Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Noise Capital: Majestic

Deutlich mehr als bloß Lärm
Wertung: 8.5/10
Genre: Alternative Rock
Spielzeit: 28:33
Release: 22.02.2010
Label: FinestNoiseReleases

Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang – dass man für energetische Rockmusik nicht mehr braucht, wussten bereits Cream. In typischer Powertrio-Besetzung treten auch Noise Capital aus Innsbruck an, um sich mit ihrer Sechs-Track-EP „Majestic“ Gehör zu verschaffen. Diese kommt in Vinyl-Optik schon vor dem ersten Hören als kleines Schmuckstück daher; die Aufschrift „Recorded at Tonstudio 45, Mixed and produced by Kurt Ebelhäuser“ verspricht darüber hinaus Qualität und Charakter; schließlich sorgte der Blackmail-Gitarrist bisher auch bei Veröffentlichungen seiner eigenen Band für organischen und dynamischen Sound.

Vermutlich darf man sich also auch bei Noise Capital auf ungestümen, gerade heraus gespielten Rock freuen – und „5 Is 29“ bestätigt diese These erfreulich deutlich: Rumpelnde Drums, knarzige Schrammelgitarren, knackige Riffs, aufgekratzter Gesang – alles da. Der Opener ist ein Rocksong wie aus dem Lehrbuch, inklusive aller Ecken und Kanten, die man sich im Alternative Rock so häufig herbeiwünscht.

Komplexer und vielseitiger ist dagegen der Titeltrack „Majestic“ gestaltet: Was als wütender Orkan aus verzerrten Saiteninstrumenten, wirbelnden Trommeln und progressiven Taktstrukturen beginnt, entwickelt sich zu einem träumerischen und doch spannungsgeladenen, ruhigen Mittelteil mit prägnantem Gesang und verspielter Instrumentierung. Zum Schluss holt sich der Sturm seinen Song aber effektvoll zurück. Ein Track, der das Adjektiv „majestätisch“ zu recht im Titel trägt.

„For Those Who Listen“ gerät mit seinem vielstimmigen Mitsingrefrain zunächst ein bisschen sehr poppig, gefällt dann aber mit seinem ausgedehnten, instrumentalen Mittelteil und dem bei Noise Capital offenbar unvermeidlichen Gitarrenkrachinferno. Danach den kitschigen Refrain noch einmal gefühlte zwanzig Mal zu wiederholen, ist meiner Meinung nach zwar unnötig, aber auch nicht unerträglich. Ansonsten kann man die letzte Minute des Songs auch skippen und direkt zum großartigen „Medicate“ übergehen.

 Hier geht es rifftechnisch deutlich härter als zuvor zur Sache, wer möchte kann sogar über eine leichte Anlehnung an Black Sabbaths „Paranoid“ schmunzeln. Der Gesang erinnert dazu lustigerweise leicht an Depeche Mode, während die Gitarren zwischendrin gerne Mal in postrockige Gefilde abdriften. Der Song deckt das gesamte dynamische Spektrum von knüppelhart bis hauchzart gekonnt ab und ist auf jeden Fall der heißeste Anwärter auf die Auszeichnung „bester Song der EP“.

„The Show“ wirkt dagegen äußerst zahnlos und kann so gar nicht mit dem bisher Gehörten konkurrieren: Zu süßlich und überladen die flauschigen Teppiche aus Akustikgitarrenklängen, zu vorhersehbar der Song als Ganzes; der zuvor so lieb gewonnene plötzliche Klangausbruch weicht schnöder Post-Grunge-Strophe-Refrain-Dynamik. Im Kontext der EP ein schwacher Song, außerhalb dessen vermutlich immer noch besser als der Alternative Rock Durchschnitt.

„Barricades“ beschließt die EP mit Stoner-Riffs, lärmigen Harmonien und gekonnten Franz Ferdinand-Anleihen. Wie „The Show“ kein herausragender Song, ebenso aber auch kein wirklich schlechter. Ein gelungener Schlusspunkt unter einer abwechslungsreichen EP, die Lust auf mehr Material macht, ist er allemal.  

comments powered by Disqus