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New Born Hate: Obsessed

Ein Hassbrocken mit zwei großartigen Sängern
Wertung: 8/10
Genre: Thrash Metal, Death Metal, Hardcore
Spielzeit: 55:58
Release: 13.08.2010
Label: STF-Records

New Born Hate dürften zumindest den Metalheads ein Begriff sein, die sich ein wenig in der Mannheimer und Heidelberger Szene auskennen. Das Sextett war bis vor kurzem noch unter dem Namen Agoraphobia bekannt, inzwischen scheint der neugeborene Hass aber eher zum Sound der Jungs zu passen: Groove, Breakdowns und dynamische Moshparts paaren sich hier mit den Death Metal-lastigen Growls von Sänger Phil, während der zweite Mann am Mikro, Maik, sich eher um die Core-Fraktion kümmert. Ja, ihr habt richtig gehört – Core. Der wird allerdings von NBH liebevoll in derart garstige Songs verpasst, dass er schon fast nicht mehr auffällt. Dabei ist der Mann mit den Dreads keineswegs ein unbekannter, leiht er doch auch der eher Thrash-orientierten Combo Silent Overdrive sein gewaltiges Organ.

Beim vorliegenden „Obsessed“ darf man sich erst einmal verwundert die Äuglein reiben. Ein Debütalbum? Merkwürdig, denn es klingen doch alle Songs in sich schlüssig, passen im Albumkontext zusammen und – das ist das Wichtigste – strotzen so vor Aggression, dass es eine wahre Freude ist. Live kommen zwar die Unterschiede zwischen Phils tiefen, erdigen Growls beziehungsweise den kalt anmutenden Pig Squeals und Maiks heiserem Shouting eine Spur besser rüber, trotzdem haut die Platte ordentlich rein. Schon auf dem Phoenix Festival im Juli konnte die Combo nicht nur die Schreiberin dieser Zeilen überzeugen. Live sind die Sechs also allemal eine Macht.

Schon das Intro der Platte deutet an, worauf sich der gemeine Hörer hier einlässt: Mit etwas steril wirkenden Gitarren und angemessen wummernden Drums wird das sechseinhalbminütige „On The Way“ eröffnet, die Herren geben ihre Growls dazu und Maik darf die gewohnt heisere, aber mit ordentlich Wiedererkennungswert besehene Einleitung übernehmen. Das Zusammenspiel der beiden Sänger klappt natürlich wunderbar, schließlich ist man vom Fach, die Gitarrenlicks sitzen, die Blastbeats blasten… was will man mehr?! Im Refrain toben sich die beiden gemeinsam aus und schaffen damit ein echtes Monster. So kann das weitergehen.

Dass der Bandname durchaus gerechtfertigt ist, beweist neben dem eigentlichen Sound einmal mehr der Titel von „K.D.A.“, was nichts anderes heißen soll als „Kill. Destroy. Annihilate.“. Im Refrain des Songs wird das mit einem aus tiefstem Herzen kommenden „Them All!“ gekrönt- Der Song fällt insgesamt etwas experimenteller aus, weil er ein wenig Industrial-lastig ist, kann sich aber hören lassen. Die Magenwand vibriert fröhlich vor sich hin, als „Facing The Demon“ mit brummenden Drums und einem sehr dominant abgemischten Bass eingeleitet wird – schön, auch wenn man sich bildlich vorstellen kann, wie die Trommelfelle live bei dem Song reihenweise den Geist aufgeben. Ein bisschen Hardcore-Feeling kommt auf, als Maiks heisere, ein wenig in den Hintergrund gemischte Vocals zu hören sind, dabei driftet der Track im Verlauf eher in Richtung Chimaira-orientierter Groove-Metal ab.

„666“ beweist einmal mehr – falls es noch Menschen gibt, denen das bewiesen werden muss – , dass New Born Hate ihr Handwerk verstehen, was vor allem für die natürlich sehr im Vordergrund stehenden Sänger und Gitarristen gilt. Als absolutes Highlight entpuppt sich „Misanthropist“, das von einer schaurig-schöne Gitarrenspur geziert wird und relativ perkussiv gehalten ist, so dass man sich an den Drums richtig hochschaukeln kann. Dynamisch geht die Bridge voran, in der vor allem der Kontrast zwischen Phils tiefen Growls und Maiks eher nach Hardcore-klingendem Shouting genial rüberkommt. Hardecore-lastig ist der Song nicht nur textlich, sondern auch in Form der Gang-Shouts, die sich im Refrain durchmogeln. Es ist ein starkes Stück, das jetzt schon zu meinen persönlichen Top-Songs gehört.

„The Bait“ geht noch einmal mit ordentlich Druck seitens des Schlagzeugers von der ersten Sekunde an nach vorne, sogar ein bisschen Black Metal kann man zwischendurch aus den Gitarren heraushören. „Sometimes“ beutelt die Nackenmuskulatur zwar erneut ordentlich, kann aber nicht mehr ganz mit den insgesamt starken Vorgängerstücken mithalten. Das macht aber auch nichts, platt ist man nach dem Hören von „Obsessed“ so oder so. Was für eine Anstrengung es sein muss, derartig massive Songs auch auf der Bühne zu präsentieren, kann sich wahrscheinlich kein Nicht-Musiker ausmalen. Vor allem die beiden Sänger haben einiges zu tun, machen ihre Sache aber erwartungsgemäß verdammt gut und tragen mit dem steten Wechsel maßgeblich zur Dynamik der Platte bei. Hier können Mosher genauso zugreifen wie Headbanger, denn durch die Mischung Thrash/Death/Hardcore ist für (fast) jeden etwas dabei.

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