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Nocte Obducta: Sequenzen einer Wanderung

Grandioser Abschied einer einzigartigen Band
Wertung: 9.5/10
Genre: Experimental, Avantgarde
Spielzeit: 44:00
Release: 19.12.2008
Label: Supreme Chaos Records

Die Wanderung beginnt am Ende. Zwar schlug schon 2006 die bevorstehende Auflösung einer der großartigsten deutschen Metal-Bands hohe Wellen in der schwarzmetallischen Szene, doch ein letztes Lebenszeichen erscheint erst jetzt, zweieinhalb Jahre später.

Und das fällt gänzlich anders aus als erwartet: Keine Spur von schwarzmetallischer Raserei, stattdessen ruhige, sphärische Klänge. Die zwei Tracks auf der CD sind selbst für „Stille“-Verhältnisse sehr ruhig gehalten. Die Band legte Wert auf Atmosphäre; alle Instrumente gleichzeitig hört man nur stellenweise. Wenn Schlagzeug, Gitarre und Bass dann aber doch zusammen loslegen, dann eher in Post-Rock- als in Black-Metal-Manier. Trotzdem sind Nocte Obducta in jeder Note wiederzuerkennen.

„Teil 1“ ist der ruhigere der beiden Titel. In diesem Epos steigert die Band die Spannung langsam und Stück für Stück. Ruhige, atmosphärische Passagen werfen den Hörer immer wieder zurück, bevor die nächste Band-Einlage wieder ein bisschen mehr aufwühlt als die vorherige. Erst in der Endpassage, in der die Nummer schließlich gipfelt, hört man die ruhige Stimme von Sänger Marcel. Davor sind es lediglich Sprachsamples, die den lyrischen Teil des Tracks ausmachen. Auch hier: Von Black-Metal keine Spur, der ganz große Knall, der die Spannung löst, bleibt aus.

Und auch der zweite Teil beginnt leicht, geradezu gewichtslos; zeigt aber schnell, dass es hier schon zügiger und härter zur Sache geht – gerade so, als wolle die Band die verbliebenen Emotionen aus dem ersten Track aufnehmen und weiterführen. Im Vergleich zu Nocte Obductas letzten Outputs immer noch sehr zurückhaltend, stellt sich dennoch schon bald das typische Gefühl ein, das einen bei jeder Veröffentlichung der Band überkommt. So unterschiedlich die Alben – von „Lethe“ bis „Nektar: Teil II“ – der Band auch sein mögen, irgendein nicht in Worte zu kleidender Aspekt verbindet sie. Man muss keinen rohen Black Metal spielen, um die ganz eigene Aura zu vermitteln, derer nur die Musik Nocte Obductas zu entfachen im Stande ist.

Die Erkenntnis macht den Abschied schwer, obwohl man sich doch eigentlich schon vor über zwei Jahren damit abgefunden hat. Und während gegen Ende des Titels extreme Vocals und düstere Atmosphäre an alte Zeiten erinnern, wird man sich bewusst, dass auch dieser Output der Band – wenn auch musikalisch ganz anders als die Vorgänger – wieder einmal ihre Einzigartigkeit unterstreicht. Die Dimension ist eine andere, doch die Wirkung dieselbe.

Nocte Obducta haben immer wieder überrascht, mit „Sequenzen einer Wanderung“ mehr denn je. Dass auch dieses Album ein Meisterwerk werden würde, war abzusehen; in welche Kerbe es schlägt, jedoch nicht. Wer nur mit dem „Schwarzmetall“-Album der Band etwas anfangen kann, könnte mit der letzten Veröffentlichung der Formation seine Probleme haben. Wem schon „Stille“ zu atmosphärisch war, dem wird auch dieser 44-Minüter nicht schmecken. Doch für alle anderen gilt eine uneingeschränkte Kaufempfehlung. Nocte Obducta erinnern uns mit „Sequenzen einer Wanderung“ schmerzlich daran, dass eine absolute Ausnahmeband zu Grabe getragen wurde.

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