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Noir Reva: Continuance

Bärenstark, auch ohne Sänger
Wertung: 9/10
Genre: Instrumental, Post-Rock
Spielzeit: 40:38
Release: 06.03.2020
Label: Midsummer Records

Immer öfter schleichen sich Alben von Instrumentalbands in den heimischen Promo-Stapel, zuletzt unter anderem die großartig sphärischen neànder oder die verrückten Nacho Mamba. Die Koblenzer Noir Reva reihen sich da bereits mit ihrem zweiten Album „Continuance“ ein, das zuallererst mal ein wunderbar entspannend wirkendes Frontcover zur Schau stellt, bei dem man selbst am liebsten gleich die Stiefel schnüren und loswandern würde. Dazu passt auch der Sound der Vier: Noir Reva produzieren hier weitläufigen, luftigen Post-Rock mit progressivem Schlag, der wunderbar als Soundtrack zu einem dieser vielen YouTube-Videos herhalten könnte, bei dem Landschaften oder Sternenhimmel im Zeitraffer vorbeiziehen. Man fühlt sich unfassbar erhaben und schwebend, während man die sechs Songs hört – ein bisschen mehr eins mit sich selbst, ein bisschen mehr eins mit der Natur.

Auf „Continuance“ überhaupt Anspieltipps zu benennen, fällt nicht gerade leicht: Alles ist im Fluss, die Songs gehen nahtlos ineinander über und zugleich ist auch noch alles auf einem gleichbleibend hohen Niveau angesiedelt, dass man eigentlich nur raten kann, sich die Platte als Ganzes zu Gemüte zu führen. Dennoch bleiben einige Songs schneller im Gedächtnis als andere:

Da wäre zuerst der Opener, das luftig-leicht perlende „Fiowia“, das im Verlauf mit überraschend dominanten Schlagzeugparts überzeugt und dadurch vermehrt Spannung aufbauen kann; scheinbar zahm kommt auch das genial betitelte „Come Back Apollo“ daher, bevor das Schlagzeug die Harmonie plötzlich durchbricht – Noir Reva sammeln also fleißig Punkte, allein schon für cleveres Songwriting und technisches Können.

Noch deutlich dichter kommt „They Do Exist“ daher, man kann sich richtiggehend vorstellen, wie man guten Mutes in den Dschungel wandert, der auf der Albumfront prangt, und im Verlauf der Wanderung angegriffen wird – so plötzlich schlägt dann nämlich die Stimmung des Songs um, der rasant von einer fast romantischen Leichtigkeit in eine latente, nicht fassbare Bedrohlichkeit umschlägt. Das Ganze geht folgerichtig in das drängende „Phobia“ über, das – auch wieder in erster Linie durch die tighte Schlagzeugarbeit – ordentlich Druck aufbaut und dennoch durch die flirrenden Gitarren so etwas wie Hoffnung verbreitet.

Einen solchen Satz hört man von mir selten, aber es ist gut, dass die Koblenzer sich auf die Instrumentalschiene verlegen. Solch starke Tracks wie „They Do Exist“ hätte man mit einem noch so begabten Sänger eigentlich nicht besser machen können, eher hätte durchaus die Gefahr bestanden, die Atmosphäre vollständig zu versauen. So ist mit „Continuance“ ein durchweg starkes Instrumental-Post-Rock-Album entstanden, das mehr Power durch die Boxen jagt als so manche gesanglich unterstützte Band.

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