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Nucleus Torn: Andromeda Awaiting

Harte Gitarren sucht man hier vergeblich - ein mutiges Album!
Wertung: 9/10
Genre: Avantgarde / Folk
Spielzeit: 46:20
Release: 26.11.2010
Label: Prophecy Productions

Fredy Schnyder überrascht einen immer wieder. Auf der dritten und somit letzten Scheibe der geplanten Albumtrilogie, „Andromeda Awaiting“, wird einmal mehr deutlich: Der Mastermind von Nucleus Torn (unter anderem zuständig für Gitarren, sämtliche Tasteninstrumente und Bass) geht völlig kompromisslos seinen Weg – wenn einer authentisch ist, dann er, wenn einer wirklich die Musik macht, auf die er Lust hat, dann er. Die Schweizer Avantgardisten waren mit ihrer in dieser Form einzigartigen Symbiose aus Folk, Klassik, Rock und Metal schon immer ein Fall für sich, doch die neue Scheibe bricht wiederum aus diesem Gewand aus: Distortion-Gitarren gibt es nicht, selbst das Schlagzeug kommt nur äußerst selten zum Zuge – hauptsächlich akustische Instrumente beherrschen die Szenerie. Wer also heftig bratende Klampfen braucht, um glücklich zu sein, braucht nicht weiterzulesen.

Wer jedoch Musik nicht primär des Härtegrades wegen hört, sondern um sich von ihr berühren und treiben zu lassen, liegt hier goldrichtig. Natürlich waren die beiden Vorgänger „Nihil“ (2006) und „Knell“ (2008) brillant und vermochten es, die Seele zu berühren, doch auf „Andromeda Awaiting“ herrscht durch den nahezu kompletten Verzicht auf die typischen Rockinstrumente seinerseits eine ganz eigene Stimmung vor. Herzstücke sind der erste und der letzte Track (erneut wurde auf richtige Titel verzichtet und das Ganze einfach mit römischen Ziffern durchnummeriert, das ist auch etwas, was man sich nur dann erlauben darf, wenn man es – wie eben Fredy Schnyder zum Beispiel – wirklich drauf hat, sonst wirkt das schnell hochgestochen) mit jeweils knapp 16 Minuten Länge.

„I“ beginnt sehr verträumt, wunderschöne Flötenklänge, Klavier und sanfte Gitarren werden von einem smoothen Schlagzeug begleitet, alles steigert sich immer mehr und mehr – doch wer annimmt, diese rockige Richtung würde nun weitergeführt, sieht sich getäuscht. Stattdessen leiten hallgetränkte Gitarren einen balladesken Teil ein, bei dem das Klavier Frontfrau Maria D’Alessandro begleitet. Marias Stimme wusste schon auf „Knell“ sehr gut zu gefallen, doch aufgrund des quasi durchgängigen akustischen Charakters ist sie hier eigentlich noch mehr gefordert und meistert ihre Aufgabe bravourös. Sehr emotional, fast zart singt sie, aber ohne Pathos; dies sei ganz besonders auch im Zusammenhang mit dem zweiten Stück erwähnt, einer zu Tränen rührenden, wundervoll traurigen Ballade.

Allerdings muss man sagen, dass auch Patrick Schaad, ihr männliches Pendant, der ungefähr nach der Hälfte des ersten Tracks zum ersten Mal zum Einsatz kommt, mir viel besser gefällt als noch bei „Knell“, wo ich seine Leistung kritisierte. Es bleibt der Eindruck, dass seine Stimme eher für sanfte Töne geschaffen ist, möglicherweise fehlt ihm bei heftigen Gitarrenwänden schlichtweg ein wenig die Durchschlagskraft. Nichtsdestotrotz hat er insgesamt eher wenig zu tun, wobei im Prinzip überhaupt verhältnismäßig wenig gesungen wird; es stehen rein instrumentale Exkurse – teilweise auch einzelner Instrumente – im Vordergrund: So gibt es im ersten Stück eine herrliche mittelalterlich anmutende Passage mit Blockflöten zu hören (schneidet euch davon mal ’ne Scheibe ab, ihr ganzen Dudelheinis aus der Mittelalter-Szene), dann eine bedrohlich klingende Sequenz des Klaviers, die in moderner Klassik verwurzelt scheint, und schließlich geschmeidige Töne des Cellos und ein einsames, exzellentes Querflötensolo.

Die Drums hingegen kommen erst wieder im vierten Stück zum Einsatz, bei dem Maria wiederum die Leadvocals übernimmt, die sechste und letzte Nummer (beim fünften Track handelt es sich lediglich um ein einminütiges Interludium) ist dann erneut eine Erlebnisreise wie das erste Stück. Manch einer mag vielleicht etwas vorschnell kritisieren, dass bei den langen Tracks eine klar erkennbare Struktur fehle, da die Parts im ersten Moment etwas aneinander gereiht erscheinen könnten, doch erstens kann man sich dank der einzigartigen, entspannten Atmosphäre so oder so wunderbar treiben lassen, und zweitens sollte man etwas Geduld mitbringen. Zu entdecken gibt es genug und letztlich wird man mit jedem Durchlauf ein bisschen mehr hinter den Aufbau der Songs steigen. Ich für meinen Teil liebe es, jedesmal etwas Neues zu finden, so reizvoll es auch sein kann, Stücke zu hören, die man beim ersten Mal mitschmettern kann.

Auch wenn „Andromeda Awaiting“ sich natürlich von den meisten Veröffentlichungen auf unserer Seite unterscheidet und so gesehen gar nicht mehr wirklich The-Pit.de-kompatibel ist, sollte jeder, der auch mal über den Tellerrand zu blicken wagt, der Platte eine Chance geben. Musik wird schließlich nicht, wie eingangs erwähnt, dadurch definiert, wie hart sie ist, sondern wie sehr sie einen berührt. Und dass Fredy Schnyder und seine Mitstreiter ausgezeichnete Musiker sind, dürfte eh bekannt sein. Wie gesagt, der Schweizer Multiinstrumentalist geht seinen Weg und ist kompromisslos: Es war mutig von ihm, die Platte dennoch auf einem Metallabel zu veröffentlichen, und gut von Prophecy, ihm ganz offensichtlich absolute künstlerische Freiheit zu gewähren – da sieht man mal wieder den Unterschied zwischen Major und Independent Label. – Man darf jetzt schon gespannt sein, was Fredy Schnyder als nächstes aus dem Hut zaubert... Ach ja: Anspieltipps machen hier keinen Sinn.

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