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Nucleus Torn: Travellers

Compilation früher Werke der Band - wer diese noch nicht hat, sollte zuschlagen
keine Wertung
Genre: Avantgarde/Folk/Progressive Rock
Spielzeit: 67:18
Release: 26.11.2010
Label: Prophecy Productions

Parallel zum neuen Album „Andromeda Awaiting“ hat Nucleus Torn-Mastermind Fredy Schnyder noch einen besonderen Leckerbissen für die Fans parat: Die Rede ist von der vorliegenden Scheibe „Travellers“, einer Compilation sämtlichen Materials, das vor den drei bislang erschienenen Full-Length-Alben veröffentlicht wurde, inklusive zweier Tracks, die bis dato offiziell noch gar nicht erhältlich waren. Alle, die die EPs „Krähenkönigin“, „Silver“ und „Submission“ noch gar nicht kennen, werden sich möglicherweise erst einmal verwundert die Augen reiben, denn so vielfältig Nucleus Torn heutzutage auch sind – damals wurde beinahe noch mehr herumexperimentiert als heute, will heißen, das Material klingt völlig unterschiedlich, weswegen von vornherein gesagt sei, dass eine Bewertung der Platte unsinnig wäre.

So handelt es sich bei „Krähenkönigin“ um einen Komplex aus vier Tracks, bei dem lediglich eine einsame akustische, klassische Gitarre zum Einsatz kommt; in den Linernotes erklärt Schnyder, dass er diese Stücke im Prinzip nur zu seinem eigenen Vergnügen schrieb, nachdem er feststellte, dass er nicht wirklich in der Lage war, in einer „demokratischen“ Band zu arbeiten, wo alle das gleiche Mitspracherecht haben. Damals wusste er also selbst noch gar nicht, dass er in naher Zukunft Nucleus Torn ins Leben rufen würde, weswegen sich „Krähenkönigin“ insbesondere vom restlichen Material von „Travellers“ abhebt und logischerweise völlig anders klingt als die darauffolgenden Songs, die in der Intention entstanden, eine eigene Band zu gründen. In jedem Fall aber haben wir vier sehr hübsche Kompositionen vorliegen, die, wie man sich denken kann, klassisch angehaucht sind, gleichzeitig aber auch eine folkige, naturverbundene Atmosphäre verbreiten. Obwohl hier nicht im barocken, Malmsteen-mäßigen Stil mit Sechzehntelläufen das Griffbrett malträtiert wird, sondern eine relaxte Stimmung herrscht, wird einmal mehr deutlich, was für enorme technische und musikalische Fähigkeiten der Schweizer besitzt.

„Silver“ (bestehend aus den Tracks fünf bis acht) ist, da Schnyder mit Patrick Schaad und Christoph Steiner nun auch einen Sänger respektive einen Schlagzeuger am Start hatte, natürlich schon wesentlich deutlicher an den Sound angelehnt, der Nucleus Torn heute kennzeichnet. Streicher und Flöten kommen hier noch nicht zum Einsatz wie auf den Full-Length-Alben, doch der Gegensatz zwischen ruhigen und härteren Momenten wie auf „Nihil“ und „Knell“ kommt deutlich zu Tage, wenn auch spartanischer arrangiert, da die besinnlichen Passagen ausschließlich von der Akustikgitarre getragen werden – sieht man mal vom über neunminütigen, spannend aufgebauten „Nucleus Torn“ ab, bei dem auch Piano- und Orgelklänge zu hören sind.

„Neon Light Submission“ und das wunderbare „Traveller’s Rest“, die beiden Songs der „Submission“-EP, hingegen waren ursprünglich zwei Demos für ein Progressive-Rock-Projekt mit dem Namen The New Grove Project, bei dem Fredy Schnyder Gitarre spielen sollte. Dass sich das Endresultat tatsächlich ziemlich proggy anhört, ist demnach natürlich nicht allzu verwunderlich.

Die beiden letzten Stücke, „Leadless“ und „Lurking“, wie gesagt zum ersten Mal auf einem akustischen Datenträger veröffentlicht, wiederum waren eigentlich für „Nihil“ vorgesehen, doch da sie sich letzten Endes zu sehr von den restlichen Songs unterschieden, wurden sie doch nicht mit auf die Platte genommen. In der Tat wird hier wieder kräftig herumexperimentiert; „Leadless“ wartet mit perkussiven Klängen auf und hat dank der orientalischen Tonfolgen, die Gitarre und Geige spielen, zunächst ein gewisses morgenländisches Feeling, bis ein plötzlich einsetzendes Saxophon der Nummer eine überraschende Wendung gibt – abgefahren, aber sehr cool, hier passiert in nur viereinhalb Minuten eine ganze Menge! „Lurking“ ist ein nicht minder gelungenes Stück, das sich kaum mehr von seinem Vorgänger unterscheiden könnte. E-Gitarren-Klänge, die zwischendurch fast ein bisschen an Muse erinnern, werden immer wieder von spannungsgeladenen, ruhigeren Sequenzen durchbrochen, bis sich das Ganze am Ende in einen mächtigen Wall aus Gitarren steigert.

Es ist schon wirklich interessant zu sehen, was für Wege die Schweizer gegangen sind, bevor sie „Nihil“, „Knell“ und „Andromeda Awaiting“ herausbrachten. Wer keine Scheuklappen hat (allerdings sollte man die bei Nucleus Torn ja eh nicht haben) und die ganzen EPs von damals noch nicht sein Eigen nennt, sollte ganz klar zuschlagen, noch dazu bei zwei so starken „neuen“ Stücken!

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann