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Nightwish: Dark Passion Play

Ein gelungener Beginn der neuen Ära
Wertung: 8/10
Genre: Symphonic Metal
Spielzeit: 75:45
Release: 28.09.2007
Label: Nuclear Blast

Der Name des 2005 veröffentlichten CD/DVD-Packets sagt alles. "End of an Era" macht deutlich, dass ein Teil von Nightwish zu Grabe getragen wurde, schließt aber eine Fortsetzung keineswegs aus. Ganz im Gegenteil: Wer fast anderthalb Jahre benötigt, um einen würdigen Ersatz für die ehemalige Stimme der Band zu finden, der muss es ernst meinen. Dementsprechend groß war die Spannung, als im Frühling die erste Single "Eva" des kommenden Albums "Dark Passion Play" veröffentlicht wurde. Für viele kam nur ein Abstieg in Sachen gesanglicher Qualität bei Nightwish in Frage, zumal es sich bei Ex-Sängerin Tarja Turunen um eine ausgebildete klassische Opernsängerin handelt. Dementsprechend unterschiedlich fielen die Reaktionen dann auch aus. Letztendlich kann ein einzelner Song aber kaum als Maßstab zur Beurteilung gesanglicher Qualität herangezogen werden und somit ist auch jetzt die Anspannung noch immer groß. Kann eine Anette Olzon mit einer klassischen Opernstimme mithalten? Bedeutet der Rauswurf von Tarja Turunen vielleicht sogar das endgültige Aus von Nightwish, wie man sie kannte? Und ganz nebenbei: Ist "Dark Passion Play" genauso gut wie sein Vorgänger?

Eins sei vorweggenommen: Mit "Dark Passion Play" machen Nightwish einen Schritt in die richtige Richtung. Die oft kritisierte Stimme von Anette Olzon erweist sich trotzend aller Skepsis als recht vielseitig. Mehr als alle anderen Songs macht das schon der Opener "The Poet And The Pendulum" klar, ein dreizehnminütiger, vielschichtiger Epos voller Bombast, Dramatik und großer Melodien. Kraftvoll und bestimmend auf der einen Seite, aber zart und zerbrechlich auf der anderen.

Tuomas Holopainen, Mastermind der Formation, scheint die Ankündigungen, "Dark Passion Play" werde noch ein Stück pompöser als "Once", ernst gemeint zu haben. Und tatsächlich: Die epischen Momente sind keineswegs auf die ersten 13 Minuten beschränkt. Generell wurde den orchestralen Elementen soundtechnisch ein größerer Stellenwert zugesprochen. Gesang und Musik stehen nun in den Parts, in denen einst die Gesangsstimme sehr dominant war, auf einer Stufe.

Die neue Stimme eröffnet Nightwish zwar musikalisch ganz neue Türen, aber die von Tarja Turunen transportierten Emotionen weiß sie nicht zu vermitteln. Weniger getragen, weniger erhaben und somit auch weniger spektakulär bahnt sie sich einen Weg durch die Songs.

Neben den Gesangsleistungen von Anette Olzon sind ebenfalls die neuen Entwicklungen bei den Vocals von Bassist Marco Hietala deutlich zu erkennen. Ebenfalls sehr vielfältig eingesetzt erklingt seine Stimme häufiger als auf den beiden Vorgängeralben zusammen. "Master Passion Greed", der wohl härteste und vor allem thrashigste Song, den Nightwish je veröffentlicht haben, kommt bis auf den hintergründigen Chor ganz ohne eine weibliche Stimme aus - eine gute Entscheidung.

Doch nicht nur dieser Thrash-Brecher ist eine der zahlreichen Überraschungen des Albums. Mit "The Islander" veröffentlicht die Band einen ruhigen, komplett akustischen Folk-Song, in dem ebenfalls Marco Hietala den Großteil des Gesangs übernimmt. "Sahara" vereint orientalische Melodien, während der anfangs ruhige Song "Meadows Of Heaven" in einem theatralischen Orchester-vs-Band-Part gipfelt, bevor dann fast unerträglich kitschige Soul-Gesänge den großen Gefühlen Einhalt gebieten.

Mit der Single-Veröffentlichung von "Amarath" wurde wieder ein recht poppiger Song ausgewählt, der zwar nicht schlecht ist, aber das Album letztendlich nicht repräsentieren kann. "Bye Bye Beautiful" legt dagegen ein etwas schnelleres Tempo vor. Aggressive und ruhige Passagen lösen sich hier gegenseitig ab und lassen beide Sänger abwechselnd zum Zuge kommen.

Einer der Songs, in denen dann doch auf die ein oder andere Weise die Intensität und Kraft hinter der Simme fehlt, ist "For The Heart I Once Had". Die poppige Gesangslinie in der Strophe geht mit einem Knall in den emotionalsten Refrain der gesamten CD über, und die noch eben positiv herausgestellte Gleichwertigkeit von Musik und Stimme kehrt sich ins Negative um - hier fehlt die Power in der Stimme.

Während mit "Last Of The Wilds" ein komplett instrumentaler Track auf dem Album vorhanden ist, können die trotz aller orchestralen Bombastausbrüche eher belanglosen Songs "Cadence Of Her Last Breath" und "Whoever Brings The Night" nicht überzeugen.

Fazit: "Dark Passion Play" ist vor allem eine Entwicklung. Nicht nur stimmlich, sondern auch musikalisch. Ohne die Vorgängeralben als Vergleich heranzuziehen, liegt "Dark Passion Play" recht weit oben auf der Skala. Bei über 75 Minuten Länge mag dem ein oder anderen der Spruch "Masse statt Klasse" auf der Zunge liegen. Zwar wäre das bei diesem Album bei Betrachtung der Vielschichtigkeit der Songs ziemlich unangebracht, doch andererseits trüben die beiden letztgenannten Songs den Gesamteindruck tatsächlich ein wenig. Das fehlende Volumen der Gesangsstimme wäre zwar ebenfalls an sich ein Kritikpunkt, doch wird dieser durch geschickte Songarrangements und musikalische Anpassung an die neue Stimme weitgehend ausgeglichen. Somit bleiben letztendlich acht Punkte für einen mit Abstrichen gelungenen Beginn einer neuen Ära.

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