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Obituary: Inked In Blood

Obituary stehen nicht nur drauf, sondern sind zu 100 Prozent auch drin
Wertung: 9/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 49:12
Release: 24.10.2014
Label: Relapse Records

Was ist nicht alles in den letzten fünf Jahren seit „Darkest Day“ passiert, bis nun endlich der Nachfolger „Inked In Blood“ für die Old-School-Death-Metal-Fans gleich wie ein neues Mekka des Todestahls das Tageslicht erblickt. Natürlich, die Geldbeschaffungswerbemaßnahme, oder kürzer auch Crowdfunding genannt, hat so manchen unschönen Wirbel verursacht, wurde doch genügend Geld gesammelt, aber die Wasserstandsmeldungen seitens der Band kamen dann eher verzögert, so dass Zweifel am freudigen Erwarten nagten. Vergeben und vergessen, will man da meinen, denn jetzt ist das fette Geschoss ja da und ballert von der ersten Sekunde genau so, wie die Obituary-Fans sich das Ganze vorgestellt haben.

Schwere, doomige, fies sägende Riffs dominieren natürlich das „Inked In Blood“-Bild, dazu natürlich John Tardys unverwechselbaren gurgelnden, geifernden Krächzlaute, wo Unbedarfte eher an Ösophagusvaritzen denn an menschliche Kehlenlaute denken – der Fan aber denkt: Fetter Scheiß, genau so muss Death Metal gebrüllt werden. Kenny Andrews muss nicht nur nebenbei ein wenig in den Fokus rutschen, schüttelt er doch wie in „Back On Top“ ein paar herrliche Gitarrenspielereien aus dem Ärmel – natürlich hat das riffende Massaker immer und überall im Obi-Lager Erstexistenzrecht – doch bei aller souveränen Leistung fehlen gerade den Fans der ersten Stunde die tief ins Fleisch schneidenden Soli eines Allen West. Kenny ist da ungleich melodischer, nicht aber zwangsläufig schlechter aufgestellt. Weniger schmerzlich im soundlichen Gesamtbild dürfte dagegen sein, dass mit Frank Watkins nicht mehr der Quasi-Originalbassist mit von der Partie ist – der seit 2010 tief zupfende Terry Butler liefert doch ebenfalls eine souveräne Leistung ab.

Markenzeichen Nummer eins aber ist neben den headbangkompatiblen Rhythmen vor allem der Sound, und da haben Obituary die bisherige erfolgreiche Schablone erneut ausgepackt und jegliche Anbiederung an veränderte Gitarrensounds mit einer geballten Portion Stinkefingern den Weg an die frische Luft aufgezeigt. Und wie eh und je gehen die Todesvertreter aus Florida im eigenen Sinne kompromisslos zu Werke, der Opener „Centuries Of Lies“ bricht einfach unvermittelt über den Hörer ein. Doch was dann den Florida-Sound noch ein bisschen deutlicher vertritt, sind immer wieder diese fies daher rollenden Gitarrenriffs, das doomige Auswalzen, was in „Violent By Nature“ schon langsam aber sachte die Bauchdecke öffnet, bei „Pain Iside“ die Innereien dann aber restlos zerfräst.

Natürlich lassen es Obi nicht immer „gemütlich“angehen, sondern liefern auch Stoff für einen gediegenen Circle Pit. Das melodische Solo in „Violence“ trifft auf ein wahres Double-Bass-Sturmkommando, ein wenig psychedelischer geht es dann in „Within A Dying Breed“ zu Ende und auch der Titeltrack „Inked In Blood“ überrollt einen förmlich mit brachialer Riffgewalt und donnerndem Double-Bass-Gewummer, dagegen lebt ein bisschen mehr die ursprüngliche Hardcore-Attitüde aus Debützeiten in „Minds Of The World auf.

Obituary stehen auch 2014 für das, was sie nun seit fast annähernd drei Dekaden verkörpern: Furztrockene, knallharte Riffs, blutige Walzen für den Walk Of Death im Livepit – der Fan lehnt sich mit einem zufriedenen Grinsen zurück, hat dabei ein „Dat isset“ auf den Lippen und weiß: Obi sind noch so wertvoll wie damals. Einen Scheißdreck auf Innovation, ein feuchter Furz auf Anbiederung an die Moderne, „Inked In Blood“ liefert genau das, was alle gehofft hatten: Death Metal, wie er im Blute fließt. Eine bessere Ehrerbietung an die Wegbereiter Hellhammer/Celtic Frost kann es kaum noch geben, nur der Bassdrumsound wird einmal mehr so manche Diskussion loseisen.

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