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Neurosis: Honor Found In Decay

Gut Ding will Weile haben
Wertung: 8,5/10
Genre: Sludge, Doom Metal
Spielzeit: 60:47
Release: 26.10.2012
Label: Neurot Recordings

Ganze fünf Jahre haben sich die Sludge-Legenden Zeit gelassen, um ihr neues Werk „Honor Found In Decay“ auf die Fangemeinde loszulassen – bedenkt man, dass Neurosis inzwischen seit über 25 Jahren aktiv sind und es sich noch nie nehmen lassen haben, ihren Alben eine gewisse Zeit zum Reifen zu gewähren, sollte man ihnen dies großzügig nachsehen. Tatsächlich sind während der langen Wartezeit auch einige Songs entstanden, die sich nahtlos zwischen den großen Werken der Amis einfügen.

Verlernt haben Neurosis nämlich wenig überraschend ihre Kunst nicht, so dass auch auf „Honor Found In Decay“ vertrackter, bedrückender und doch berührender Sludge geboten wird. Dass dabei gleich drei Songs die zehn Minuten-Marke überschreiten und auch das restliche Material überdurchschnittliche Spielzeiten als Standard setzt, betont umso mehr, dass die Truppe weit davon entfernt ist, in irgendeiner Hinsicht zahmer zu werden – obwohl man so zwar die eigene Komfortzone nicht gänzlich verlässt, finden sich dennoch einzelne Überraschungen auf dem Album, die „Honor Found In Decay“ vom Rest der Diskographie abheben. Letztendlich verdanken die Songs ihren Qualitätsstandard aber natürlich immer noch der unveränderten Fähigkeit der Band, große Momente mit erschlagender Wucht immer im perfekten Moment aus dem Hut zu zaubern.

Ohne jede Eile lassen Neurosis den Hörer zu Beginn mit „We All Rage In Gold“ erst einmal warten und riffen nach einem erwartungsvollen Intro abgesehen von Scott Kellys röhrend herausgepresstem Gesang überraschend leichtfüßig, auch wenn bereits eine subtile Schwere spürbar ist – umso durchschlagender ist die Wirkung des walzenden Riffings nach einem kurzen Keyboard-Zwischenspiel, das die Fans in altbekannter Gewalt willkommen heißt. Erst danach beginnt jedoch die eigentlich Reise, denn die nachfolgenden überlangen Songs lassen sich noch deutlich mehr Zeit, um sich in ihrer ganzen Masse auszubreiten. Gerade bei den ersten Hördurchgängen sorgt dies jedoch dafür, dass die Musik noch langsamer reift, als es bei den Amis ohnehin schon der Fall ist – Geduld ist bei „Honor Found In Decay“ also definitiv eine Tugend, die man mitbringen muss, denn nur so erschließt sich die Klasse der Songs nach einer Weile.

„At The Well“ und „My Heart For Deliverance“ entwickeln sich in jeweils über zehn Minuten so zu zwei der stärksten Songs auf dem Album: Ersteres Stück steigert sich über Wechsel zwischen ruhigen Passagen mit tiefem, klarer als sonst gehaltenem Gesang und erdrückendem Riffing samt dezenter Keyboard-Unterstützung tief in die Depression, wobei ein sich überraschend gut einfügendes Sackpfeifen-Interlude in der Mitte ebenso aufhorchen lässt wie das typische, an Härte zulegende Finale, das Scotts wiederholt geschrienes „In a shadow world“ ins Gedächtnis einbrennt. „My Heart For Deliverance“ wiederum hat seinen stärksten Effekt in erster Linie in seinem plötzlichen Stimmungswechsel – der bedrohliche Beginn mit düsteren Synths, der in wütendes Gebrüll übergeht, wird gekonnt mit einem friedlichen, hoffnungsvollen Post-Rock-Interlude samt Klavierbegleitung zu einem urplötzlich die Lautsprecher erschütternden Riff übergeleitet, das zu einem Wall-of-Sound-artigem Abschluss führt.

Auch die Abwechslung innerhalb der eigenen Grenzen wird mit jedem Hördurchgang etwas deutlicher. Das ebenfalls überlange „Casting Of The Ages“ präsentiert sich als melancholisches, schwerfällig dahinstapfendes Doom-Epos, wohingegen „All Is Found In Time“ als variables Sludge-Stück auftritt, das auch von den gelungen eingesetzten elektronischen Elementen profitiert. „Honor Found In Decay“ bestimmend ist letztendlich aber natürlich vor allem die finstere Atmosphäre, die nach wie vor in ihrer Umsetzung durch die Band unverkennbar ist; so auch im rabenschwarzen „Bleeding The Pigs“, das durch den drohend und kratzig gesungen Anfang und eine Industrial-artige Soundkulisse einen ganz eigenen Charakter erhält.

Obwohl „Honor Found In Decay“ möglicherweise nicht ganz an alte Großtaten der Band heranreicht, liefern Neurosis ein Album ab, das problemlos an der Spitze der diesjährigen Veröffentlichungen in diesem Bereich steht. Die Kombination aus schwergewichtiger Melancholie und eingestreuten Momenten voll schlichter Schönheit, in der „Raise The Dawn“ mit seinem Streicher-Outro das Album passenderweise auch ausklingen lässt, beherrschen Neurosis noch immer wie kaum eine andere Truppe, so dass „Honor Found In Decay“ nicht nur für Fans das Geld und auch die Mühe wert sein sollte, die es erfordert, um die Qualitäten der Songs zu erkennen und schätzen zu lernen.

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