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Oceans Of Slumber: The Banished Heart

Alles andere als leichte Kost
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 65:03
Release: 02.03.2018
Label: Century Media

Für ihr zweites Studioalbum „Winter“, das außerdem das Debüt des jetzigen Aushängeschilds, Sängerin Cammie Gilbert, darstellte, kassierten Oceans Of Slumber allerorts jede Menge Lob – auch auf The-Pit.de standen neun fette Punkte für die Texas-Truppe zu Protokoll. Der komplexe, vielschichtige und kontrastreiche Stil, die Mischung aus handwerklichem Können und emotionaler Tiefe bewies, dass es eben doch noch neue Bands gibt, die aus der Masse hervorstechen und mit Eigenständigkeit zu überzeugen wissen. Sicher, betrachtet man die einzelnen Elemente, haben auch die Schlummernden Ozeane das Rad nicht neu erfunden, in der Summe jedoch tönt das Ganze schon originell und ließ zumindest Freunde progressiver Musik ganz bestimmt nicht kalt.

Womit darf der gespannte Fan also auf dem Drittwerk „The Banished Heart“ rechnen? Dass es darauf nicht fröhlicher zugehen würde als auf dem Vorgänger, zeigen schon mal der Titel und das dazu passende Coverartwork. Die inhaltlich schwere Kost wird denn im Promoschreiben auch von Drummer Dobber Beverly (gleichzeitig Produzent und Hauptsongschreiber) bestätigt, der dort von einer schlimmen Trennung von seiner langjährigen Ehefrau spricht, und dass Cammie und er zueinander gefunden hätten, da sie beide einige harte Schicksalsschläge in ihrem Leben verkraften mussten. So hat Cammie beispielsweise ihren Vater durch Krebs verloren.

Musikalisch geht es nicht minder knifflig zur Sache, schwere Kost ist auch in diesem Bereich sicher nicht die schlechteste Umschreibung. Wenn der Opener allerdings gleich mal neun Minuten dauert, kann man sich wohl denken, woran man ist – dass die Bandmitglieder hier nicht gerade die glücklichsten Momente ihres Daseins verarbeitet haben, wird recht schnell deutlich. Aufwühlend, aggressiv und verzweifelt auf der einen Seite, zerbrechlich und sensibel auf der anderen – diese Gegensätze bildeten zwar schon zuvor das Grundgerüst für den Sound der Formation, doch kommen diese Kontraste auf „The Banished Heart“ noch deutlicher zum Zuge.

Die Scheibe ist definitiv ein ganzes Stück düsterer und erdrückender als „Winter“. Cammies wunderschöne, soulige Stimme sorgt erneut für Gänsehautmomente und verleiht den zumeist vertrackten Kompositionen Authentizität und eine warme Note, während der Growl-Anteil gleichzeitig eher noch erhöht wurde. Ein Vorhaben, über das man geteilter Meinung sein kann: Denn auch wenn die harschen Vocals den gewünschten Effekt generieren und sicher nötig sind, um Wut und Verzweiflung zu kanalisieren, können sie im Gegensatz zu Cammies Gesang nicht immer hundert Prozent überzeugen und wirken mitunter etwas forciert.

Songschreiberisch machen die Amis es einem demzufolge ebenfalls alles andere als einfach. Auch wenn „Winter“ selbstverständlich bereits ziemlich komplex daherkam, gab es doch etliche eingängige Sequenzen, während sich das neue Material als deutlich sperriger erweist. Songs wie „At Dawn“, das doomig beginnt, um dann in schwarzmetallische Raserei zu verfallen, oder das zähe, unbequeme „Etiolation“ muss man sich hart erarbeiten, auch der wie bereits angedeutet neunminütige Ersttrack „The Decay Of Disregard“ ist harter Tobak, besitzt jedoch immerhin Melodien mit Langzeitwirkung, genau wie das verspielte „A Path To Broken Stars“, dessen epischer Refrain geradezu erlösend wirkt und zu den besten Momenten der Platte gehört.

Den Titelsong hingegen, gleichzeitig die längste Nummer des Albums, darf man getrost als das emotional tiefgängigste (und melancholischste) Stück Musik des Rundlings bezeichnen. In drei Parts aufgeteilt, ist vor allem der mittlere Teil, bei dem Cammie nur vom Piano begleitet zum Heulen schön säuselt, äußerst intensiv und packt einen ganz tief drinnen; dass hier persönliche Tragödien verarbeitet werden, wird mehr als vordergründig. Auch das Duett „No Color, No Light“ mit Evergrey-Frontmann Tom Englund, dessen Stimme ja bestens für ergreifende und durchaus Pathos-behaftete Mucke geeignet ist, kommt intensiv daher; eine balladeske Komposition, die auf gefühlsmäßiger Ebene zwar schnell fesselt, aufgrund ihres schleppenden Tempos jedoch ebenso alles andere als Easy-Listening darstellt.

Wie schon bei „Winter“ lassen kurze Zwischenstücke ein bisschen durchschnaufen und alles in allem muss man „The Banished Heart“ Klasse attestieren, auch wenn der Vorgänger für meine Begriffe etwas stärker einzuschätzen ist. Was Oceans Of Slumber jedoch besonders auszeichnet, ist die Tatsache, dass sie wahnsinnig leidenschaftliche und emotionale, authentische Musik machen, trotz des nicht unerheblichen technischen Faktors und einer ziemlich modernen Produktion. Das schaffen wahrlich nicht alle – allerdings hat auch nicht jeder eine Ausnahmesängerin wie Cammie Gilbert zur Verfügung.

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