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No Inner Limits: The Phoenix Is Rising

Drei Songs und mindestens eine Tonne Pathos
Wertung: 3/10
Genre: Power Metal
Spielzeit: 14:51
Release: 01.02.2009
Label: Eigenproduktion

Lasst uns mit einer kurzen Lehrstunde beginnen – „Progressive Metal zeichnet sich meist durch einen komplizierten Aufbau der Songs aus. Das äußert sich in kunstvoller Verknüpfung mehrerer Themen, Breaklastigkeit, häufigen Tempowechseln, komplexer Perkussion und Rhythmik, instrumententechnischer Finesse (…) und nicht selten auch Überlänge (…).“ Wohingegen: „Power Metal (…) zeichnet sich durch relativ hohes Tempo, eingängige Melodien und eine hohe Stimmlage bis hin zum Falsett aus. Sein Klang ist im Allgemeinen recht voluminös, was häufig durch den Einsatz von Keyboards unterstützt wird.“ Das, liebe Freunde, sagt Tante Wikipedia zu diesen beiden Spielarten unseres geliebten Metal. Die beiden miteinander zu verwechseln, ist nahezu unmöglich.

Nun erwartet man also, wenn man eine Progressive Metal-Scheibe in die Hände bekommt, alles andere als hohen Gesang oder eingängige Melodien. Aber: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. No Inner Limits aus Nordrhein-Westfalen führen den Hörer hier ganz schön an der Nase herum: Ist auf der bandeigenen Myspace-Seite die Genrebezeichnung „Rock / Metal / Progressive“ zu lesen, hört man auf der aktuellen EP „The Phoenix Is Rising“ zumindest von Letzterem rein gar nichts. Lediglich drei Tracks sind enthalten, aber das reicht auch völlig, um Fans auf ein neues Album einzustimmen und Nicht-Fans völlig zu vergraulen. Wie im Fall der Schreiberin dieser Zeilen.

Das Quintett zeigt gleich mal, wo der sprichwörtliche Hammer hängt – nämlich einsam und allein im Schuppen, wo er langsam Staub ansetzt. Sänger Daniel Fischer kann zwar in den wenigen ruhigen Passagen des Openers „Judas In Us“ mit einer super Stimme glänzen, doch sobald der Rest der Band sich anmaßt, auch nur annährend schnell zu spielen, verfällt er in pathetisches Manowar-Gehabe, nur ohne „steel“, „fire“ und Lederhemdchen. Des Sängers Schluss-Schrei hätte selbst ein frisch kastrierter Bruce Dickinson kaum besser hinbekommen.

Doch wir wollen fair bleiben: „The Journey“ wächst zu einem etwas nach Iced Earth klingenden Stück heran; die Drums klingen zu Anfang merkwürdig hohl, fügen sich aber schnell in den Song ein. Herrn Fischers Stimme wendet sich Gott sei Dank zumindest etwas von der Power Metal-Schiene ab, hat dafür aber zeitweise eine leichte Ähnlichkeit mit Scars On Broadway-Sänger und System Of A Down-Rumpelstilzchen Daron Malakian. Eine interessante Wendung innerhalb von nur zwei Songs, aber sehr willkommen, um den unangenehmen Geschmack des Power Metal zu vertreiben.

Leider ist das lederbehängte Kerlchen so schnell nicht tot zu kriegen, denn der Titeltrack startet direkt mit dem hohen Falsett-Gesang, einzig die Gitarrenarbeit der Herren Markus Tünte und Tommy Hartung und vor allem die Soli können den Song halbwegs retten.

Fazit: No Inner Limits haben nach einer EP namens „Balance“ im Jahr 1995 und dem Album „The Planet´s Pulse“ zwei Jahre später mit „The Phoenix Is Rising“ eine EP fabriziert, die einem Power Metal-Fan vermutlich vor Begeisterung die Schuhe auszieht, bei allen anderen aber nicht mehr als ein leichtes Gruselgefühl verbreiten dürfte. Kann man bei den ersten Tönen noch von einem erfreulich klassischen Metalsong ausgehen, verwandelt sich der Rest der Scheibe schnell in das persönliche Waterloo eines jeden Verfechters von männlich klingendem Gesang. Was daran Progressive sein soll, weiß vermutlich auch die Band selbst nicht.

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