Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Nile: At The Gate Of Sethu

Wird den hohen Erwartungen gerecht
Wertung: 8/10
Genre: Technical Death Metal
Spielzeit: 47:33
Release: 29.06.2012
Label: Nuclear Blast

Eines wichtigsten Death-Metal-Releases 2012 ist neben den neuen Schaffenswerken von Cannibal Corpse oder auch Suffocation der bereits heiß ersehnte siebte Streich der Technical-Death-Metal-Veteranen Nile. Warten doch Necrophagist-Fans immer noch vergebens auf die lang angekündigte Platte und haben Morbid Angel ihre Anhägerschaft mit dem letzten Release stark enttäuscht, bieten Nile für alle den nötigen Funken Hoffnung in der technisch versierten Death-Metal-Szene.

So muss sich das neue Album der der drei Amis allerdings auch im Vornherein großen Erwartungen entgegenstellen und und einiges an Potenzial aufweisen, um diesen gerecht zu werden. Doch Karl Sanders und seine Mitstreiter haben sich auch dieses Mal keinen Patzer erlaubt und servieren knallharten und extrem schnellen Technical Death Metal, wie immer versüßt mit einem Hauch orientalisch-ägyptischer Atmosphäre, eben typisch Nile. Wer also befürchtet, das Trio würde es seinen floridanischen Kollegen vom Morbid Angel gleichtun, kann beruhigt aufatmen, "At The Gate Of Sethu" klingt so Nile wie es überhaupt nur geht. Allein ein Blick auf die Tracklist lässt vermuten, dass sich am Stil nicht viel getan hat, denn die Songtitel sind mit Namen wie "The Fiends Who Come To Steal The Magick Of The Deceased" so lang geraten wie eh und je.

Der magische Dreier, bestehend aus Karl Sanders, Dallas Toler-Wade und George Kollias, hat sich wieder zusammengefunden, um erneut geschickt ägyptische Geschichte, Kultur und alte Überlieferungen mit brutalem Death Metal zu kombinieren. So beherbergt "At The Gate Of Sethu" wie gewohnt extrem schnelle Knüppeltracks, die mit flinken Drums, bösartigen Riffs und Texten über altertümliche Schlachten, Rituale und religiöse Zeremonien unterlegt wurden. Stilistisch wird sich allerdings auch ein wenig auf die Anfangstage berufen und so geht es wieder ein wenig komplexer zugange, es gibt mehr Tempowechsel und zudem neben den nun bereits seit geraumer Zeit vorhandenen Clean-Vocals auch noch eine dritte Stimme, die mehr ein wütendes Gebrülle also Growling ist.

Diese wirkt bei machen Arrangements eher fehl am Platz, passt aber an anderen Stellen wie im finalen Part vom Titeltrack herrvoragend hinein. Die drei unbestrittenen Favoriten sind zweifelsohne das bereits zuvor gestreamte "The Fiends Who Come To Steal The Magick Of The Deceased", das überaus groovende Blastbeat-Gewitter "The Gods Who Light Up The Sky At The Gate Of Sethu" und natürlich "Supreme Humanism Of Megalomania", der sich mit melodischen Ansätzen und Nile-typischem Tremolo-Picking schon jetzt als Live-Kracher erwiesen hat. Mit "Slaves Of Xul" und "Ethno-Musicological Cannibalisms" sind auch wieder zwei Instrumentaltracks mit exotischen Instrumenten und düsterer, unbehaglicher Atmosphäre auf der Platte, die sich problemlos zwischen den Knüppeltracks einreihen und überleiten.

Auch mehr als gelungen sind sowohl der mächtige Opener "Enduring The Eternal Molestation Of Flame", der von Beginn an ungestüm losbrettert und einem unzählige tonnenschwere Riffs und rasante Drums auftischt, als auch das grandiose Finale "The Chaining Of The Iniquitous", das mit seinem stampfenden Tempo und doomigen Passagen an "Sacrophagus" vom 2002er Album "In Their Darkened Shrines" erinnert.

Leider sind auch einige Mängel der Band beim Alten geblieben. Zunächst einmal war es nie ganz unüblich, dass die guten Amis einem einfach manchmal einen Ticken zuviel um die Ohren hauen, eine Spur zuviel auf einen Takt komponiert und sich selbst übernommen haben, wodurch solche Passagen einfach zu chaotisch und fordernd für den Hörer geraten sind. Schade eigentlich, doch wenn einem massige Drums mit Einsatz von unzähligen Becken, zig blitzschnelle Riffs und zwei Sänger gleichzeitig in die Ohren brüllen, ist das einfach zuviel.

Der nächste große Kritikpunkt ist der Sound des neuen Albums. Um ehrlich zu sein, hatten Nile ja bei der Produktion ihrer bisherigen Releases noch nie ein geschicktes Händchen. Allerdings stellte die letzte Platte "Those Whom The Gods Detest" soundtechnisch die erste Ausnahme dar, der Klang war präzise und trotzdem ein volles Brett. Leider wurde nun wieder ein kleiner Schritt zurück gemacht, denn der Sound auf "At The Gate Of Sethu" ist eindeutig viel zu dünn. Und nicht nur das, schon beim Opener fällt die enorm platte Produktion auf und es macht sich der viel zu schwache Bass und der nichtvorhandene Druck hinter dem Ganzen deutlich.

Was für den Verfasser dieses Reviews außerdem immer ein kleines Problem bei der Band dargestellt hat, war die unpräzise Spielweise der Herren, was gerade bei der extremen Geschwindigkeit abschrecken kann. Doch seit "Those Whom The Gods Detest" hat die Truppe diesen Fehler ausgemerzt und ist seitdem sogar noch genauer geworden, in Sachen Taktgefühl ist also nichts mehr großartig auszusetzen. An dieser Stelle sei hier einmal die schier unglaubliche Arbeit von Drummer George Kollias erwähnt, der sich nach wie vor in unmenschlichem Tempo durch eine Dreiviertelstunde blastet und wie ein Machinengewehr Doublebass-Salven auf den ahnunglosen Hörer abfeuert. Ein reinstes Technik-Spektakel für Drummer und alle die es noch werden wollen also. Respekt!

Nile knüpfen dort an, wo sie mit "Those Whom The Gods Detest" aufgehört haben, packen noch mal eine Portion Tempo drauf und bauen ihr Erfolgsrezept um einige neue Elemente wie die neu eingebrachten Vocals aus. Stilmäßig gesellt sich "At The Gate Of Sethu" also umstandslos zum Vorgänger und weiß, wenn auch nicht auf ganzer Linie, zu überzeugen mit dem unverkennbaren Sound der Band, der klingt, als hätten ihn Pharaonen vor zig Jahrtausenden in den tiefsten ägyptischen Katakomben zusammengebraut.

Die beiden Probleme, denen sich "At The Gate Of Sethu" aber leider stellen muss, sind zum einen die enorm platte Produktion und zum anderen die in vereinzelten Passagen übereifrig komponierten Arrangements. Davon mal abgesehen, haben Nile zum siebten Mal einen unschlagbar schmackhaften Technical-Death-Metal-Leckerbissen aufgetischt, der den Erwartungen gerecht wird und sich eindeutig sehen lassen kann. An den Sound kann man sich durch erneutes Durchhören außerdem auch gewöhnen und Fans sollten daran ja sowieso nichts auszusetzen haben.

comments powered by Disqus

Top-Stimmung in der Markthalle auch an einem Mittwochabend

Auch die unsägliche Informationspolitik kann einem den Spaß nicht verderben

Stimmungsvoller Abend mit zwei motivierten Bands