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One-Way Mirror: Capture

Interessanter und ziemlich wütender Genremix
Wertung: 8/10
Genre: Crossover
Spielzeit: 51:28
Release: 27.01.2015
Label: Pavement Music

Selbstüberschätzung ist eine unsymphatische Charaktereigenschaft. Dementsprechend sollten One-Way Mirror das Statement zu ihrem, diesen Monat unter dem griffigen Namen „Capture“ erscheinenden neuen Album vielleicht noch einmal überdenken. Denn aller Qualität zum Trotz – ob die Franzosen mit ihrem neuesten Werk tatsächlich „eine musikalische Revolution“ auslösen, darf durchaus bezweifelt werden.

Wie so oft steckt aber auch in diesem Statement ein Funken Wahrheit. Denn das Quintett zeigt sich auf seinem neuen Album tatsächlich angenehm variabel. Da gibt es Hardcore-Breakdowns, melodische Refrains, aggressive Shouts, drückende Riffs und hier und da sogar vereinzelt ein paar moderne Synthesizer-Klänge oder Sprechgesangspassagen. Neben den elf Eigenkompositionen fügt sich da sogar das zugegebenermaßen etwas eigenwillige „Lady Marmelade“-Cover recht gut in das vielfältige Gesamtkonzept ein.

Die Highlights finden sich dennoch unter den selbst geschriebenen Songs. Da wäre zum Beispiel das rotzig-wütende „Neglected Skies“ oder das kritische „We Love To Complain“. Genau so wie das ein wenig Nu-Metal-mäßig daherkommende „Fuck You Autotune“ und das besonders im Vers druckvolle „Confusion Core“ mit seinen charakteristischen Blastbeats im Refrain.

Ein weiterer klarer Höhepunkt ist der bereits im Voraus als Single ausgekoppelte Opener „Stinkin’ Of Gold“. Rotziger Rocksound, cooles Riffing, wütende Shouts und ein melodischer Refrain der im Ohr hängen bleibt – die perfekte Mischung der verschiedenen Stärken der Band also.

Leider hat „Capture“, trotz der unzähligen guten Ideen und vielfältigen Einflüsse, aber auch seine Schwächen. Zum einen hat man, gerade im zweiten Teil der Scheibe, immer wieder das Gefühl, dass dem Album irgendwie ein roter Faden fehlt, der durchaus interessante Songs zu einem homogenen Ganzen verknüpft. Denn so interessant die verschiedenen Ansätze der Musiker in den Songs auch sind, einem konstant als Ganzes wirkenden Album stehen sie, zumindest bis zu einem gewissen Grad, im Weg. Ein weiterer Kritikpunkt sind die Refrains: One-Way Mirror sind immer dann am geilsten, wenn sie sich ihres kompromisslosen, rotzig frechen Voll-in-die-Fresse-Sounds bedienen. Das soll nicht heißen, dass die melodischen Refrains generell schlecht oder unpassend wären, ganz im Gegenteil. Manche Nummern der Franzosen neigen allerdings dazu, etwas zu viel Fokus auf besagte Refrains zu legen, was bisweilen ermüdend wirken kann und ein paar der Songs zumindest einem Teil ihrer aggressiven Energie beraubt.

Das alles ist aber immer noch Meckern auf sehr hohem Niveau. Denn auch wenn „Capture“ kein wirklich überragendes Album ist, so ist es doch immer noch ein ziemlich gutes und interessantes, das einige richtig geile Kompositionen beinhaltet, im Laufe der Zeit eher besser als schlechter wird und den Hörer definitiv für die von ihm geopferte Zeit und Aufmerksamkeit entlohnt.

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