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Nightmare: Libido

Ein wohltuender Quell der Frische und des innovativen Ideenreichtums
Wertung: 8/10
Genre: Visual Kei
Spielzeit: 49:19
Release: 22.09.2006
Label: Gan Shin Records

Wenn man nun rein auf die Visual Kei - Szene bezogen von einem „kometenhaften Traumstart“ sprechen müsste, würde hierbei definitiv folgender Bandname fallen: Nightmare (gesprochen: Naitomea). So gelang es dem extravaganten Quintett aus Sendai (= „Stadt der Bäume“, im Nordosten Japans), sich innerhalb von gerade einmal zwei Jahren eine große und treue Fangemeinde in Asien aufzubauen. Nightmare verkaufen bis heute Alben, Singles und DVDs in Rekordhöhe und ein Ende ist bislang noch lange nicht in Sicht. Weswegen es auch nur eine Frage der Zeit war, bis man die (mittlerweile nun natürlich nicht mehr ganz so neuen) Visual Kei - Newcomer, auch in unseren Breitengraden für Furore sorgen lassen wollte.

Während Yomi und seine Manen zu Beginn ihrer ersten musikalischen Gehversuche im Jahre 2001 noch gnadenlosen Hardcore J-Rock mit wüsten Schreigesängen zum Besten gaben, wurde mit zunehmender Zeit ihr Klangbild immer zugänglicher und abwechslungsreicher. Die somit anfänglich noch wilde und ungestüme Art wich zunehmend einem avantgardistischen und experimentellen Stil. Man gab sich auch mehr und mehr „en vough“, was das kunterbunte und ausgefallene Bühnenoutfit der fünf Musiker betraf, deren Stilrichtung hierbei von ganz traditionell bis futuristisch reicht.

Eine besondere Auszeichnung gebührt der J-Rock Combo aber auch im persönlichen Umgang mit ihrer Anhängerschaft: So ist es im Allgemeinen für Visual Kei - Acts eher ungewöhnlich, dass sie auf der Bühne mit ihren Fans direkt kommunizieren oder zusammen auch nur lachen und feiern. Doch Nightmare brechen ganz bewusst mit dieser - nicht unarroganten - Spielweise des Visual Kei und geben sich auf ihren Konzerten ungemein fröhlich, kontaktfreudig und authentisch. Eine Sympathie, die allerorts jedes Mal aufs Neue honoriert und begeistert aufgenommen wurde.

Das mir vorliegende Studiowerk “Libido“ stellt für Nightmare nach dem beachtlichen Debüt “Ultimate Circus“ (2003), den absoluten Durchbruch in Japan dar: “Libido“ erschien dort Ende November des Jahres 2004 und war fortan ein ausufernder Dauergast in japanischen Haushalten und Szene-Clubs. Doch nun ist es also auch endlich in unseren Territorien soweit: Die deutschen Visual Kei - Propheten von “Gan Shin - Records“ veröffentlichen Nightmares Bestseller “Libido“ auch bei uns im deutschsprachigen Raum.

Allgemein ist “Libido“ musikalisch relativ westlich orientiert und bietet eine Spielwiese, deren Innovationsvielfalt von Modern Rock über knackigen Punk, Ska und melodische Hardcore - Substanzen reicht. Aber dennoch präsentiert man sich auch bewusst traditionell: Fernöstliche Exposés voller Liebe und Leidenschaft prägen gezielt die Produktion, die - ganz vaterlandstreu - nur in japanischer Gesangssprache gehalten wurde.

Das Werk beginnt mit dem zweigeteilten Eröffnungsgut “Sanagi“, das gänzlich unbemerkt nach etwa 1 1/2 Minuten Spielzeit in den nachfolgenden Song “Varuna“ übergeht. Jenes „eröffnendes Duett“ bietet einen beeindruckenden Modern Rock - Klang mit kraftvollen Gitarrenriffs, die nicht nur flott; sondern auch eingängig dargeboten werden.

Konträr dazu gesellt sich der Punk Rock - Hammer “Sekishoku“, der sich mit fragilen (aber dennoch ungemein treibenden) Hardcore - Elementen präsentiert. Insbesondere ist hier der Refrain ein Abenteuer der Superlative und lädt sofort lauthals zum Mitsingen ein. In eine ähnliche Schiene schlägt auch der Song “Tokyo-Shonen“, der lediglich die Hardcore - Passagen mit opulenten Ska-Rhythmen tauscht. Die Nummer ist recht wild, aber dennoch eher konform und besitzt ebenfalls einen hohen Unterhaltungswert.

Die Herzstücke auf “Libido“ bilden für mich persönlich aber die beiden Balladen "Suna“ und “Tsuki no hikari utsutsu no yume“. “Suna“ ist eine 6 ½-minütige, ruhige Ballade; voller Gefühl, mit sehr emotionellen Momentaufnahmen. Hingegen wirkt sein Nachfolger schon deutlich druckvoller und birgt eine gesunde Portion fernöstlicher Symphonien in sich: Beides sind wirklich Top-Songs, die man sich in aller Ruhe einverleiben sollte. Gänsehautfaktor pur, hat hier garantiert oberste Priorität!

Nach dem traditionellen J-Rock Konstrukt “Be Buried“ (inkl. rein akustischer Zwischenstücke) und dem eingängigen Hardcore - Brett “Gianism-Go“ (voller Transparenz und ungezügelter Energie), dümpeln allerdings die letzten vier Songs des Albums ein wenig vor sich hin. Sie sind zwar ebenfalls nicht schlecht, doch fehlt mit hier eindeutig ein wenig die bisher dargebotene Innovation und Kreativität, was den Sound anbelangt. Lediglich Yomis Stimme ist nach wie vor sehr charismatisch und wandlungsfähig, was auch weiterhin einen Genuss auf höchster Ebene garantiert.

Viel Lob! Und das auch vollkommen berechtigt: Zusammen neben ihren Szene-Kollegen D´espairsRay und Dir en Grey, sind Nightmare ein wohltuender Quell der Frische und des innovativen Ideenreichtums. Wer experimentelle, knackige und durch Mark und Bein preschende (J-)Rock Musik liebt, wird an “Libido“ garantiert nicht mehr vorbeikommen!

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