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Nova Orbis: Imago

Hier regiert das Keyboard - leider!
Wertung: 3.5/10
Genre: Gothic Metal, Progressive
Spielzeit: 53:36
Release: 21.10.2009
Label: Eigenproduktion

Eine kleine Lehrstunde zum Thema progressive Musik: Es ist NICHT progressiv, Keyboards zu benutzen, die wahlweise wie ein Kinderkarussell oder ein Babyspielzeug klingen. Weiterhin fällt es nicht unter „progressiv“, wenn man sich beim Singen anhört, als müsste man sich ganz furchtbar anstrengen und hätte noch dazu den Lautstärkeregler zu niedrig stehen. Und schlussendlich ist es nicht progressiv, zu behaupten, die Bandmitglieder würden gemeinschaftlich ihre Songs schreiben und individuelle Einflüsse einbringen, wenn am Ende nichts als zusammengeschusterte Musikstücke entstehen, die dem Namen „Lied“ kaum gerecht werden.

Soviel dazu. Nova Orbis aus Bogotá in Kolumbien hätten vielleicht im Musikunterricht etwas besser aufpassen sollen. Das Sextett um Sängerin Ana María und die beiden Sängerin/Gitarristen José und Jorge hat sich bereits 2005 zusammengefunden, um gemeinsam die Grenzen der Musik – und des guten Geschmacks – auszuloten und Metal, Gothic und Progressive zu einer ansprechenden Mischung zu verbinden. Ein Jahr später brachten sie ihre selbst betitelte EP heraus, das erste Full-Length-Album mit dem Titel „Imago“ folgt nun. Vielleicht ist es zumindest dem Umstand zuzuschreiben, dass Nova Orbis ihre Platte im Alleingang aufnehmen mussten, dass die Abmischung rein lautstärkemäßig irgendwie nicht passt – die Instrumente kommen auf der Platte zwar super rüber, nur der Gesang klingt viel zu leise. Und zwar nur der der Sängerin.

Absicht wollen wir hier niemandem unterstellen, stattdessen hören wir mal vorsichtig in das Album rein. „Castle Of Exile“ startet mit einem Orgel-Intro (es lebe das Keyboard), dann kommen traditionell anmutende Blasinstrumente zum Einsatz. Sängerin Ana María hat zu Beginn eine etwas herbe, kratzige Stimme, einer ihrer männlichen Gegenparts klingt wie eine heisere Version des Grave Digger-Sängers Chris Boltendahl; beide wirken leicht deplatziert, der Song selbst unstrukturiert. „Unstable Mind“ bietet hingegen ein vielversprechendes Intro mit interessanten Keyboardpassagen und wummernden Gitarren, bis das besagte Kinderkarussell beginnt, sich zu drehen. Was Tastenmann David Martinez sich dabei gedacht hat, weiß nur er alleine – wenn überhaupt.

Vielversprechendes Intro, die Zweite: „Dark Delusion“ bietet dem lechzenden Metalhead sogar eine ziemlich saftige Doublebass und auch Ana hat durchaus mal ihre Glanzmomente, klingt aber ansonsten eher wie eine ungeübte und überanstrengte Version von Lacuna Coil-Goldkehlchen Cristina Scabbia. Witzigerweise – und wer schon mal türkischen Metal gehört hat, weiß was ich meine – ist das orientalisch angehauchte „Ancient Guardian“ das bisher angenehmste Lied. Gott sei Dank ändert sich das mit der Halbballade „Change“, in der Ana endlich zeigen kann, was sie drauf hat. Der Song beginnt mit einem ruhigen Intro und steigert sich sogar bis zu einem gar nicht mal unpassenden Gitarrensolo.

„Love Remains“ – der Titel lässt es befürchten – lebt von dem pathosgeschwängerten Gesang des Sängers, von dem sich immer noch nicht sicher sagen lässt, ob es Jorge oder José ist. Macht aber nichts, denn die sehr kraftvollen Drums stehlen dem Vokalisten sowieso die Show, bis… ja, bis das Keyboard einsetzt und alles komplett den Bach runtergeht. Was folgt, ist sehr unmetallisches Geklimper, das eher nach spontanem Auf-Die-Tasten-Tippen als nach Musik klingt, ebenso wie das Intro von „The Lamp“, das wohl an Nightwish angelehnt sein soll, aber nicht annährend mit deren Geklimper mithalten kann. Auch der Schlussakt rettet die Scheibe nicht mehr: Zwar kommen bei „Wisdom Hunter“ noch einmal die Gravedigger-Vocals zum Einsatz, aber spätestens wenn Ana sich einklinkt, hat das Stück völlig verloren.

Was auch immer sich Nova Orbis mit diesem Album erhofft haben, es darf stark bezweifelt werden, ob sie es erreichen können. Teilweise durchaus interessante Melodien treffen hier auf ungeübte Sänger/innen und wo bei anderen Bands die Keyboard-Elemente eine gewisse Erhabenheit verbreiten, macht sich hier eher Genervtheit breit.

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