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Next Stop Horizon: We Know Exactly Where We Are Going

Stilistisch zwischen allen Stühlen, dabei beeindruckend zielstrebig
Wertung: 8.5/10
Genre: Folk/Indie/Experimental
Spielzeit: 48:09
Release: 26.08.2011
Label: Tapete Records

Der Bart als Qualitätsmerkmal ist sicherlich eines der unterschätztesten Accessoires für den stilbewussten Musiker: Gerade in Sachen Hardrock und Folk zählt ein ordentlicher Gesichtsflokati bei mindestens einem Bandmitglied irgendwie zum guten Ton – je länger, je besser. Dieser Logik folgend lässt die Waldschratmatte, die Next Stop: Horizon-Mastermind Pär Hagström im Gesicht spazieren trägt (und die selbst einen Neil Fallon in den Schatten stellt), auf ein großartiges Hörvergnügen schließen – auch wenn die visuelle Aufmachung des Debütalbums „We Know Exactly Where We Are Going“ ansonsten völlig gegenteilige Signale sendet: Ein mit „sperrig“ noch wohlwollend beschriebener Albumtitel, dazu ein – pardon – potthässliches Cover in Kinderzimmeroptik, über das sich höchstens noch das Label Tapete Records freut. Und hinter dem Frontcover geht's nicht viel besser weiter: Hier bekommt man das türkise Debakel noch einmal in hellrosa (!) geboten.

Immerhin erfährt man dort auch, wer Next Stop: Horizon überhaupt sind: Außer Hagström, der sich für Gesang, Texte und diverse Instrumente verantwortlich zeichnet, gehört zum festen Bandkern eigentlich nur noch seine Partnerin Jenny Roos am Gesang. Allerdings steuern diverse Gastmusiker allerhand Interessantes zum Oeuvre der beiden Schweden bei: Kontrabass, Violine, Klarinette, Saxophon und Klavier sollen zu hören sein; dazu macht der „Reed Organ Song“ an vierter Stelle der Tracklist neugierig. Was ist das hier überhaupt? Und wie soll es klingen?

Ungewöhnlich klingt es – das ist mal sicher: Next Stop: Horizon richten sich irgendwo zwischen Kurt Weill, Tom Waits, Folk-Rock, Jazz, Varieté und Jahrmarktmusik häuslich ein. So ganz gerecht wird man ihnen damit aber immer noch nicht, denn kein Song auf „We Know Exactly Where We Are Going“ klingt wie der andere. So versprüht der Opener „Iron Train“ mit seinem minimalistischen, schleppenden Schlagzeug und klirrendem Glockenspiel spröden Indie-Lo-Fi-Charme und schwebt auf einer Wolke aus verträumtem Gesang und Rhodes-Piano dahin. „Wild Escape“ hingegen schickt eine geheimnisvoll tapsende Kontrabasslinie mit einem Jazzschlagzeug und Pär Hagströms souligen Vocals auf die Reise. Gesellschaft erscheint im Laufe des Songs in Form von perkussiven Klavierakkorden, einem dissonant trötenden Saxophon und Jennys Harmoniegesängen.

Der „Reed Organ Song“ entpuppt sich schließlich als tatsächlich von dem titelgebenden Harmonium getragene Ballade, deren sanfte, warme Melodie ein wohliges Gefühl von Kaminfeuer in einer einsamen Holzhütte hervorruft. In „Telekinesis“ erinnert der eben noch harmlos und sanft hauchende Hagstöm plötzlich an eine Mischung aus Pirat und irrem Zirkusdirektor, der mit einem Akkordeon und einem Gospelchor eine Polka im Hafenbordell dirigiert. Und „Mysterious Grace“ ist nicht ganz Soul und nicht ganz Rock, vereint aber die Energie beider Stile in einem irrsinnig intensiven und spannenden Stück Musik.

Bei dermaßen unterschiedlich gestalteten Songs schaffen es Next Stop: Horizon dennoch, einen charakteristischen und komplett eigenständigen Sound aufrecht zu halten: Die selten überladenen aber doch verspielten Arrangements machen reichlich Gebrauch von klassischem und altmodischem Instrumentarium, die Produktion klingt warm und organisch und die markanten Stimmen von Pär und Jenny tun ihr Übriges. Mit „Love Is All“ versucht sich die Band zum Schluss auch noch an einem Cover aus Roger Glovers Rockoper „The Butterfly Ball“: Das im Original von Ronnie James DIO gesungene Stück bringt den schunkelnden Polkarhythmus schon mit; Next Stop: Horizon überführen es mithilfe von Harmonium, Xylophon und vielstimmigem Gesang nur noch in ihre eigene Ästhetik – das aber absolut schlüssig.

Stilistisch wie gesagt zwischen allen Stühlen, soundtechnisch aber so zielstrebig unterwegs, wie es der Albentitel verkündet, legt das Duo eine von vorn bis hinten geschlossene, dabei aber beeindruckend abwechslungsreiche und vielseitige Debütscheibe vor. Wer seinen musikalischen Horizont einmal in eine ganz neue Richtung erweitern möchte, liegt mit „We Know Exactly Where We Are Going“ goldrichtig. Wer auf burleskes Flair, abgedrehte Ideen und echte Originalität steht, darf an dieser Platte sowieso nicht vorbeigehen – auch wenn sie noch so abschreckend aussieht.

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