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Nucleus Torn: Nihil

Die CD wirkt geschlossen, in sich stimmig trotz ihrer verschiedenen Gesichter
Wertung: 8/10
Genre: Neofolk; Gothic; Weltmusik
Spielzeit: 37:11
Release: 01.12.2006
Label: Prophecy Productions

Als sich Folk und Gothic eines grauen Samstagnachmittags ihrem sündigen Liebesspiel hingaben, wusste noch keiner von beiden, welche verheerenden Folgen diese Vereinigung haben würde. Dutzende von ihren Eltern verstoßener Bastarde machten ihre ersten Gehversuche, fielen und standen wieder auf, und zeigten letztendlich ein Grundgesetz der Musik auf: Purismus bedeutet Monotonie, stilistische Weitsicht hingegen Abwechslung. Wie erfrischend mag der erste Schritt in die Welt der vitalen irischen Klänge, der meditativen mittelalterlichen Balladen oder der exotisch arabischen Klangmuster gewesen sein?

Aus diesem Quell innovativer Anregungen schöpft auch Nucleus Torn, welche man mit Mühe und Not in den Bereich Neofolk ordnen könnte. Doch möchte ich mich eigentlich aus dieser Kategorisierung raushalten, und werde versuchen ein Bild von der Musik zu liefern, welches dann jedem selbst als Vorlage zur Einschätzung dienen soll. Die Grundstimmung dieses Debüts ist sehr getragen, mit einem verzaubernden Element auf der einen Seite und einer bedrückenden, einschüchternden Sichtweise auf der anderen. Höhen und Tiefen wechseln sich ab, ohne die Existenz des anderen zu gefährden, vielmehr benötigt jede Seite die andere, wie auch ohne Stille jeglicher Laut an Bedeutung verlieren würde.

Gleiche Gegensätzlichkeiten scheinen die tragenden Säulen dieser Musik zu sein, denn schwelgerische Streicherpassagen werden von Gitarrenangriffen zerstört und in disharmonischen Trümmerhaufen ganz langsam begraben, um die nachfolgenden Harmonien um so süßer erscheinen zu lassen. Wie ein Signal menschlichen Denkens steht diese Konzeption für die intensive Beschäftigung mit einem stimmigen, musikalischen Ausdruck, für die fundierte stilistische Kenntnis der Musiker. Klassik, Neofolk, Gothic, Weltmusik, Metal, Progressiv Rock sind noch zu oberflächliche Begriffe, da viele von ihnen sich gegenseitig ausschließen. Metal und Klassik zu vereinen ist schon oft gelungen, und auch Neofolk impliziert symphonische bis kammermusikalische Stilmittel, doch dies nun weiter auch untereinander zu verweben, die Hurenkinder und Bastarde in trauter Innigkeit zu beobachten, birgt einen gewissen musikalischen Reiz.

Obwohl die Schweizer Formation nur etwas über eine halbe Stunde spielt, hat man das Gefühl einer ausgedehnten Reise durch versteckte Winkel und weite Landschaften, tiefe Emotionen und begeisterten Enthusiasmus. Und eben diese Wirkung wird zu erreichen versucht, da „Nihil“ als erster Teil einer Trilogie gedacht ist, eine Einleitung quasi in eine Welt die zu ergründen noch vor einem liegt.

Dennoch erscheint das Album in sich stimmig, geschlossen trotz der inneren Differenzen die sich augenscheinlich aufbauen und trotz des in eine Dreiteiligkeit einleitenden Grundgedankens der Band. Vom ersten Klang eines Santur über die wilden Gitarrenpassagen hin zu den langsam der Stille erliegenden Streichern, wirkt die CD sehr geschlossen, in sich stimmig trotz all ihrer verschiedenen Gesichter. Wer also den Mut aufbringt sich ein wenig mehr als Neofolk, ein wenig mehr als Progressiven Rock oder Metal, ein wenig mehr als Gothic zuzutrauen, dem sei diese Gruppe ans Herz gelegt, bei der es ein wenig mehr zu entdecken gibt, und geben wird, wenn man auf die Trilogie blickt.

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