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Nihiling: Egophagus

Aus dem Nichts an die Spitze
Wertung: 9/10
Genre: Post-Rock, Progressive Rock
Spielzeit: 47:54
Release: 07.10.2011
Label: Abandon Records

Wer zurzeit noch Akzente im Post-Rock setzen will, kann sich nicht mehr einzig darauf verlassen, schlichtweg das in neuer Form aufzulegen, was Pioniere wie Mogwai und Godspeed You! Black Emperor zum typischen Sound dieses Genres gemacht haben, wenn auch in jeweils völlig unterschiedlicher Färbung. Während momentan scheinbar vor allem die britische Szene mit Truppen wie Her Name Is Calla oder Maybeshewill Impulse geben kann, schickt mit Nihiling auch eine deutsche Band ein neues Album ins Rennen, das fraglos aus der Masse heraussticht und zeigt, was für großartige Musiker sich noch im Underground versteckt halten.

Völlig neu definiert die durch wenig Präsenz im Internet charakterisierte Band das Genre dabei gar nicht, sondern passt dieses lediglich geschickt dem eigenen Stil an und glänzt in erster Linie durch viel Wiedererkennungswert in Melodieführung und Songwriting. Grundsätzlich haben sich Nihiling so einer Mischung aus Post-Rock und Progressive Rock verschrieben, in der auch Gesang seinen Platz findet, überzeugen den Hörer aber trotz dieser nicht allzu ungewöhnlich anmutenden Klassifizierung mit zahlreichen Überraschungen, die die Songs angenehm unvorhersehbar gestalten und das Album so auch auf lange Sicht interessant machen. Auch wenn gewisse Muster wie die typischen Post-Rock-Crescendi einen festen Platz auf „Egophagus“ haben, lässt die Band es sich nicht nehmen, mit den Erwartungen zu spielen und auf diese Weise so manchen erstaunlichen Moment zu kreieren.

In gewissem Sinne tut die Band dies bereits mit der Eröffnung des Albums durch „The Antagonist“, denn anders als der Großteil des restlichen Materials scheint dieser Einsteig doch recht eingängig – nach einem Intro mit zartem Klavierspiel und wabernden Klängen samt Sprachsample breitet sich das melancholische Leitmotiv stetig aus, ohne dabei seine Form vollkommen zu verlassen, wobei die Spannung jedoch bis zum Schluss perfekt gehalten wird. Obwohl hier bereits die typische Signatur der Band merklich ist, was Melodieführung angeht, sind die nachfolgenden Songs wesentlich prägender für den Stil der Truppe.

Meint man zu Anfang von „Particle“ ob des filigranen Gitarrenspiels und dem hohen, sanften Gesang samt geisterhaften Backings noch, deutlich Indie-beeinflusste Musik vor sich zu haben, belehren harte Riffs, Doublebass und stark verzerrte Screams den Hörer bald eines Besseren und sorgen das erste Mal im Verlauf des Albums für wirkliches Staunen. Glücklicherweise gelingt Nihiling dieser Effekt noch häufiger und gestaltet die Spielzeit angenehm dynamisch – das kurze, aber prägnante „Minnows“ schafft so mit seiner friedlichen Stimmung zwischen Spieluhr und kindlichem weiblichem Gesang einen passenden Gegenpol zu den lauteren Momenten, wohingegen „Demise“ mit durchdringenden Melodien und einem Duett des Sängers und der Sängerin der Band aufwartet, um so auch den der Musik ebenbürtigen Texten Raum zu geben.

Das wohl größte Highlight auf „Egophagus“ stellt „Sirens“ dar, das auch ohne allzu große Überlänge einen der stärksten Post-Rock-Songs der letzten Zeit darstellt. In immerhin acht Minuten entfalten Nihiling hier einen perfekten Spannungsaufbau und werden dabei gleichzeitig dem Titel des Songs gerecht: Unheimliche weibliche Gesangsharmonien deuten das bevorstehende Unheil an, während sich der Song langsam und mystisch erhebt und einen zögerlichen Ausbruch wagt, jedoch sogleich wieder abebbt. Der Höhepunkt wird erreicht, wenn plötzlich nahezu vollkommene Stille einsetzt und eine einsame Gitarre eine beunruhigende Melodie spielt, um den kurz darauf einsetzenden Gesang der Sirene anzukündigen – wer hier noch keine Gänsehaut hat, bekommt diese spätestens bei dem sich in stürmischer Wucht entfesselnden Hauptmotiv des Songs, das später von verzerrten Schreien begleitet wird, bevor das Unwetter in sich zusammenbricht und ein ruhiges Outro den Track ausklingen lässt.

Da auch abseits von diesem kleinen Meisterwerk mit Songs wie dem abwechslungsreichen und eine der herausragendsten Melodien des Albums bietenden „Precious Hosts“ oder „Once In Every 12 Million Years“, das ein weiteres Instrumentalstück darstellt und einen mitreißenden Klimax bereithält, geglänzt wird, fesselt „Egophagus“ von der ersten bis zur letzten Sekunde. Speziell die Langzeitwirkung des Albums ist beachtlich, denn die intelligenten Kompositionen bieten unzählige Details, die es zu entdecken gilt und entbehren doch nie der nötigen emotionalen Wucht, die nötig ist, um auch abseits der technischen Ebene restlos zu überzeugen – wer also nach einer innovativen und trotz bekannter Zutaten äußerst eigenständigen Band zwischen Progressive und Post-Rock sucht, findet hier die optimale Wahl.

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