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Oniric: Cabaret Syndrome

Tretet ein, Ihr werdet es nicht bereuen
Wertung: 9/10
Genre: Dark-Pop, Dark-Folk
Spielzeit: 33:03
Release: 16.10.2009
Label: Caustic Records

Was fällt einem spontan zum Stichwort „Kabarett“ im ursprünglichen Sinne ein? Das Moulin Rouge. Cancan-Tänzerinnen, die ihre langen Beine schwingen, französische Herren, die Zigarre rauchen und ein Glas Cognac schwenken, rauschende Nächte mit diversen Arten von artistischen Einlagen – und natürlich die Musik. Diese besondere Mischung aus Melodien, Instrumenten und Künstlern der ganzen Welt, die Mischung, die die Nacht zum Tage macht, eine Mischung, bei der man gleichzeitig lachen, weinen und tanzen möchte. Musik, die nichts bedarf außer sich selbst, kein übermäßiges Tamtam, kein Aufsehen erregendes Drumherum, denn die Musik selbst ist das Entscheidende.

Die Musik – oder besser: die Kunst – der italienischen Formation Oniric weiß mit eben diesen Vorzügen zu überzeugen. Die Band brauchte ganze vier Jahre, um die Ideen für ihr Debüt-Album „Cabaret Syndrome“ voll zu entfalten und auszuarbeiten, aber gelohnt hat es sich allemal. Mit modernen Elementen versehen, entführt die Platte in das frühe Frankreich, wo die ersten Kabaretts Anfang des 19. Jahrhunderts ihre Pforten öffneten und Scharen von begeisterten Zuschauern anlockten. Akkordeon-Klänge – wenn auch nur vom Synthesizer produziert - treffen hier auf Violinen, Klavier und die zuweilen bitteren Texte des Sängers GianVigo verschmelzen zu einer dunkelschönen Melange und nehmen den Hörer gefangen.

Eingeleitet wird die Platte mit einem dramatischen Intro, in dem besagtes „Akkordeon“ zum Tragen kommt; die Melodie schlängelt sich übergangslos in den Song „Blessing“, in dem GianVigos Gesang überraschende Ähnlichkeit mit der des System Of A Down-Derwischs Serj Tankian hat und dennoch weicher und dunkler klingt; es entwickelt sich ein wunderschöner Refrain, unterstützt von der verträumten Stimme der Gastmusikerin Simona Giusti, die neben dem Gesang auch für Akustikgitarre, Tamburin und Synthesizer zuständig ist.

„Un Gris Bord“ entpuppt sich als typischer französischer Chanson, der Refrain wird größtenteils von Simonas engelsgleicher Stimme übernommen. Fast fühlt man sich, als würde man auf Wolken schweben, da verbreitet „The Echoes Of The Sky“ mit seinem Trommel-Intro eine drohende Kriegsatmosphäre, bevor die gewohnt stimmigen Melodien einsetzen.

Selten darf man Ohrenzeuge einer so perfekten Symbiose aus weiblichem und männlichem Gesang werden wie bei Oniric. Vor allem das Stück „Space Farewell“ ist ein Paradebeispiel, wie GianVigos melancholischer, manchmal leicht wütender, aber nie aggressiver Gesang mit Simonas wunderschöner Stimme harmoniert. Untermalt wird das Schauspiel von eindringlichen Klaviermelodien und einem einprägsamen Bass, bevor ein unsagbar trauriger Refrain einsetzt. „L´Autre“ erinnert von der Melodie her stark an „Hijo De La Luna“ und verbreitet eine ähnlich melancholische Stimmung, die durch die schon bekannten Akkordeonklänge unterstützt wird.

„Cabaret Syndrom“ ist ein leichtes, zugleich schwermütiges Album; ein fragiler Song reiht sich an den nächsten, jederzeit bereit, den Hörer vollends gefangen zu nehmen. Die perfekte Harmonie zwischen den Stimmen der beiden Vokalisten, sowie die scheinbare Zerbrechlichkeit und doch Eindringlichkeit der einzelnen Stücke machen dieses Album zu einer besonderen Art der Zeitreise zurück in eine Epoche, in der die Welt offen stand für neue Eindrücke und Gefühle. 

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