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Nightwish: Endless Forms Most Beautiful

Abwechslungsreich wie selten zuvor, ohne altbekannte Stärken zu vernachlässigen
Wertung: 9/10
Genre: Symphonic Metal
Spielzeit: 78:54
Release: 27.03.2015
Label: Nuclear Blast Records

Über Nightwish muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Seit mittlerweile fast zwanzig Jahren im Geschäft konnten die Finnen ihre Vorreiterrolle im Bereich des Symphonic Metal in den letzten Jahren definitiv noch einmal zementieren. Eine Charakteristik scheint die Band dabei aber nicht loszuwerden: Während die Instrumentalfratkion sich seit der Bandgründung kaum verändert hat, herrscht auf der Position der Sängerin eine vergleichsweise starke Fluktuation. Seit 2013 ist Floor Jansen neu dabei und bekleidet den Posten, den zuvor erst Tarja Turunen und später Anette Olzon besetzt hatten. „Endless Forms Most Beautiful“ ist dabei der erste Studiorelease mit der neuen Sängerin am Mikro und die Neugier dementsprechend groß.

Der Beginn der neuen Scheibe fällt in jedem Fall schon einmal vielversprechend aus: „Shudder Before The Beautiful“ beginnt mit einem harten Riff und steigert sich im weiteren Verlauf nochmal ein ganzes Stück. Mit ihrem doch recht epischen und pompösen Refrain erinnert die Nummer mehr als nur ein bisschen an „Imaginaerum“. Besonderes Schmankerl ist dabei, dass der weltbekannte Evolutionsbiologe Richard Dawkins als Erzähler für die einleitenden Worte gewonnen werden konnte.

Wer nach dem Antesten der Single „Elan“ Sorgen hatte, dass die Finnen langsam verweichlichen, sollte spätestens nach dem zweiten Song beruhigt sein. „Weak Fantasy“ ist wie sein Vorgänger von einem heavy Gitarrenriff geprägt. Besonders kontrastreich komponiert, gibt der Song der neuen Frau am Mikro die Gelegenheit, ihre großartige Variabilität unter Beweis zu stellen, was Floor Jansen auch auf eine rundum begeisternde Art gelingt.

Das anschließende „Elan“, das eher simpel komponiert ist und von seiner Melodik sowie der lyrisch gut verarbeiteten Thematik lebt, bietet dann eine kurze Verschnaufpause, bevor die finnischen Symphonic Metaller die Intensität für den an „Weak Fantasy“ erinnernden Song „Yours Is An Empty Home“ wieder erhöhen.

Im Anschluss gehen Nightwish es dann allerdings erstmal etwas ruhiger und überraschend experimentierfreudig an. So fühlt man sich im späten Mittelteil des Albums oftmals an die atmosphärischen Power-Balladen im „Imaginaerum“-Stile erinnert, wird aber auch von folkigen, teilweise leicht mittelalterlichen Elementen überrascht, die gelegentlich ein wenig an Eluveitie erinnern.

Mit „The Eyes Of Sharbat Gulu“ gibt es dann noch ein Instrumentalstück, bevor Nightwish zum Abschluss zum absoluten Höhepunkt des Albums kommen: dem 24-minütigen „The Greatest Show On Earth“. Natürlich braucht ein Song dieses Ausmaßes auch ein umfangreiches lyrisches Konzept und so widmet das finnische Sextett sich hier, unter der erneuten Mithilfe von Richard Dawkins, kurzerhand in fünf Kapiteln der gesamten Evolution vom Anbeginn der Zeit bis in die ferne Zukunft. Um es kurz zu machen, der Schlusstrack hält was das Konzept verspricht, vermischt grandios verschiedene Stile und rechtfertigt mehr als nur ein paar Hördurchgänge.

Zeit, ein Fazit zu ziehen: Der neue Gesang braucht ein wenig Eingewöhnungszeit, ist aber wenn auch schwer zu vergleichen auf seine individuelle Art herausragend. Floor Jansens Stimme schwebt zwar nicht mit der selben Selbstverständlichkeit über den Songs wie es die ihrer Vorgängerinnen taten, besitzt aber einen ganz eigenen, charakteristischen Charme und schlägt sowohl Turunen als auch Olzon um Längen, was die stimmliche Variabilität anbelangt. Dieser Umstand resultiert in einem sehr abwechslungsreichen Album, das zeigt, dass Nightwish sowohl bombastische Hymnen als auch melodisch-atmosphärische Balladen beherrschen, alles gekrönt natürlich vom epischen „The Greatest Show On Earth“. Vor allem, aber bei weitem nicht nur beim letztgenannten Song, wird einem dabei wieder einmal bewusst, dass die Finnen verdammt gut darin sind, interessante und poetische Texte ansprechend und episch zu vertonen.

Die Erwartungen hat die Band also erfüllt, ihren Platz an der Sonne haben sie definitiv auch mit ihrem neuen Line-up zementiert und dank der Variabilität des Albums sollte wirklich für jede Fangeneration etwas dabei sein.

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