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Octavia Sperati: Grace Submerged

Beeindruckendes Werk
Wertung: 8.5/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 37:55
Release: 22.06.2007
Label: Candlelight Records

Wer sind Octavia Sperati? Einerseits war Octavia die Schwester von Kaiser Augustus und galt als weise, stark und laut und stand in direkter Konkurrenz zu Cleopatra, die das natürlich nicht gerne sah. Sie symbolisierte Stärke und Integrität, da sie von den Bürgern der römischen Reiches genauso geachtet wurde wie ihr Bruder. Nach ihr hat sich vor sieben Jahren eine norwegische Band benannt, die zumindest damals nur aus Frauen bestand. Da der bloße Name Octavia aber bereits vergeben war, haben die sechs zum Nachnamen Sperati gegriffen, den eine Schauspielerin trug.

Die Band entstand durch die Freundschaft zwischen Silje Wergeland, Trine C. Johansen, Bodil Myklebust und Gyri Losnegaard. Kurz danach holte man Silje Røyseth als Drummerin und Tone Midtgaard fürs Keyboard ins Boot. Nach nur einem Jahr stieg die frischgebackene Schlagzeugerin aber wieder aus, Hege Larsen spielte an ihrer Stelle und auch die ersten Festivals und Gigs zusammen mit Enslaved.

Zwei Jahre später betrat man zum ersten Mal das Studio und nahm die Demo „Guilty“ und 2003 die ersten Songs vom Debutalbum „Winter Enclosure“ auf. Spätestens mit dem Track „Lifelines of Depths“, der auf der ersten Metal Compilation, kam der Stein für Octavia ins Rollen. Das bewies spätestens das Video zum Song, das zwei Jahre später auf den Markt kam und sechs Monate lang gespielt wurde.

Nachdem die Band 2004 bei Candlelight unterzeichnet hatte, gab es erneut einen Drummerwechsel. Larsen warf das Handtuch, dafür spielte nun Kristoffer Risbakk Vegsund am Schlagwerk. Nur ein Jahr später waren alle Arbeiten zu „Winter Enclosure“ abgeschlossen, das Album wurde veröffentlicht und posthum wurden die Norwegerinnen und der Norweger zu den Top10 Newcomern des Jahres im Terrorizer Magazin.

Nach so viel Erfolg landete man erneut vor der Kamera, es gab eine zweite Version von „Lifelines...“ und „Hunting Eye“ zu sehen, die übrigens auch auf VIVA, NBC Giga und NRK2 liefen. Nach der eigenen Wintertour wurde Octavia Support für Paradise Lost, anschließend unterstützten sie Cradle of Filth. Es war gerade erst ein Jahr vergangen, als der vierte Drummer einstieg: Ivar Alver. Und nach erneut namenhaften Supporttouren (Amon Amarth, Finntroll, Fields of the Nephilim) liegt nun das zweite Album der erfolgreichen Band vor.

Die Band sagt selbst über ihr Album, dass man sich im Vergleich zu „Winter Enclosure“ weiterentwickelt habe, eher wisse, was man möge und was nicht. Ich kenne den Vorgänger leider nicht, dass Octavia wissen, was sie wollen, ist aber 43 Minuten lang eindrucksvoll zu hören. Die Lieder sind zielstrebig und klar, verzichten trotzdem nicht auf Details wie die unglaubliche Stimme von Silje und lassen Platz für den Doomeinfluss, der vor allem durch den allseits präsenten Bass herausklingt.

Das Album bietet eine gute Schnittmenge und zeigt deutlich auf, wie wandlungsfähig die Band ist. Ist „Guilty Am I“ noch ein wenig verträumt, steht von „Moonlit“ die sanft-rauhe Stimme Siljey den dominanten Gitarren gegenüber, die schließlich zusammen zu einem fast anklagenden Refrain verschmelzen. „Going North“ hingegen lässt einmal mehr die Instrumentierung im Vordergrund stehen und vor allem Drummer Ivar wird hier seinen Spaß gehabt haben, weil das Schlagzeug die Hauptarbeit übernimmt und immer wieder die Klaviermelodie durchbricht, stellenweise fast knüppelt. Ebenfalls sehr schön gelungen sind hier die vereinzelten Bass-Soli, die das Lied aber in keiner Weise unnötig strecken.

Eine Ballade hat mit „Don‘t Believe A Word“ ihren Weg aufs Album gefunden, indem Silje mit leicht rauchiger Stimme und nur vom langsamen Klavier begleitet bittet, ihren Worten nicht zu glauben. „Deprivation“ hingegen klingt eher etwas psychedelisch durch das Bassintro, auch die Gitarren sind verzogen und klänge Siljey nicht so klar wie gewohnt, würde man wohl Textansätze wie in „Lucy in the Ski wich Diamonds“ suchen. Auch wenn der Refrain ein bisschen Gothrock durchschimmern lässt, verfolgt die Band doch zielstrebig durch den gesamten Track die leicht abgehobene Melodie.

Da passt „Provenance Of Hate“ eher in die Nightwish/Evanescence-Schublade, wenngleich der Song dafür eigentlich zu klar und schnörkellos ist. Gesangstechnisch steht Silje hier aber vor allem Kollegin Amy Lee in nichts nach, wechselt problemlos zwischen sanftem Sophran an aggressiveren Tönen, die auch mal zusammen mit dem Bass tiefer gehen können.

Den Interpretationsansatz für das eindrucksvolle Cover liefert vielleicht der Abschlusstrack „Submerged“, immerhin mischt sich in die romantisch bezaubernde Szene des Waldsees am Himmel der Anblick, den man im ersten Moment für den Mond, später aber eindeutig als untergehende Welt identifiziert. Genauso kühl und schön wie das Bild ist auch das Lied: Ein bedeutungsvoller Abschluss bestehend aus einer einzigen Klavierstimme. Durch den Verzicht auf Gesang oder weitere Instrumente klingen noch einmal alle Töne des Albums nach; der gelungene Abschluss eines ganz beeindruckenden Werkes!

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