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Novakill: I Hate God

Die Elektropäpste erobern die Dancefloors
Wertung: 7.5/10
Genre: Hellectro, EBM, Industrial
Spielzeit: 76:09
Release: 25.09.2009
Label: RepoRecords

Wer sich in der Electronic Body Music-Szene bewegt, kommt an Novakill so einfach nicht vorbei. Das Duo hat zusammen über 40 Jahre Erfahrung mit elektronischer Musik auf dem Buckel, stehen doch sowohl Sik als auch Bones schon seit Anfang der 80er hinter den Synthesizern. Die Bandgeschichte nahm ihren Anfang vor 13 Jahren, als die beiden Australier eine gemeinsame Industrial-EBM-Party in ihrer Heimatstadt Sydney organisierten. 

Ganze sieben Jahre haben die beiden gebraucht, um ihr erstes Werk "Hard Tech For A Hard World" fertigzustellen, 2005 folgte dann "Kill Everyone". Die Zeitspanne zwischen den Veröffentlichungen ist also teilweise recht groß, aber Novakill lassen sich gerne Zeit, um qualitativ hochwertiges Material abliefern zu können.

Neben der Qualität scheinen Novakill vor allem Wert auf Tanzflächentauglichkeit zu legen: Fast alle 14 Songs ihres neuen Werks "I Hate God" lassen sich ohne Probleme auf jede Playlist in den Industrial-Clubs dieser Welt setzen. Im Gegensatz zu vielen anderen EBM-Bands, die mit auswechselbarem Bumm-Bumm-Geballer die Tanzflächen erschüttern, verbinden die beiden Australier tanzbare Beats mit sphärischen, fast dramatischen Melodien im Hintergrund. Das ist allerdings nur eine der Komponenten, die den Wiedererkennungswert der alternden Elektropäpste ausmacht.

"Mistaken For God" bildet einen wunderbaren Einstieg mit seiner extrem clubtauglichen Bassline und der zweiten schnell wiedererkennbaren Komponente der Band, nämlich dem sehr zynischen Gesang der beiden Herren, der sich wolhtuend von dem Gejammer vieler anderer Bands dieses Genres abhebt. Problematisch wird´s allerdings schon bei "Demonizer": Der Song kommt aggressiver, aber genauso tanzbar daher wie sein Vorgänger, ist aber für den Hausgebrauch nicht unbedingt geeignet - ebenso wie die folgenden Stücke, die zwar alle die Tanztempel zum Kochen bringen dürften, in den heimischen vier Wänden aber nicht zu hundert Prozent rüberkommen.

Erst "Exterminate" überzeugt wieder auf der ganzen Linie: Der Song kommt ungewohnt ruhig daher, die Melodien treten in den Vordergrund und es entsteht eine sehr eindringliche Atmosphäre. Sik und Bones zeigen endlich, dass sie mehr können als den bisher vorherrschenden Sarkasmus behaftetetn Sprechgesang und heben das Album auf eine völlig neue Ebene.

"UltrakilL" steht ganz im Zeichen des Cyberpunks: Die spacige Atmosphäre und der bedrohliche Beat gehen schnell ins Ohr und noch schneller in die Beine. Auch das Cover "Sleepwalk" der New Wave-Combo Ultravox, die wir alle noch von ihrem Überhit "Dancing With Tears In My Eyes" kennen, wird sich sicherlich zu einem clubinterenen Hit entwickeln; trotz des sehr modernen Sounds sind die 80er nicht zu überhören und bilden eine regelrechte Homage an die Hochphase der Synthesizer.

Zwar fällt das Intro von "Tera Death" um einiges zu lang aus, wodurch der Song unnötig sperrig wirkt, dafür überzeugen aber überraschenderweise zwei der drei Remixe von "Demonizer" auf ganzer Linie: Der "Deliberate Fury Mix" entpuppt sich mit seinen melodischen Streichermelodien im Hintergrund als unheimlich verstörend und absolut genial, wohingegegn der "Broken Bones Mix" eher die Drum ´N´ Bass-Richtung einschlägt, aber ebenso überzeugt. Sonst bin ich kein besonderer Fan von Remixen, aber hier passen die Stücke einfach perfekt ins Album und sind technisch sehr anspruchsvoll gemacht.

"I Hate God" zeigt einmal mehr, wieso Novakill zu den Clubgöttern der EBM-Szene gehören. Leider ist die erste Hälfte der Platte sehr geradlinig ausgefallen, wodurch rasch eine gewisse Monotonie aufkommt - dafür entschädigt allerdings der zweite Teil der Scheibe für alles. Noch besser wird die Platte wahrscheinlich im Club wirken; einer normalen Stereoanlage fehlt hierfür einfach der nötige Biss beziehungsweise Bass.

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