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Netherfell: Between East And West

Ein bildgewaltiges Debüt
Wertung: 9/10
Genre: Folk Metal
Spielzeit: 48:22
Release: 30.10.2015
Label: Noizgate Records

Die Polen Netherfell kannte bis vor ein paar Monaten noch keine Sau. 2008 in Krakau gegründet, hat die Band sich aber immerhin schon so den Arsch wundgespielt und mit ihrer EP „Okryte Zapomnieniem“ derart überzeugen können, dass es dieses Jahr zu einem Deal bei Noizgate Records gereicht hat – und siehe da: Fans und Presse überbieten sich gegenseitig mit Lobhudelei, das nächste große Ding im Folk Metal sollen die sechs Polen sein und mit ihrem Debüt „Between East And West“ stellen sie auch schon im Titel klar, dass sie den Spagat zwischen unterschiedlichen Kulturen schaffen wollen.

Schaut man sich die Besetzung an, haben Netherfell erstmal alles, was eine ordentliche Metalband mit Folklore-Background so braucht: Neben den Klassikern Gitarre, Schlagzeug und Bass stehen auch die gute alte Balalaika auf der Liste, ebenso wie Dudelsack, Tin Whistle, Violine, Blockflöte und mit Wit Rzepecki gibt es auch einen traditionellen Sänger im Komplettpaket. Auch Hühnchen im Korb Adrianna sorgt mit ihrem betörenden Gesang für urtümliche Momente.

Folk Metal hat ja mitunter das Problem, sich selbst zu wiederholen. Gerade am deutschen Mittelalter orientierte Bands haben mittlerweile einen derartig langen Bart, dass man das Gähnen beinah nicht mehr unterdrücken kann – Netherfell haben da natürlich mit ihrer Herkunft einen deutlichen Exotenbonus, und schaffen es auch abseits der teils polnischen, teils englischen Texte, überraschend stark zu überzeugen. Soll heißen, auch instrumental hat das Sextett einiges auf dem Kasten – klar, man kennt die Klänge der oben genannten Instrumente zur Genüge, Netherfell vermengen diese aber so geschickt und binden unterschiedlichste Tempi in ihre Songs ein, sodass Langeweile erst gar keine Chance hat.

Sehnsuchtsvoll schleicht sich im „Intro – Rozdroza“ die Violine an, leise stimmt das Schlagzeug mit ein, bevor die Dramatik in „Ghost Of Kurgan – Upiór Kurhanu“ gipfelt, bei dem sich die Geige zu schrillen Geschrei steigert, plötzlich von einem recht typischen Folk-Metal-Schlagzeug und Flötenspiel verdrängt wird und sich zu einem Track aufbaut, der gut auch zu einem Soundtrack à la „Herr der Ringe“ gepasst hätte (da passt es auch ganz gut, dass der Bandname aus dem Anhang eines Buches von – ganz richtig, Tolkien stammt). Die Herren Piotr Martus, Wit Rzepecki und Tomasz Indyka teilen sich den Gesang, der zwischen traditionellen Hintergrundgesängen und tief gebrummten Vocals schwankt, die in Kombination mit den Instrumenten ein wenig an Equilibrium und Co. erinnern, mit dem Unterschied, dass hier der Aggressionsfaktor nicht so sehr im Vordergrund steht. 

Bei „Towards Fertile Lands – Ku Peodnym Ziemiom“ darf dann die Dame erstmals stimmlich zum Zuge kommen und macht ihre Sache verblüffend gut. Gleichzeitig ist der Track deutlich moderner als sein Vorgänger und beinhaltet mit dem bellenden männlichen Gesang und dem rasanten Schlagzeug fast schon Core-Elemente.

Nach dem gerade mal halbminütigen Spoken-Words-Zwischenspiel „The Gathering“ kommt auch „The Highlander“ verhältnismäßig modern und mit grandios brachialem Schlagzeug daher. Adrianna und die Herren liefern sich ein „Beauty And The Beast“-mäßiges Sangesduell, bei dem letztlich doch nur die Gitarren gewinnen, die wie ein Gewitter Einzug halten.

„Mice Tower“ wird dann eingeleitet von einer wunderschön gezupften Balalaika, bevor der Song sich im Verlauf zunehmend gewaltiger und auch brutaler entwickelt. Schwarzmetallische Schreie geben sich die Klinke in die Hand mit hardcorigem Gebell, Grundlage bilden wie gehabt die tighten und absolut auf den Punkt gebrachten Drums, da muss man auch Schlagwerker Jakub Kondzielnik einfach mal ein direktes Lob aussprechen. Wie der Mann scheinbar lässig Fills aus dem Ärmel schüttelt und die Songs darüber hinaus noch zusammenhält, spottet jeder Beschreibung. Dass die Herren und die Dame auch vor ihrem Debütalbum nicht untätig waren, zeigt dann der finale Bonus Track „Mokosz“, der der Demophase entliehen ist und zwar eine Spur weniger ausgeklügelt daherkommt als die übrigen Albumtracks, aber dennoch eine intensive Atmosphäre versprüht und die Bühne einmal mehr für Adrianna frei macht.

„Between East And West“ ist nicht umsonst mit Lob überschüttet worden, schaffen es die Polen doch, bekannte Elemente neu zusammenzusetzen und ein bild- und soundgewaltiges Album zu schaffen, das nicht nur perfekt zu dem herbstlichen Wetter passt, sondern außerdem auch die Phantasie des Hörers anregt.

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