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Noekk: The Minstrel's Curse

Geile Songs, aber etwas kurz für ein Full-Length-Album
Wertung: 7.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 34:25
Release: 22.02.2008
Label: Prophecy Productions

Hmm, hier haben wir eine wirklich interessante und stilistisch vielfältige CD vorliegen, bei der traditionelle Metal- und Hard-Rock-Riffs auf saftige Hammond-Orgel-Klänge treffen und sich mit entspannten, cleanen Gitarren und sanften, verträumten Mellotron-Sounds abwechseln und sowohl Growls als auch Gesang, der in die Opern-Richtung geht, auftauchen. Das Ganze klingt zunächst vielleicht etwas konfus für jemanden, der die Band Noekk (benannt nach einem Sagenwesen, das Menschen verführt und in den Abgrund lockt) noch nicht kennt, ist aber definitiv sehr hörenswert.

Im Übrigen besteht die Combo aus lediglich zwei Mitgliedern, die für sämtliche Instrumente verantwortlich zeichnen und sich Funghus Baldachin und F. F. Yugoth nennen. Ersterer ist vielen wahrscheinlich eher unter dem Namen Theodor Schwadorf oder auch Markus Stock bekannt, der ansonsten bei den Horror-Metallern The Vision Bleak mit seinem Kumpel Allen B. Konstanz, der auf vorliegender CD auch als Gastsänger in Erscheinung tritt, zockt, und letzterer hört normalerweise auf den schlichten Namen Thomas Helm.

Doch nun zu „The Minstrel’s Curse“: Parallelen zu The Vision Bleak, die der Hörer natürlich vermuten dürfte, sind meiner Ansicht nach eher wenige auszumachen; The Vision Bleak ist auf jeden Fall Musik, die leichter ins Ohr geht, insgesamt eher düsterer – wenngleich selbstverständlich auch auf der neuen Noekk-Scheibe viele düstere Passagen auszumachen sind, doch dazu später – und, sagen wir, rustikaler ist.

Bei Noekk können sich Stock und sein Compagnon richtig austoben, was allerdings ja schon die angedeutete stilistische Vielfalt erahnen lässt. Bereits der Opener – gleichzeitig auch der Titeltrack – beginnt mit einem sehr coolen, klassischen, an Maiden erinnernden Riff, um dann völlig unvorhersehbar – trotzdem aber absolut nachvollziehbar – in eine wunderschöne, ruhige Passage mit schmeichelnden cleanen Gitarren und Mellotron überzugehen. Dazu kommt der etwas gewöhnungsbedürftige Opern-artige Gesang (in ähnlicher Form bereits auf dem letzten Empyrium-Album "Weiland" dargeboten), mit dem ich persönlich nicht allzu viel anfangen kann. Ich mag Opern eigentlich sogar sehr gerne, aber hier wirkt die Chose irgendwie etwas affektiert und zu pathetisch, obwohl von technischer Seite sicherlich anspruchsvoll. Klarer Fall: Geschmackssache.

Wie dem auch sei, es ist unheimlich geil gemacht, wie man das Stück plötzlich in eine düstere Sequenz mit Gothic-Keyboards und Growls lenkt, um es schließlich wieder ruhig enden zu lassen. Eine exzellente Komposition, hervorragend durchdacht und umgesetzt, mit stilistischen Anspielungen in verschiedenste Richtungen, ohne den roten Faden zu verlieren.

Der zweite Track „Song Of Durin“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, beginnt mit Metallica-artigem Riffing, besticht durch fast schon My-Dying-Bride-mäßige Gitarrenharmonien in der Mitte und natürlich finden sich auch hier zahlreiche Stimmungs- und Tempowechsel. – „Ähnelt einer Reise auf einem Fluss“, heißt es von Seiten der Plattenfirma; sicherlich nicht die schlechteste Umschreibung.

Äußerst atmosphärisch ist auch Song Nummer drei, „How Long Is Ever“, ein Instrumental, das vertrackt beginnt, dann mit sehr schwermütigen Gitarren fortgeführt wird (wieder muss ich an My Dying Bride denken) und letztlich mit sehr klassisch klingendem Klavierspiel (hat was von Chopin) endet.

„The Rumour And The Giantess“, das auch schon das letzte und gleichzeitig längste Stück darstellt, ist erneut sehr interessant aufgebaut: Mit fiesen, dissonanten Gitarren geht’s los, es folgt eine komplexe Rhythmuspassage und anschließend mit orientalischen Harmonien versetztes Heavy-Riffing, in das sehr gekonnt eine Schalmei- oder Oboen-Stimme eingebaut wurde.

Was den Hidden Track angeht, so ist er sicherlich atmosphärisch mit seinen Grusel-Sounds und der tiefen Erzählstimme, aber ich fand Hidden Tracks schon immer doof, weil erstens: Was soll das? Und zweitens einem durch den Leerlauf davor vorgegaukelt wird, die CD sei länger als sie in Wirklichkeit ist, oder besser gesagt: Enthielte mehr Musik, als man bei der Spielzeit angenommen hätte. – Und diese hier dauert gerade mal knapp 35 Minuten...

Dies kann mein positives Fazit jedoch in keiner Weise trüben: Ob Fans von The Vision Bleak die CD mögen werden, ist zwar fraglich; das Album ist schon deutlich schwerer verdaulich und einfach wesentlich abgefahrener. Wer jedoch offen ist für die Vermengung verschiedener Sounds, kann nicht viel falsch machen und Prog-Freunde mit Hang zu Düster-Mucke sollten ihre Freude daran haben. Der Titelsong stellt für mich klar das stärkste Stück dar, da hier die vielen verschiedenen Stilelemente und Einflüsse am besten unter einen Hut gebracht wurden – Respekt vor derart gekonntem Songwriting!

Bei solch komplexer Musik findet man naturgemäß bei jedem Durchlauf neue Details, wobei ich sagen muss, dass 35 Minuten (wie gesagt, davon einige auch noch Leerlauf) für ein Full-Length-Album (ich hab auch noch mal nachgesehen, ob es sich nicht doch um eine – dann allerdings wäre es eine sehr lange – EP handelt, aber nein, es gilt als Album) schon fast eine Frechheit sind. Klar, Qualität muss vor Quantität stehen, aber das ist nun wirklich ein bisschen arg dürftig. Trotz dieser Tatsache und dem manchmal etwas „knödligen“ Gesang, der nicht jedem zusagen wird, reicht es locker für 7,5 Punkte.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann