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Nucleus Torn: Knell

Grandioses Konzeptwerk, das im Stück genossen werden muss
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Rock, Progressive Metal
Spielzeit: 56:04
Release: 22.02.2008
Label: Prophecy Productions

Man glaubt ja gerne mal, dass, wenn man heutzutage liest oder hört, dass bei Bands Flöten, Geigen und Lauten auftauchen, es in die Pseudo-Folk- bzw. Kitsch-Mittelalter-Ecke geht und einem solch (tut mir leid, aber so seh ich das) unerträgliche Grütze wie Subway To Sally, Schandmaul oder Haggard zugemutet wird und so schwante mir denn auch zunächst nichts Gutes, als ich die Besetzungsliste auf dem beiliegenden Zettel der Plattenfirma las.

Zum Glück jedoch haben sich sämtliche Befürchtungen ziemlich schnell in Wohlgefallen aufgelöst – das Ganze geht in eine völlig andere Richtung und hat im Übrigen nicht wirklich wahnsinnig viel mit Metal zu tun; alle, die von der ersten bis zur letzten Minute elektrisch verstärkte Gitarren hören wollen, seien also gleich gewarnt und sind bei Nucleus Torn unter Umständen falsch aufgehoben.

Vielmehr bekommen wir hier sehr viel akustischen Stoff geboten, der hin und wieder von – dann allerdings sehr effektiv eingesetzten und äußerst fett produzierten – E-Gitarren-Wänden unterbrochen wird. Immer wieder ertönen, völlig klischeefrei, Geigen-, Cello- und Flötenpassagen; zwar elegisch, aber ohne jeglichen Pathos, und nicht am Folk, sondern vielmehr an Klassik orientiert. (Das letzte Stück, lediglich am Flügel vorgetragen, erinnert mich mit seinen ungewöhnlichen Intervallen denn auch an modernere Klassik Anfang des letzten Jahrhunderts wie Alexander Skrjabin, einen russischen Komponisten.) Auch der Oud, eine arabische Form der Laute, und der wundervolle Hammered Dulcimer, die Mastermind Fredy Schnyder hier und da an den richtigen Stellen zum besten gibt, tragen viel zu einer äußerst düsteren, bedrohlichen und depressiven Stimmung bei.

Ja, düster und bedrohlich mutet dieses aus lediglich vier Tracks (einer davon eine Viertel-, der dritte sogar eine halbe Stunde lang) bestehende Album an, das beweist, dass man auch mit wenig verzerrten Gitarren eine beklemmende Atmosphäre schaffen kann – möglicherweise auch eben gerade, weil die harten Passagen eher seltener kommen. Manchmal ist weniger ja bekanntlich mehr.

Es wird beim Hören dieser CD klar, dass hier Musiker mit einer Vision am Werk sind, denen es um die Musik geht, darum, Gefühle zu vermitteln und zu erwecken und Atmosphäre zu erzeugen. Für Leute, die Musik nur nebenher hören oder nur am Start sind, wenn es ums Mitgrölen geht, ist so etwas natürlich nichts. Dieser Musik muss man zuhören, sich darin fallen lassen, sich von den überraschenden Wendungen treiben lassen; dies hier ist etwas für Leute, die bei einem Stück wie Track III (es gibt keine richtigen Titelbezeichnungen, die Songs sind alle lediglich mit den römischen Zahlen von I – IV versehen) auch mal eine halbe Stunde die Augen zu machen und einfach die Klappe halten können.

Die Bilder entstehen beim Hören dieser Scheibe ganz von selbst; die Natur ist allgegenwärtig und die ganze Zeit scheint etwas Unheilvolles in der Luft zu schweben. Bei diesen Klangcollagen, diesen Soundlandschaften allerdings, die an den ruhigen Stellen manchmal an Godspeed You! Black Emperor oder an The Gathering („How To Measure A Planet“) erinnern, kann jeder Hörer selbst seinen Gedanken nachhängen, sobald er das Licht im Zimmer ausgeschaltet, Kerzen angesteckt und sich so auf eine einzigartige Reise vorbereitet hat.

Apropos The Gathering: Der Gesang von Maria D’Alessandro hat durchaus was von Ex-The-Gathering-Frontdame Anneke van Giersbergen und gefällt mir deutlich besser als der ihres männlichen Pendants Patrick Schaad, der nicht schlecht ist, aber meiner Ansicht nach nicht das Feeling seiner Partnerin besitzt. Überhaupt gerade was die Gesangsparts betrifft, so sind auch diese erfreulich klischeefrei: In Zeiten, wo in jeder zweiten Gothic-Band abwechselnd ein Grunzer grummelt und eine Träller-Elfe tiriliert, ist es doch wohltuend, auch mal sowohl für Weiblein wie Männlein ganz normale, eigenständige Parts zu haben – auch wenn dies hier natürlich völlig andere Musik ist und mit Gothic nüscht zu tun hat.

Bleibt noch zu bemerken, dass „Knell“ den zweiten Teil einer Trilogie darstellt, die mit dem Vorgänger „Nihil“ begann und dass „Knell“ im Vergleich ausgeglichener und noch durchdachter wirkt.

Fazit: Ein sehr gutes, interessantes Album, das vor allem von der Atmosphäre lebt, für das man sich Zeit nehmen und das man vor allem unbedingt bei Nacht genießen sollte.

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