Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Nightwish: Imaginaerum

Eine zweischneidige Angelegenheit
Wertung: 8.5/10
Genre: Symphonic Metal
Spielzeit: 74:33
Release: 02.12.2011
Label: Nuclear Blast

Es ist zum Verrücktwerden. Zwei Prozent der deutschen Wahlberechtigten besitzen tatsächlich die Frechheit, eine Partei zu wählen, die sich nicht nur für Politik etwa so sehr interessiert wie Joey DeMaio für das Wohlwollen seiner Fans, sondern deren Hauptanliegen ganz offensichtlich die Legalisierung des Diebstahls geistigen Eigentums anderer ist. Gleichzeitig liegt schon ohne solche Maßnahmen eine Hälfte des Musikgewerbes irgendwo am Ende des Nirgendwos im Sterben. Und während sogar die Verlagsindustrie an der Dummheit der eigenen Rezipienten zu ersticken droht, beweisen Nightwish glanzvoll, dass die Rezession wohl vor einigen Wenigen Halt gemacht hat. Zumindest wenn das London Philharmonic Orchestra und der Chor Metro Voices auf dem neuen Album „Imaginaerum“ nicht in einer sozialen Minute für lau gearbeitet haben.

Aber das ist in Ordnung, ja, es ist sogar absolut notwendig, solch großen Aufwand in diese Musik zu stecken, denn – seien wir mal ehrlich – ohne sie wäre nur noch ein dünnes Stimmchen übrig, das nach dem anfänglichen Reiz des Neuen mittlerweile auch niemanden mehr vom Hocker reißt. Zumindest weiß Mastermind Tuomas Holopainen inzwischen, die stimmlichen Defizite von Anette Olzon durch geschicktes Songwriting auszugleichen. Hier ist nicht die Rede von geringem Tonumfang oder sonstigen Einbußen, aber wer in hohen Tonlagen ein so geringes Volumen hat wie Nightwishs (nicht mehr ganz so) neue Stimme, sollte einfach keinen Song wie „For The Heart I Once Had“ singen. 

Schiebt man allerdings mal allen Zynismus beiseite, kommt man nicht um die Feststellung herum, dass die Band hier etwas ganz Großes und ganz Neues geschaffen hat: In den Sphären, in denen Holopainen mit Unterstützung von Pip Williams schwebt, macht ihm zumindest im Bereich des Symphonic Metal  rein musikalisch niemand mehr etwas vor. „Imaginaerum“ ist ebenso bombastisch wie der Vorgänger „Dark Passion Play“, aber mutiger, abwechslungsreicher und insgesamt trotz allem doch stimmiger. 

„Slow Love Slow“ etwa jazzt langsam und über weite Strecken ohne Gitarren vor sich hin, während die erste Single-Auskopplung „Storytime“ und vor allem „Scaretale“ eine skurrile Theater-Ästhetik zelebrieren. Auch hier wird geschickt mit dem Einsatz – aber vor allem mit dem Weglassen – von Gitarren gespielt. Die Orchestrierung führt fast dazu, dass man sich richtig heimisch fühlt, wenn dann plötzlich an ganz wenigen Stellen doch nur noch Schlagzeug, Bass und Gitarre zu hören sind. Am bis auf den gezielten Choreinsatz instrumentalen Zwischenspiel „Arabesque“ hätte sicherlich auch ein Klaus Badelt für seine kommenden Filmkompositionen Freude. 

Olzons Stimme wird meist unterstützt vom Kollegen Marco Hietala, von Chören, von verstärkenden Hintergrundmelodien oder von einer Dopplung ihrer Selbst - ein großes Danke dafür an Herrn Holopainen. Wie auch auf „Dark Passion Play“ überzeugen Nightwish allerdings am meisten in den kraftvollen Nummern, in denen Hietala auch mal mit rauer Stimme ans Mikro tritt. „Ghost River“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie man alles, was die Band heute ausmacht, in einem Song unterbringen kann (und wo auch Olzon stimmlich nicht ganz schlecht dasteht): Heavyness, Dramatik, Dynamik, großartige Orchestrierung und ergänzend eingesetzte Chöre. 

Der Rest der Platte ist dann recht wechselhaft: Während die beiden Balladen „Turn Loose The Mermaids“ und „The Crow, The Owl And The Dove“ nicht ganz so belanglos wie „Eva“, aber bei Weitem nicht so genial wie „The Islander“ vom Vorgänger sind, ist „Last Ride Of The Day“ ein Lichtblick, der sich auch als Opener richtig gut gemacht hätte und auf die ein oder andere Weise an alte Zeiten erinnert. 

Wer von der letzten großen Veröffentlichung aus dem Metal-Bereich (nämlich Metallicas und Lou Reeds aktuellem Ärgernis „Lulu“) noch schockiert ist, kann zur Besänftigung ruhigen Gewissens zum neuen Nightwish-Streich greifen. Wenn auch – ja, es muss wirklich noch einmal gesagt werden – durch Olzons dünnen Gesang ein Großteil der Emotionen auf der Strecke bleibt, so sind die Kompositionen selbst mit wenigen Ausnahmen der Inbegriff der Höchstwertung und ein kleines Meisterwerk. Sogar die Band scheint die Diskrepanz zu erkennen und veröffentlicht als Bonus auch diesmal alle Songs im Doppelalbum instrumental. 

comments powered by Disqus

Wenn die Vorband dem Hauptact den Rang abläuft...

Grandioser Konzertabend, an dem keine Wünsche offen bleiben können

Schritt für Schritt zu einem erfolgreichen Abend