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NunFuckRitual: In Bondage To The Serpent

Interessant, aber nicht alle Möglichkeiten ausgelotet
Wertung: 6/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 46:21
Release: 14.10.2011
Label: Eigenproduktion

Passend zum Auftauchen der aktuellen NunFuckRitual-Scheibe hat sich das Wetter um 180 Grad gedreht: Schien gestern noch die Sonne bei knapp 25 Grad, regnet es heute wie aus Eimern. Der Himmel hat seine Schleusen geöffnet, um den unheiligen Black Metal der Norweger zu empfangen, und was könnte zu unchristlichen, düsteren, doomig angehauchten Riffs und gequälten Schreien besser passen als ein ordentlicher Platzregen?! Fehlen eigentlich nur noch Blitz und Donner, aber man kann ja nicht alles haben.

Morgens um halb sieben in der Straßenbahn NunFuckRitual zu hören, zumal bei diesem Wetter, ist empfehlenswert, falls man sich mal ausnahmsweise zu wohl fühlt und sich in richtig depressive Stimmung bringen will. Sänger Espen T. Hangård jammert zwar Gottlob nicht, aber der Mann hat ein Talent, alle Texte so in die Länge zu ziehen, dass man sich nicht nur fühlt wie ein Kaugummi, sondern auch noch wie ein Depressiver kurz vorm Suizid. Und dabei machen NFR einfach nur stinknormalen Black Metal, ohne irgendwelches Depressive-Suicidal-Gedöns. Dafür spielt eine gehörige Portion Doom mit in den Sound des Quartetts: Gitarrist Teloch (der mal oder immer noch bei Mayhem unterwegs war – mit Informationen rund um die Bandhistorie halten sich NFR vornehm zurück) müht sich nicht gerade, den Speed-Riffing-Rekord zu schlagen und auch Drummer Andreas Jonsson macht es sich die meiste Zeit eher auf seinem Stühlchen gemütlich. Mit Basser Dan Lilken haben die Norweger direkt auch eine Berühmtheit an Bord – der Mann zupfte immerhin schon bei Nuclear Assault und Anthrax die Seiten, letztere gründete er sogar mit. Was ihn jetzt zu Black Metal gebracht hat? Keine Ahnung, aber die Herren hätten sich sicher einen schlechteren Basser angeln können.

„In Bondage To The Serpent“ beginnt so, wie man es von einer Black-Metal-Scheibe erwartet: mit leicht verzerrten Gitarren, nach bald zweieinhalb Minuten setzt dann auch der Gesang an, der natürlich stilecht ebenfalls verzerrt und ein Stück in den Hintergrund gerückt wurde. Klingt nicht schlecht, Espen beherrscht das Kunststück, gleichzeitig angepisst und verzweifelt zu klingen und verzichtet auf überflüssiges Gekeife. Dass die Truppe einen recht hohen Anspruch an ihre eigene Musik hat, merkt man allein dadurch, dass sie versucht, mit relativ ähnlichen Riffs und Strukturen die kompletten 46 Minuten zu füllen, ohne zu langweilen – und das schaffen sie größtenteils, trotz der Tatsache, dass keiner der Songs unter sechs Minuten liegt und man die Tracks so leicht mal durcheinander bringen kann.

Ein wenig fehlt es aber an Gitarrenspielereien. Grade im Black Metal sind die Möglichkeiten, dahingehend von einer Stimmung in die nächste zu wechseln, immens. „Komodo Dragon, Mother Queen“ gibt einen Einblick in das, was Gitarrero Teloch wirklich kann – die meiste Zeit schleppt sich der Song irgendwie unheilvoll dahin, das wirklich schöne Mainriff setzt sich rasch im Kopf fest und zwischendurch überrascht der Saitenhexer mit fast gezupften Einsprengseln. „Cursed Virgin, Pregnant Whore“ (übrigens auch schön, diese kryptischen Songtitel) zeigt dann die rasantere Seite der Band. Davon merkt man zu Anfang freilich noch nicht viel, der Track fließt zähflüssig durch die Boxen, erst ungefähr bei der Hälfte entscheidet sich Andreas für ein schnelleres Drumming und auch die Gitarren kommen aus dem Quark. Schauerliche Hintergrundgesänge würzen den Track und machen ihn zu einer wahren Irrfahrt durch Geschredder und Geschrei. Irgendwie ist es wirklich cool, aber irgendwie fühlt man sich doch auch ein bisschen irritiert von dem ganzen Konzept.

Gegen Ende verlieren NunFuckRitual ganz gehörig an Fahrt. Schade, dass der Biss von „Komodo Dragon, Mother Queen“ nicht beibehalten werden konnte, denn das ist mit ziemlichem Abstand das stärkste Stück auf der Scheibe. Interessant sind NunFuckRitual durch ihre Melodieführung und die, wenn auch eher zaghafte, Gitarrenarbeit, außerdem hat Espen eine wirklich gute Stimme, wenn sie denn mal durch den Instrumentalteppich bricht. Vielleicht bietet das nächste Album ja etwas mehr Zündstoff.

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