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No Hawaii: Snake My Charms

Wie der Name schon sagt: Blumenketten gibt's woanders
Wertung: 8/10
Genre: Progressive/Postrock/Sludge
Spielzeit: 52:04
Release: 25.06.2010
Label: Soundpollution

Als Jamil und Jonas Pannee 2003 im schwedischen Göteborg die Band No Hawaii gründen, wollen die Brüder eigentlich nur aggressiven Hardcore spielen. Sechs Demos, eine EP und jede Menge Konzerte später hat sich daran einiges getan.

Mit den neun Songs des Debütalbums „Snake My Charms“ kommt das Quintett auf 52 Minuten Spielzeit – mit knackigen Statements im Zwei-Minuten-Rhythmus hat das nicht mehr allzu viel zu tun. Vielmehr bewegt man sich mittlerweile irgendwo zwischen Sludgecore, Progressive Rock, Post Rock und Psychedelic Rock und nach eigenen Angaben auf den Spuren von Bands wie Isis, Tool und The Mars Volta.

Tatsächlich wirkt es, als hätten No Hawaii die Musik ihrer Idole in ihre Einzelteile zerlegt und sich ihren eigenen Stil daraus zusammengebastelt: Brutal malmende Riffs stehen gleichberechtigt neben meditativen Passagen; klare, melodiöse, teils mehrstimmige Gesänge gehen Hand in Hand mit derben Shouts; nachvollziehbare Songstrukturen wechseln sich ab mit wahnwitzigem Gedresche ohne jeden Halt.

Überflüssig zu erwähnen, dass all diese Charakteristika innerhalb einzelner Songs auftreten. Ebenso überflüssig zu erwähnen, dass „A Lovely Breed“ nicht über volle Länge mit den zu Anfang gekonnt eingestreuten Harmonien protzen wird. Selbstverständlich bricht hier nach einigen Minuten die Hölle los. Und selbstverständlich nicht zum letzten Mal.

Immer wieder durchbrechen No Hawaii die meditativen Momente ihrer Songs, um unbarmherzig über den Hörer hinweg zu walzen. Auf Ruhe folgt Sturm, auf Sturm wieder Ruhe – das ist im Post Rock nichts Neues. Die Brutalität, mit der man auf „Snake My Charms“ mit der Nase in den Staub gedrückt wird, beeindruckt dennoch. Wer sich von „Tunnel“ einlullen lässt, wird mit rohster Gewalt wach gerüttelt. Hier sind No Hawaii ein Orkan. Leider sind sie das nicht immer.

Vermutlich ist das vor allem der Produktion geschuldet, die dem Schlagzeug einen recht großzügigen Happen des Klangbildes zugesteht. Brettert die Band mal über längere Passagen durch die Walachei, hört man bald wenig mehr als klirrende Becken. „Chuck Noir“ gerät daher nicht so richtig zum erhofften Roundhousekick und auch der leicht an Opeth erinnernde Track „Isaul“ verliert deutlich an Druck. Großartig gelungen ist hier hingegen der atmosphärische Mittelteil, der zuerst an wirren Psychedelic, dann an Adam Jones' Gitarrenspiel und zuletzt an Puscifer erinnert.

Ob „Radio Magellanes“ mit seinen zehn Minuten Länge als Herzstück der Platte konzipiert war, fällt schwer zu sagen. Der beste Song auf „Snake My Charms“ ist das Ungetüm jedenfalls nicht. Zu wahllos scheinen die einzelnen Teile aneinandergeklatscht; zu undurchdringlich ist die Struktur, die einen Spannungsbogen weitgehend vermissen lässt. Im Ohr bleibt allerdings die wagemutige Kombination von Hardcore-Shouts und unmittelbar darauf folgendem, getragenem Gesang nach Art von HIM. Erstaunlich, was so alles zusammen passt, wenn sich nur mal jemand traut.

No Hawaii trauen sich. Sie trauen sich auch, mit „E=MC2 (kaospilot)“ einen zerbrechlichen Song irgendwo zwischen Massive Attack und Radiohead zu fabrizieren, der mal ganz ohne Knüppelattacke auskommt und den Hörer erstaunlich aufgeräumt aus der Platte entlässt. Mit ihrem wirren, vertrackten Stil sind die Schweden und ihr Debüt sicherlich eine deutliche Überforderung für die meisten Hörer. Gerade Fans von Frickelnerds wie The Mars Volta könnten an „Snake My Charms“ aber Gefallen finden.

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