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Obskuria: Discovery Of Obskuria

Wenn Hits gnadenlos zerstört werden und CDs einfach zu lang sind
Wertung: 2/10
Genre: Heavy Space Rock
Spielzeit: 79:33
Release: 21.12.2007
Label: World in Sound

„Obskuria steht für die neue Generation des Heavy-Space-Rock-Sounds, episch, progressiv, düster und euphorisch“ steht es da geschrieben auf dem Infosheet. Nun gut, das hört sich doch eigentlich ganz genau nach der Mucke an, die mir gefallen könnte. Also CD ausgepackt und ins Booklet geschaut. Aha, ein stilistisch an hochwertige Comics angelegtes Langbild. Nun ja, der Clou dabei ist, dass man auf der Rückseite die Texte spiegelverkehrt gedruckt hat, so muss man, wenn man keinen Spiegel dabei hat, das Booklet gegen das Licht halten und quasi durch das Papier schauen. Netter Gimmick, der den Spacegedanken verdeutlicht.

Los geht`s dann aber mit dem ersten Song „I Am My Own God“( Dayglow Abortions-Cover), welches zumindest verheißungsvoll beginnt. Interessant ist gerade auch die Hammond Orgel, die da kräftig mitmischt, aber spätestens zu dem Zeitpunkt, in dem der recht punkige Gesang beginnt, bekomme ich ein eher flaues Gefühl in der Magengegend. Der Sound ist recht dröge und die normalerweise im Vordergrund stehenden Gitarren sorgen eigentlich mit den Drums für den Soundteppich. Sehr ungewohnt und nicht gerade leicht verdaulich.

Gespannt bin ich schon auf eine recht trashige Coverversion des Metallica Klassikers „For Whom The Bell Tolls“. Da werde ich aber doch recht kräftig überrascht, denn hier geht man ganz klar einen anderen Weg. Wer den Song mal als Doomversion mit Orgel ála Mambo Kurt hören möchte, sollte hier mal ein Ohr riskieren. Also, ich muss zugeben, dass dies für meine Ohren gar nicht geht. Diesen Song derart zu verhunzen, sollte mit Gefängnisstrafe nicht unter 20 Jahren bestraft werden. Der Gesang ist recht zurückhaltend, aber man scheint hier wirklich den Song recht genau nachspielen zu wollen, nur eben in Zeitlupe. Fast acht Minuten lang wird der Song zerstört.

„I See“ ist nach diesem Stück schon fast eine Wohltat. Irgendwie wird man an alte 70er Jahre erinnert und das nicht nur wegen der Orgel. Man fliegt quasi durch Raum und Zeit, wenn man die Augen schließt und wird zeitweise an alte Monumentalwerke der Improvisation z.B. von Deep Purple erinnert. Fast gänzlich ohne Power oder Antrieb. Man zerfließt praktisch in diesem fast achtminütigen Song.

Dann geht`s wieder richtig schnell zu den gekachelten Räumen. Der Beatles-Song „Come Together“ wird interpretiert, wobei das hier nicht ganz so schlimm gerät wie bei Metallica.

„Breakfast Suite“ ist dann wieder eine Eigenkomposition. Gehörig schräg fließen hier seltsame Melodien zusammen, was sich teilweise schon fast wie Kindergeklimper anhört, entwickelt sich aber nach und nach zu etwas Nachvollziehbarem, bevor man dann in eine andere rockigere Richtung abdriftet. Reine Improvisations-Jamsession in einer nicht ganz unbeeinflußten Bewusstseinswelt, würde ich hier mal denken.

„Forbidden Look“ begint wirr und scheinbar hektisch. Dieses zelebrierte Chaos wird eigentlich nur von der konstanten Rhytmussektion angetreiben, welche allerdings ohne große Abwechslung ihr Ding durchzieht. „Essence Of Ist Own“ bleibt da deutlich ruhiger. Irgendwo schwimmt da auch noch Hawkwind mit drin rum in dieser seltsamen Mischung aus reiner Improvisation und Jamsession. Die Orgel als führendes Instrument und das Ganze dann als die neue Genertion der Musik anzupreisen, nee, ich weiß nicht. Die Band wird zwar immer mal wieder gelobt für ihre „Kunst“, aber mir ist z.B. dieses fast 19-minütige Klangkonsortium einfach zu uninteressant.

„Turn Your Face“ hat da schon eher Songstrukturen und weiß mit einer schönen Gitarre aufzuwarten, selbstverständlich nur im Verbund mit der Orgel. Die Vocals bieten hier zumindest auch einen gewissen Reiz.

„Discovery Of Obskuria“ gerät dann sogar richtig hörenswert. In Slowmotion stapft man daher und weiß so ein wenig das inzwischen etwas eingelullte Gehirn wieder zu regenerieren, bevor es dann wieder schwer verdaulicher wird und in andere Sphären abdriftet.

Kommen wir nun zu letzten Cover des Albums: „Die Die My Darling“ von den Misfits. Schon der Beginn lässt sehr Böses erahnen, wobei es dann doch recht rockig wird. Dr Gesang ist dafür aber richtig grottig geraten. Oh mann, da sind ja die vermindert lebenden Zombies von Power richtige Helden mit der Version, die sie abliefern. Dass ich Metallica hier gar nicht erst erwähnen möchte, dürfte wohl klar sein. Ups, jetzt hab ich es doch getan.

Der letzte Song stammt von Peter Thomas, der Einigen als Soundtrack-Visionär von Raumpatrouille Orion oder auch Jerry Cotton bekannt sein könnte. Genau das ist dann auch der Sound, der den Hörer hier erwartet. Der „Sänger“ lacht sich erstmal ´nen Ast und wird dann unterstützt von Bläsern und allerlei wirklichen Oldschool Klängen noch gepusht. Sorry, aber das ist nun wirklich nicht meine Baustelle.

Fazit: Extrem offene Musikbegeisterte, welche die Siebziger und auch gehörig progressive verspielte Improvisationskunst lieben, sollten mal aus sicherer Entfernung ein Ohr riskieren. Allen Metallica oder auch Misfits-Fans sei die Scheibe empfohlen wie dem Teufel das Weihwasser. Sorry, auch bei allem Können der einzelnen Musiker, aber das Klangkonstrukt will mir nicht munden. Wenn das die neue Musikgeneration ist, dann gebe ich meinen Redakteursposten auf.

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