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October Tide: A Thin Shell

Fulminantes Comeback des Doom-Geheimtipps
Wertung: 9/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 42:17 Min
Release: 11.10.2010
Label: Candlelight Records

Es ist noch gar nicht lange her, da hat sich Gitarrist Fred Norrman von seiner nun ex-Band Katatonia getrennt. Ganz schön lange ist es allerdings her, dass man Lebenszeichen von October Tide, einem Projekt, welches ursprünglich ebenfalls aus Norrmans vormaliger Gruppe rund um Jonas Renkse keimte, musikalische Lebenszeichen zu vernehmen vermochte. Doch der berühmte Kreis schließt sich nun mal wieder, denn nach dem Ausstieg aus Katatonia hat Norrman nun, mithilfe anderer hochkarätiger Musiker, kurzerhand October Tide nach elfjähriger Schaffenspause wieder ins Leben gerufen. Auch wenn die beiden bisher veröffentlichten Alben der Schweden eher als Geheimtipp einzustufen sind, so ist das Interesse trotzdem keinesfalls gering, denn in Szene-Kreisen wird das Projekt hoch geschätzt.

 

„A Thin Shell“ heißt also der neue Tonträger, der die angestaubte Kombo ins Jahr 2010 bringen soll. Schon das erste Stück Liedgut „A Custodian Of Science“ kündigt an, dass die Aufgabe mit vollem Segel in Angriff genommen wurde. Es wird, wie schon Jahre zuvor, eingängig-melodischer Doom Metal geboten, wobei der Klang erfolgreich an moderne Produktionsstandards angeglichen wurde, ohne dass jedoch Atmosphäre verloren ging. Schleppende Schlagzeugarbeit trägt düstere, melancholische Melodien von wuchtig inszenierten Gitarren, während die klagenden Growls von Tobias Netzell einen in die richtige Stimmung versetzen. Besagter Mann steht seinen großen Vorgängern Jonas Renkse und Marten Hansen in nichts nach, wobei er sie in Sachen Growl sogar schon fast in den Schatten stellt. Immer wieder zum richtigen Zeitpunkt gibt es dann Breaks mit cleanem Gitarrenspiel und atmosphärischen Samples, bei denen die Gänsehaut nicht lange auf sich warten lässt. Während die Kollegen von Katatonia in letzter Zeit immer poppiger geworden sind, gehen Norman und October Tide bewusst an die Wurzeln zurück, klingen dabei allerdings keinesfalls veraltet.

Die sieben Songs, von denen alle bis auf das bittersüße Instrumental „The Nighttime Project“, das von progressiven Zügen à la Opeth geschmückt wird, weit über die Fünf-Minuten-Grenze hinausgehen, kreiern eine einzigartige, abgründige Klangwelt, in die man gerne immer wieder abtaucht. „Blackness Devours“ verzehrt einen wortwörtlich in eine musikalische Schwärze, „The Dividing Line“ bringt mit seinen Grooves die Nackenwirbel zum Arbeiten und „Scorned“ setzt der ganzen Sache mit stampfender Verzweiflung die Krone auf. Man kann den Herren eigentlich nichts vorhalten, doch trotz großartiger Musik muss man zumindest aufgrund des Anstands auch ansprechen, dass Vielseitigkeit und Innovation nicht gerade die zwei Wörter sind, die sich die Bandmitglieder als Agenda für dieses Album aufgeschrieben haben. Es wird dafür aber nahtlos an die Vorgänger „Grey Dawn“ und „Rain Without End“ angeknüpft.

 

Alle, die also auch nur eine geringste Affinität zur Verschmelzung von Death und Doom Metal, wie von den hier viel angesprochenen Musikern von Katatonia mit Norrman Anfang der Neunziger berühmt gemacht, aufweisen, müssen bei „A Thin Shell“ einfach zuschlagen. Allen anderen, die ihren Metal nicht nur mit Geschwindigkeitsrekorde brechenden Drummern genießen können, sei die Silberscheibe auch ans Herz gelegt. Das Comeback ist mit diesem Opus mal mehr als gelungen und man kann nur hoffen, dass das nächste Album nicht wieder elf Jahre auf sich warten lässt. Neun von zehn Punkten für October Tide.

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