Endes auch in den lodernden und alles vernichtenden Flammen gefunden.

Weniger Balladesk (aber dafür mehr rockig und treibend) geht es hingegen bei den eher morbid-romantisch angehauchten Suizidthematiken auf “Träumst du“, “Du willst es doch auch“ und “Tanz in den Tod“ zu. Drei ebenfalls sehr repräsentative Tracks, die völlig zu Recht beweisen, dass die Gruppe Oomph! wirklich im Grunde nicht für pseudo-rebellische Tokio Hotel – Anhänger gedacht ist, sondern definitiv eine nicht geringe Menge an Verstand und Lebenserfahrung voraussetzt, um wirklich richtig interpretiert und verstanden werden zu können.

Erwähnt sei an dieser Stelle auch noch das eher belanglose Liedgut “Spiel mir das Lied vom Tod“, welches angelehnt an das gleichnamige cineastische Meisterwerk von Sergio Leone (inkl. des weltberühmten Mundharmonika Spiels), leider eher recht blass bleibt. Im Grunde leider nur eine relativ unpassende Westernparodie, die nicht so recht ins Gesamtbild des Albums passen will (trotz seiner thematischen Nähe zum ursprünglichen Kontext des Longplayers).

Letztendlich sei an diesem Punkt ebenfalls noch kurz erwähnt, dass mir zum Rezensieren dieser CD leider nicht das vollständige Album vorlag. Sondern lediglich eine so genannte “Snippet-Version“ (sprich, es sind jeweils immer nur die ersten beiden Minuten eines Songs zu hören). Demzufolge kann ich zwar leider keine vollständige Gesamtlänge des Albums angeben, aber trotz allem dennoch vollkommen aufrichtig behaupten: Das neue Oomph! Album “GlaubeLiebeTod“ ist ein wirklich verdammt gelungenes und eigenständiges Werk geworden, das sowohl zum Abrocken und Headbangen, als auch zum stillen Nachdenken und in sich gehen, vollkommen geeignet ist!

Anmerkung: Neben der regulären Standard-Version des Albums, gibt es auch noch eine „Premium“ Version. Diese enthält u.a. ein Deluxe-Digipak, Poster-Booklet, zwei Bonustracks und einen exklusiven CD-Rom Part mit Videoclip und anderen Extras.

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