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Of Mice And Men: Cold World

Zum Teil viel zu radiotauglich
Wertung: 7,5/10
Genre: Alternative Metal, Metalcore
Spielzeit: 43:40
Release: 16.09.2016
Label: Rise Records/BMG/ADA Warner

Die meisten Of Mice And Men-Fans werden die aktuelle Platte “Cold World” mit einem lachenden und einem weinenden Auge anhören: Einerseits freut man sich über ein neues Album, andererseits markiert diese Scheibe den Ausstieg von Sänger Austin Carlile, der mit dem sehr seltenen Marfan-Syndrom geschlagen ist, einer Krankheit, bei der vor allem extrem schwaches Bindegewebe eine Rolle spielt, das nicht nur in der Haut, sondern auch in Muskeln auftauchen und reißen kann – ebensolches kann in Adern und Augen geschehen. Carlile wurde von seinen Ärzten dringend geraten, sich zur Ruhe zu setzen – vor allem die härteren Vocals schienen dem Sänger gesundheitlich nicht gut zu tun. Ein Ersatz scheint vorerst nicht gesucht zu werden, die Truppe macht erst mal alleine weiter.

Mit der Musik der Herren sieht es dann schon wesentlich erfreulicher aus als mit den aktuellen Begleitumständen: Immer mal wieder fühlt man sich in die Anfänge der 2000er zurückversetzt, vor allem Alternative-Metal-Bands wie Sevendust kommen einem in den Sinn, was an sich zwei Sachen bedeutet: Erstens, Of Mice and Men liefern hier einige sehr gute Ohrwürmer. Und zweitens, die Musik der Truppe könnte größtenteils auch im Radio laufen. Die Metalcore-Anfänge der Band sind in weite Ferne gerückt, man gibt sich beinah gänzlich dem Alternative-Flair hin; wem das gefällt, der kann sich bei „Cold World“ ordentlich austoben.

Gleich zum Anfang haben Of Mice And Men ein starkes Doppelpack parat, der sehr ruhige und atmosphärische Opener „Game Of War“ erinnert da fast schon an A Perfect Circle, Carlile klingt ähnlich entrückt wie seinerzeit Maynard James Keenan, schon das folgende „The Lie“ drückt dann aber deutlich aggressiver aus den Boxen, hier wird auch ein wenig Geschrei eingebaut; überhaupt wird auf „Cold World“ immer wieder mit unterschiedlich verzerrten Stimmen gearbeitet, was der Platte einen noch deutlicheren Alternative-Touch gibt.

Einzeln genommen sind zwar manche Songs echte Knaller, spätestens nach dem zehnten Durchgang, in dem man die Platte in ihrer Gänze gehört hat, will man dann aber doch auch allmählich wieder irgendwas anderes auf die Ohren. Einen Song wie das recht stumpfe „Pain“ beispielsweise hätte es zu Beispiel nicht unbedingt gebraucht, „The Hunger“ bietet dann wieder einen gefälligen Refrain; auf Dauer wird das etwas fad.

Erst „Relentless“ lässt dann wieder aufhorchen, vor allem die Kombination zwischen fies herausgerotzten Strophen und dem klar gesungenen Refrain, der verdammt stark an Sevendusts Lajon Witherspoon erinnert, kann ordentlich Punkte einfahren. Gegen Ende des Albums wird es dann mit den beiden Halbballaden „Away“ und „Transfigured“ deutlich ruhiger – und auch belangloser. Schade, denn Of Mice And Men haben zeitweise richtig Hummeln im Hintern; auch der Refrain beimn finalen „Transfigured“ kann sich eigentlich hören lassen, dennoch hinterlässt er einen faden Nachgeschmack von Radio-Core. Trotzdem: Auf der technischen Seite kann man der Band das Können nicht absprechen. Fans werden sicherlich auf diese Platte mögen, und einige Anspieltipps können die Jungs ja tatsächlich für sich verbuchen.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“