Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Oceans Of Slumber: Oceans Of Slumber

Leichter zugänglich als der Vorgänger, aber mindestens genauso intensiv
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 71:35
Release: 04.09.2020
Label: Century Media

Nachdem Oceans Of Slumber auf „Winter“, dem Debüt von Sängerin Cammie Gilbert, eine nahezu perfekte und in jedem Fall beeindruckende Verschmelzung von technisch-progressiver Finesse und unter die Haut gehenden und zum Teil auch erstaunlich eingängigen Melodien servierten, stellte dessen Nachfolger „The Banished Heart“ eine wesentlich härtere Nuss dar, präsentierte sich bei aller Klasse sperrig und schwer zugänglich. Für das Drittwerk mit Cammie (und das vierte Full-Length-Album der Band insgesamt) wählten die Texaner einen neuen Ansatz: Sie wollte Songs, die sich „wie Hymnen anfühlen“, so erklärte es Gilbert, während Drummer und Songwriting-Partner Dobber Beverly ergänzt: „Die Musik ist introspektiv und aufbauend; wir haben einige der früheren, eigentümlichen Elemente über Bord geworfen und haben sie durch hymnische und bombastische Soundscapes ersetzt“.

In der Tat ist die selbstbetitelte Platte leichter empfänglich als ihr Vorgänger und fließt deutlich besser, da die Songs weniger verkopft wirken. Man hat sich in Sachen Breaks und extremen Passagen klar gezügelt und somit auch Cammies Wunderstimme mehr Raum gegeben. Stücke wie das flehende „To The Sea“, die von prägnanten Akustikgitarren getragene Halbballade „The Colors Of Grace“, die ebenso elegisch wie optimistisch tönt (immer wieder werden die Worte „You saved me from myself“ skandiert) oder das herzzerreißende „The Red Flower“ verzichten auf Death-Metal-Vocals und proggige Exkurse.

Dies bedeutet mitnichten eine volle 180-Grad-Wendung, zumal die Amerikaner stets mit viel Dynamik operierten und auch ruhige Stellen seit jeher einen wichtigen Bestandteil ihres Sounds ausmachten. So sind wie auch schon bei den Vorgängern erneut ebenfalls eher sanft gehaltene Interludes zu finden: „Imperfect Divinity“ setzt mit verträumten Klängen vor allem auf Ambiente und „September (Those Who Came Before)“ ist ein wunderschönes, sich steigerndes Klavierinstrumental mit ein paar dezenten Streichern als zusätzlicher Würze.

Außerdem zeigen eine Gesamtalbumspielzeit von über 70 Minuten und Tracklängen zwischen meist sechs und acht Minuten, dass es sich hier immer noch um alles andere als Easy Listening handelt, doch agiert man kompositorisch zielstrebiger und gereifter. Der Opener „Soundtrack To My Last Day“ ist da gleich ein Paradebeispiel – anstatt den Hörer mit einem Breakfestival zu überfordern, wird das elegante und starke Mainriff durchexerziert und variiert, wobei gleichzeitig mit ungezwungen eingefügten akustischen Sequenzen und effektivem Growl/Clean-Wechselgesang für viel Bewegung gesorgt wird.

Höhepunkt des Albums ist das epische „I Mourn These Yellowed Leaves“ (könnte auch ein Songtitel von My Dying Bride sein), bei dem wohlig Doublebass-Passagen und wunderbare Melodien zusammenkommen und das in bemerkenswerter Weise demonstriert, wie sich Oceans Of Slumber in puncto Songwriting weiterentwickelt haben. Und dass die Band nicht mehr brutal sein könnte, muss ebenfalls niemand befürchten, wie die Blastbeat-affinen „The Adorned Fathomless Creation“ und „Total Failure Apparatus“ untermauern. Ebenso wie das überlegt aufgebaute „Pray For Fire“, das mit einem an „Harvest“ von Opeth erinnernden Akustikpart beginnt und im späteren Verlauf saftige Arschtritte verteilt, gehören jene Stücke zum vertrackten Material des Longplayers, die den progressiven Anspruch der Band darlegen.

Das handwerkliche Niveau bleibt auch bei komplett neuer Saitenfraktion in jedem Fall überragend und es erstaunt weiterhin, wie emotional tiefschürfend die Musik dieser Band trotz der technischen Versiertheit ist – was zu einem erheblichen Teil auf Cammies unglaubliche Stimme und leidenschaftliche Performance zurückzuführen ist. Die Tatsache, dass die Songs bei allen Prog-Ambitionen besser auf den Punkt kommen, bedeutet übrigens nicht, dass „The Banished Heart“ hier schlecht geredet werden soll, die Band wollte damals schlichtergreifend etwas anderes als heute und das haben sie geschafft – den Vorsatz, die Kompositionen „hymnischer“ klingen zu lassen, hat man jedenfalls erfolgreich umgesetzt, wenngleich das bisherige Discographie-Highlight immer noch „Winter“ bleibt.

Hymnisch ist sicherlich auch ein gutes Stichwort, wenn es um „Wolf Moon (Zoanthrophic Paranoia)“, ein Cover des Type O Negative-Gottsongs geht, der hier sehr stark (und vom Arrangement dem Original relativ nahe) wiedergegeben wird. Vielleicht nicht so originell wie seinerzeit „Nights In White Satin“, aber gut zum Restmaterial passend und möglicherweise ein Fingerzeig darauf, wohin sich Oceans Of Slumber noch entwickeln werden.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna