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Normahl: Inri 21

Allen ans Herz gelegt
Wertung: 8/10
Genre: Punk Rock
Spielzeit: 46:45
Release: 03.06.2002
Label: Foobar Music

Im Jahre 1978 gründete sich im Stuttgarter Umland die wohl mittlerweile dienstälteste Punkband Deutschlands. Gründungsmitglied, Texter und Sänger Lars Besa rief mit ein paar Freunden die Combo Normahl ins Leben. Die selbst auferlegten Aufgaben der jungen Formation lauteten damals unwillkürlich: Auflehnung gegen das System, Saufen bis zum Umfallen und unwiderruflicher Frohsinn am Leben und Punk sein.

Bereits im Jahre 1980 veröffentlichen sie ihre erste EP mit dem Titel “Stuttgart über alles“, mit welcher sie sich auch recht schnell einen Namen in der Szene auf bundesweiter Ebene machen konnten. Allerdings pflegten Normahl im Gegensatz zu ihren eher linksradikalen Hamburger Kollegen von Slime, mehr ein gewisses „Proleten- und Spaßimage“ (was sich u.a. auch sehr gerne mal in textlich-inhaltlichen Schnitzern bemerkbar macht). So verwunderte es auch niemanden, dass beispielsweise im Jahre 1992 eine Single-CD auf den Markt kam, die dann mit den charmanten Worten betitelt wurde: “Sag doch bitte, bitte Drecksau zu mir!“. Ein Statement, das nicht nur augenzwinkernd zu verstehen war, sondern auch wie immer vortrefflich den Humor innerhalb der Band widerspiegelte, dass man niemanden (und am wenigsten sich selbst) allzu ernst nehmen sollte. Nach einigen doch nicht wenigen Querelen innerhalb der Band in den 90er Jahren, beschloss sich die Combo dann im Jahre 1996 endgültig aufzulösen.

Doch bereits im Jahre 2002 (als man sich zwangsweise wieder an einen Tisch setzen musste, da es um die Zweitauswertungsrechte der bisherigen Songs und Alben ging) beschloss man aber, es doch noch mal miteinander zu versuchen. So setzte man sich also erneut nach einigen Jahren wieder ins Studio und was dabei herauskam, war ein überraschend frisches, provokantes und für Normahl-Verhältnisse auch innovatives Statement zum damals noch sehr frischen (neuen) Jahrtausend mit dem Titel: “Inri 21“.

Eben jenes Album überraschte einen doch sehr angenehm mit seiner musikalischen Frische und Raffinesse, die es darzubieten wusste. Der heimische Punk-Rock Sound wirket vital und kräftig wie eh und je und auch scheute man sich nicht davor, einige musikalische Experimente einzubauen, wie beispielsweise das Einsetzten von härteren Klangstrukturen, die dem Metal Sound nicht allzu weit entfernt waren.

Inhaltlich setzte man in erster Linie auf Themen wie Religion und zynische Punk Triaden. Aber auch kamen erstmals Themen wie „Liebe“ mit ins Spiel und ebenso fanden sich zwei Coverversionen auf “Inri 21“ ein. Schon der Eröffnungstitel “CDU“ offenbarte beispiellos und gelungen: Normahl sind zurück und das auch noch besser denn je! “CDU“ ist nicht nur eine ziemlich böse und sarkastische Abhandlung um eben jene Volkspartei, sondern zugleich weiß die Band sich mit diesem Text auch selbst gehörig aufs Korn zu nehmen. Eben eine recht eingängige, direkte und schnörkellos-punkige Nummer, so wie man sie von Normahl eben auch erwartet hätte.

“Erzähl Mir Über Punk“, “(This Is No) Virtual life“, “Dora D“ und “Darum Bleib Ich Punk“, sind im Grunde recht klassisch gehaltene Normahl Stücke der alten Garde. Ganz ohne große Experimente und falsche Formalitäten dringen sie in die Gehörgänge ein und lassen das Publikum Pogo tanzen bis zum Umfallen. Ungewohnt hart, kritisch und fast schon blasphemisch anmutend geht es in den Stücken “Gott“ und “Jesus Ist tot“ zur Sache: Recht deutlich und kompromisslos wird hier zu verstehen gegeben, was man von der Institution Kirche, dem Christentum und ihren weltlichen Vertretern hält (nämlich rein gar nichts..., was diese dann auch recht deutlich zu spüren bekommen in Form dieser beiden wirklich bitterbösen Textphrasen!).

Textlich ungewohnt philosophisch und nachdenklich gehalten, kommt dann aber die Parabel “Mann Aus Eis“ im Gegenzug daher: Hier stellt nämlich jener Mann aus Eis die gefühlskalten und dekadent-intriganten Konzernchefs und Politiker dar, die nur große Reden schwingen können, aber letztendlich außer ihnen selbst niemand anderes davon profitiert (was sie letztendlich eigentlich auch damit erreichen möchten). Die “Große Ermutigung“ kommt deswegen von niemand geringerem als dem großen „Linksmusiker“ Wolf Biermann und stellt sich als eine wahrhaft akribisch gelegene Coverversion dar. Dies trifft auch bei dem freiheitsliebenden Traditionsklassiker “Der Letzte Cowboy (Kommt Aus Gütersloh)“ zu, welcher eine wahrlich perfekte Abschlusshymne für dieses sehr gelungene Reunion-Album darstellt.

Nicht zu vergessen am Ende sei aber auch noch das wunderschöne und träumerisch-sanft gehaltene Liedgut “Schneestürme“, welches Lars Besa und Co. auch mal von einer ungewohnt sanften und verletzlichen Seite zeigt. Ein letztendlich wirklich traumhaftes „Wintermärchen“, das seine Zeit sicherlich noch sehr lange überdauern wird...

Somit sei sowohl allen alten Hasen, wie aber auch Jungspunden und Punk-Rockmusik-Liebenden, dieses Comeback Album der wohl mittlerweile dienstältesten Punk-Combo Deutschlands ans Herz gelegt und wer von Normahl dann immer noch nicht genug bekommen sollte: Seit dem 18.11.05 steht ihr neues Fulltime-Album mit dem Titel “Voll Assi“ in den Regalen und auf Tour sind sie zudem auch wieder in diesem Jahr (die genauen Tourdaten könnt ihr auch hier direkt bei uns erfahren).

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