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Obrero: Mortuis Vivos Docent

Für den Retro-Rock-Thron zu unscheinbar
Wertung: 6/10
Genre: Doom/Stoner
Spielzeit: 47:56
Release: 21.10.2011
Label: Night Tripper Records

Die Retro-Welle rollt und rollt und die Brandung ist noch lange nicht in Sicht. So hat sich die Musikwelt auch dieses Jahr wieder über zahllose Seventies-infizierte Platten freuen dürfen – die Werke von GraveyardThe Devil's BloodGhost und Opeth sollen als Beispiele an dieser Stelle genügen. Auch Obrero schwelgen auf ihrem Debütalbum „Mortui Vivos Docent“ ausgiebig in der Vergangenheit. Mit der altbekannten Doom-/Stoner-Mischung holzen sich die fünf Schweden durch den spärlich produzierten Riffdschungel mit dem erklärten Ziel, die guten alten Zeiten aufleben zu lassen. So weit, so gewöhnlich.

Es wäre schön, wenn jetzt das große „aber“ folgen würde, das erklärt, warum man bei dem reichhaltigen Angebot an Ü40-Mucke dieses Jahr ausgerechnet an Obrero nicht vorbei kommt. Leider bietet das Quintett aber auf 48 Minuten Spielzeit weitgehend Standardkost und selbst die ist nur mittelprächtig: Die Riffs klingen größtenteils, als hätte sie Tony Iommi morgens im Zahnputzbecher vergessen und drücken zwar hin und wieder ganz gut, sind aber selten wirklich griffig. Der Gesang klingt ein bisschen zu uninspiriert; Sänger Martin Missy röhrt sich zudem für meinen Geschmack ein bisschen sehr roh durch die Songs. Und was der Mann dabei von sich gibt, lässt sich mit „Geisterbahnlyrik“ wohl ganz gut umschreiben: Alles irgendwie ein bisschen okkult, dunkle Wälder an allen Ecken und wenn der „Octaman“ losgelassen wird, ist eh alles verloren. Der Horrorkinogrusel gehörte ja schließlich auch schon bei Black Sabbath zum Programm und für den kleinen Extraschub Nostalgie bauen Obrero auch noch ein paar Filmsamples ein.

So zieht „Mortui Vivos Docent“ weitgehend spurlos am unbeeindruckten Ohr vorbei. Wobei die Platte durchaus ihre guten Momente hat: Wenn Obrero in „Svantivit“ ein simples Riff mit interessanter Dynamik und eingängiger Gesangsmelodie aufpeppen, hört man sich das gerne an. Auch der „Octaman“ (inspiriert von einem extrem trashigen Monsterfilm von 1971) macht musikalisch eine ganz passable Figur und vor allem der ungemein kitschige „Ooooctaaamaaaan!“-Chor im Refrain macht Laune. Und ja, die Mellotrone in „Exterminate“ und „The Lost World“ sind auch ganz nett.

Über die Tatsache, dass es dieses Jahr bereits weitaus kreativere und relevantere Retro-Scheiben als das Obrero-Debüt gab, täuschen aber auch diese paar Lichtblicke nicht hinweg. „Mortuis Vivos Docent“ ist zwar keine schlechte Platte im eigentlichen Sinne; sie ist nur in ihrer Gesamtheit zu unscheinbar, um unter der Konkurrenz irgendwie aufzufallen und kann weder mit Innovationen noch mit wirklich herausragenden Songs punkten. So bleibt der Genrethron dieses Jahr anderen überlassen – für Obrero reicht es nur für einen Platz unter dem Gesinde oder mit Glück noch zum Hofnarren. Vielleicht klappt es ja mit dem nächsten Album.

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