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Nightwish: Showtime, Storytime

Floor Jansen allein rechtfertigt schon den Kauf
keine Wertung
Genre: Symphonic Metal
Spielzeit: 95:40
Release: 29.11.2013
Label: Nuclear Blast

Es gibt Dinge im Leben, über die man sich im Nachhinein ganz schön ärgern kann – jeder kennt das. Bei mir wäre das nach dem Anhören des Soundtracks zu Nightwishs neuer Blu-ray/DVD „Showtime, Storytime“ momentan die Tatsache, dass ich zwar dieses Jahr auf dem Wacken Open Air war, mir aber Nightwish nicht angesehen habe. Ein großer Fehler, wie diese Doppel-CD, die den Mitschnitt jenes Gigs beinhaltet, ganz eindeutig beweist. Nach dem unwürdigen Rauswurf von Tarja Turunen im Jahr 2005 hatte ich die Band etwas aus den Augen verloren, vor allem weil Anette Olzon weder in puncto Stimme noch Präsenz an ihre solo längst sehr erfolgreiche Vorgängerin heranreichen konnte und auch „Dark Passion Play“ mit Abstand das schwächste Album war. Nachdem nun auch Anette aus etwas schwammigen Gründen gegangen ist (erneute peinliche Posse inklusive), hat man allerdings mit dem früheren After Forever-Goldkehlchen Floor Jansen einen absoluten Glücksgriff getan und kann sich auf eine hoffentlich sonnige Zukunft der Combo freuen.

Das vorliegende Tondokument ist der beeindruckende Beweis (vor allem für die, die die Finnen in neuer Besetzung noch nicht live gesehen haben) dafür, dass die Band längst nicht tot ist und wird alle Lästermäuler (also auch den Autor dieser Zeilen) mit Sicherheit stopfen. Man hörte damals bereits überwiegend Stimmen, die den Wacken-Auftritt von Nightwish nach allen Regeln der Kunst abgefeiert haben und tatsächlich wurde nicht übertrieben. Die Performance wirkt spielfreudig, die Gruppe präsentiert sich in Topform (über 70.000 Zuschauer sind natürlich auch ein ganz guter Motivationsschub) und vor allem Floor singt dermaßen brillant, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. All das, was Anette an Power vermissen ließ, kommt mit der Niederländerin endlich wieder zurück: sie besitzt eine rockige Röhre, aber gleichzeitig auch ein bisschen den opernhaften Zauber von Tarja – und vermischt dies zu ihrer eigenen, fantastischen Interpretation. Besonders am Ende von „Ghost Love Score“ wächst sie über sich hinaus und bringt die Fans mit ihren Schreien völlig zum Ausflippen; ich schäme mich nicht zu sagen, dass die Darbietung so unfassbar gut ist, dass mir ohne Witz buchstäblich die Tränen kamen.

Jenes über zehnminütige Epos ist selbstverständlich das Highlight des rund anderthalbstündigen Konzertes, das zwar so oder so eine interessante Setlist mit auffällig vielen „Once“-Tracks sein Eigen nennt – besonders das geile „Romanticide“ ist eine positive Überraschung und sicher weit davon entfernt, ein Livestandard zu sein –, doch nicht nur für meinen Geschmack hätte es gerne noch ein bisschen mehr altes Material sein dürfen, gerade wo man durch Floor jetzt wieder die Möglichkeit hat, dieses auch live umzusetzen. Aber mal sehen, was in Sachen Songauswahl bei zukünftigen Konzerten noch so passiert.

Dass beispielsweise auf den Fan-Fave „Wishmaster“ verzichtet wird, darf dennoch durchaus außergewöhnlich genannt werden, von jenem Album spielt man dafür den Opener „She’s My Sin“, was ebenfalls nicht unbedingt zu erwarten gewesen wäre. Weiterhin unbedingt erwähnenswert sind „Everdream“ und auch „Nemo“ – schon allein wegen Floor. Letzterer Track ist für meine Begriffe eigentlich völlig verzichtbar, aber es sind Floors alles hinwegfegende Vocals, die auch diesem an sich völlig überbewerteten Song eine Daseinsberechtigung in der Setlist verschaffen.

Der Sound ist unverkennbar live, das Publikum deutlich zu hören, der Mix stimmig und alles hört sich sehr echt an; gerade dass man auch einzelne Reaktionen aus dem Zuschauerbereich vernehmen kann, macht die Angelegenheit umso sympathischer. Und dass nicht nur die Leute von der Band begeistert sind, sondern auch umgekehrt, zeigt sich nach „I Want My Tears Back“, als Floor die Fans schreien lässt und dabei fast sprachlos zurückgelassen wird.

Wenn man nur die Audiofassung als Maßstab nimmt, ist „Showtime, Storytime“ ganz klar Pflichtprogramm – Floor Jansen allein rechtfertigt schon den Kauf. Mastermind Tuomas Holopainen schwebte für die nächste DVD-Aufzeichnung zwar eine Show mit Orchester vor, doch auch wenn dies nicht umgesetzt werden konnte, liegt schlichtergreifend ein klasse Konzert vor. Sollte auf der Blu-ray bzw. DVD (die uns leider nicht zum Rezensieren vorlag, auf der aber noch eine ausführliche Dokumentation sowie Bonustracks enthalten sind) dann noch richtig gute Bildqualität vorhanden sein, kommt endgültig kein Fan mehr darum herum, sich das Gesamtpackage zu organisieren. Ende der Durchsage.

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