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Nikki Puppet: Disco Inferno

Zu weichgespült, aber interessant
Wertung: 7/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 53:00
Release: 30.10.2015
Label: 7Hard / Membran

Es ist schon immer eine Bürde, wenn eine Band ein großartiges Debüt vorgelegt hat. Nicht selten ist es nämlich dann der Fall, dass jedes folgende Album gnadenlos abgewatscht wird. Dabei ist es dann auch egal, ob das neue Album Potential hat oder nicht, solange es das große Werk nicht übertrifft.

Genau dieses Problem haben die Hannoveraner Nikki Puppet auch zur Genüge spüren gelernt. Seit dem Debütalbum „Puppet On A String“, das völlig zu Recht in den Himmel gelobt wurde, werden alle Neuerscheinungen regelmäßig als nicht konkurrenzfähig zum Erstlingswerk befunden. Inwiefern dies auch auf das aktuelle Werk „Disco Inferno“ zutrifft, soll nun geklärt werden.

Eingeleitet wird das Album vom Titel „Insane“, der für die Platte relativ aggressiv und griffig rüberkommt. Vor allem der kurze und knackige Refrain brennt sich schnell ein und lädt zum Mitbangen ein. Im Gegenzug dazu nehmen die Textpassagen dem Song etwas den Wind aus den Segeln. Ein knackiges Solo sorgt für Erfrischung und Sängerin Nicky Gronewold kommt mit ihrer kräftigen Stimme gut zur Geltung.

Etwas anders verhält es sich mit „I Like To Drink“, dem dritten Stück auf der Scheibe. Deutlich fröhlicher und hipper schallt es da aus den Boxen. Der Text entspricht einem typischen Trinklied, welches zu einhundert Prozent für Parties geschrieben wurde. Auch diese Liebeserklärung an den Alkohol prägt sich sehr schnell ein und reißt mit. Dass hier das Hauptaugenmerk nicht auf einer kompositorischen Höchstleistung, sondern auf einem möglichst prägnanten Chorus und Riff liegt, das erklärt sich von selbst. Man muss die Nummer kein einziges Mal komplett gehört haben, um mitsingen zu können. Natürlich ist das Fluch und Segen gleichermaßen, denn der Track erodiert bei mehrmaligem Hören doch recht deutlich und stark. Das ändert aber nichts daran, dass der Song einer der einprägsamsten der kompletten Platte ist.

Inzwischen drängt sich eine nervige Erkenntnis nach vorne: Der Sound ist unglaublich glattgebügelt und fast schon poppig produziert. Gerade der Bass klingt völlig harmlos und domestiziert. Bei der Gitarre muss man schon von einem kastrierten Sound sprechen. Hier ist alles zu Tode komprimiert und egalisiert. Dabei sind die Lieder von Nikki Puppet doch dem eher punkigen Teil des Hard Rocks zuzuordnen. Was hätte also dagegen gesprochen, dem Bass einen etwas krachenderen und der Gitarre einen schreienden, sägenden Stil zu verpassen? Damit hätte man die Sache sicherlich ein bisschen besser machen können und vor allem hätte man sich dem Stil der Sängerin auch etwas mehr genähert. An diesem Fazit kann auch das völlig anders produzierte „Mirror Mirror II“ nichts ändern – der Titel wurde separat aufgenommen und produziert. Hätte man der restlichen Platte einen  so offenen Sound verpasst, dann hätte man sich bestimmt einen Gefallen getan.

Die Scheibe hat ihre Höhen und Tiefen. Sie wird vor allem diejenigen begeistern können, die sich erst frisch mit der Truppe auseinandersetzen oder zumindest das Erstlingswerk nicht als die größtmögliche Leistung der Gruppe betrachten.

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