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Old Silver Key: Tales Of Wanderings

Neuer Stoff zum Träumen
Wertung: 7.5/10
Genre: Post-Rock, Black Metal
Spielzeit: 37:12
Release: 16.09.2011
Label: Season Of Mist

Dass die Ukrainer Drudkh sich mehr und mehr von ihrem kalten und abweisenden Black-Metal-Sound entfernen, zeigte sich zuletzt in aller Deutlichkeit mit „Handful Of Stars“, das mit Post-Rock-Einflüssen und progressivem Songwriting als ein Album mit wesentlich träumerischerer Atmosphäre als zuvor dastand. Um diesen Weg noch viel weiter zu gehen, hat Mastermind Roman Sayenko nun mit drei weiteren Bandkollegen Old Silver Key gegründet und sich den bereits in zahlreiche Projekte involvierten Alcest-Kopf Neige ans Mikrofon geholt – so dürfte auch schon ungefähr klar sein, welche Türen der Silberschlüssel öffnet, denn der Franzose ist fraglos einer der erfahrensten Musiker, was den Umgang mit anderweltlichen Soundsphären zwischen Post-Rock und Black Metal angeht.

Bei Old Silver Key jedoch zeichnet sich für das Songschreiben allein Roman verantwortlich, so dass sich die Musik trotz einiger Parallelen merklich von den Projekten Neiges unterscheidet und des Öfteren Drudkh-Trademarks in Riffing und Melodieführung aufblitzen lässt, ohne jedoch deren Black-Metal-Fundament mehr als nur am Rande zu berücksichtigen. Bis auf ein paar Blastbeats und einige schwarzmetallisch angehauchte Harmonien bleiben die Wurzeln der Truppe nämlich zugunsten eines schwer in Worte zu fassenden Sounds verborgen – selbst bezeichnen sich die fünf Musiker als Post-Rock, was zwar insofern hilfreich ist, als dass auf „Tales Of Wandering“ Rockmusik gespielt wird, die mit dem Begriff im ursprünglichen Sinne nur am Rande noch etwas zu tun hat, gleichzeitig aber auch in die Irre führt, da die Songs mit ausladenden Klanggerüsten wie denen von Godspeed You! Black Emperor oder Mono ebenso wenig gemeinsam haben.

„What Once Was And Will Never Happen Again“ ermöglicht dabei zunächst einmal mit vereinzeltem Klavier, wabernden Synths und einem unregelmäßig auftauchendem Klicken einen unauffälligen, aber stimmungsvollen Einstieg in die zugleich märchenhafte und schwermütige Welt von Old Silver Key, in der die ersten Schritte der Wanderung mit „November Nights Insomnia“ getan werden. Melancholische Riffs mit rockigem Unterton werden von Neiges wie auch auf dem Rest des Albums ausschließlich klaren Vocals begleitet, die einmal mehr beweisen, dass der Franzose nicht nur einer der ausdrucksstärksten Black-Metal-Kreischer ist, sondern mit seinem glasklaren, sanft akzentuierten Gesang auch für die verträumten Klänge bestens geeignet ist. So entsteht trotz einiger Wechsel in epische Gitarrenwände und zeitweisem Blastbeat ein fast schon eingängiger Eindruck der Musik – eine äußerst reizvolle Mischung, denn mit deutlich weniger Einarbeitungszeit als bei den anderen Projekten der Beteiligten wird so eine vergleichbar dichte Atmosphäre geschaffen, wobei das Songwriting im Rahmen der Möglichkeiten von weniger als sechs Minuten auch ohne übermäßige Komplexität einen hohen Anspruch bewahrt.

Während beispielsweise „Burnt Letters“ diesen Kurs beibehält und sich ebenfalls recht treibend gestaltet, aber mit einigen schleppenden Parts und einem beeindruckendem instrumentalem Finale weitere Nuancen hinzufügt, geht es unter anderem in „Cold Spring“ etwas vertrackter zu. Elegant variierte Schlagzeugbeats, minimalistische Passagen mit sehnsüchtigem Klavier und mitreißende Post-Rock-Leads finden selbstverständlich nebeneinander Platz und auch einen äußerst überraschenden Umschwung gegen Ende, der auf einen Schlag die komplette Stimmung des Songs auf den Kopf stellt, lässt man sich nicht nehmen. Umfassendere Abwechslung hingegen bringen das leichtfüßige, verträumte und stark an Alcest erinnernde „Star Catcher“ und das Instrumental „Nineteen Winters Far Away From Home“, in dem vor allem die äußerst dynamische Progression ins Auge fällt und ein Gefühl von Rast- und Heimatlosigkeit vermittelt, ins Spiel. „About Which An Old House Dreams“ führt die fantasievolle Reise dann gleichwohl ungewöhnlich und passend zu Ende: Deutlich düsterer als die restlichen Stücke wagt sich der Song mit langsamen Drums nur zögerlich vor und entfaltet mit seinem stetigen Anstieg eine hypnotische Wirkung, die gemeinsam mit ruhigen Stellen und Neiges mehrstimmigem Gesang ins Geisterhafte übertritt, um letztendlich in einem schönen Piano-Outro zu verklingen.

Da Old Silver Key gewissermaßen genau zwischen den Bands der Drudkh-Mitglieder und Neiges steht, ist „Tales Of Wanderings“ musikalisch für Fans beider Lager interessant und vereint die Stärken der Mitglieder gekonnt. Zahmer als Drudkh und zielgerichteter als Alcest gelingt es dem Projekt zwar, kunstvolle und romantische Bilder vor dem inneren Auge des Hörers zu malen, jedoch nicht, die Klasse des Songwritings der Hauptbands der Beteiligten zu erreichen. Nichtsdestotrotz ist das Debüt des Projektes aber eine lohnenswerte Angelegenheit und ein hervorragender Soundtrack für Herbst und Winter, der mit sinnlichen und dämmerigen Klängen zum Träumen einlädt.

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